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Wahlkampfbesuch

15.09.2017

Mit Äpfeln die Energiewende erklärt

Im Solarpark im Regen: (von links) Sabine und Gerhard Moggl (Grundstückseigentümer), Andreas Klier, Ulrike Wittmann, Toni Hofreiter, zweiter Bürgermeister Johann Habermeyer, Dieter Moosheimer und Norbert Mages (Grüne).
Bild: B. Sünkel

Toni Hofreiter besucht in Neuburg eine Energiekooperation wie aus dem Wahlkampfheft der Grünen. Sie zeigt, wie die dezentrale Stromversorgung gelingen kann

Vielleicht ist das Konzept der EEG-Umlage ja doch nicht so schwer zu verstehen. Toni Hofreiter macht es jedenfalls wie der Erstklass-Mathelehrer, um zu veranschaulichen, warum die groß angelegte Energiewende nicht so recht in Fahrt kommt. Dafür braucht er nicht einmal Birnen. Äpfel allein reichen.

Man muss sich vorstellen, holt der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag aus, man hat einen Apfelbaum im Garten stehen. Der wachse und gedeihe und irgendwann sind die Äpfel reif. Als der Grund- und Apfelbaumbesitzer genüsslich in den ersten rotbäckigen Apfel beißen will, stoppt er plötzlich: „Muss ich nicht noch Steuern dafür bezahlen?“

Recht plakativ ist der Vergleich freilich, den Hofreiter anstellt. Vor ihm haben sich Energie-Experten von Anumar, Ulrike Wittmann, Geschäftsführerin und Gastgeberin, Dieter Moosheimer vom Sozialdienstleister Integra und Zuhörer aus Politik und Wirtschaft versammelt. Hofreiter, seines Zeichens Klarsprecher und Kumpeltyp, seine Zottelmähne strahlt trotz dichter Wolkendecke wie Sonnenblumen im Herbst, erklärt mit dem Apfelbaum im Garten ein Unding der EEG-Umlage, das er als „Sonnensteuer“ bezeichnet. Andreas Klier, Geschäftsführer des Ingolstädter Energieunternehmens Anumar, hat die Diskussion angestoßen, die für Hofreiter eine Steilvorlage ist. Klier erzählt von einem bekannten Unternehmen, das von der EEG-Umlage befreit wurde. Eigentlich hätten sie ihren Strom auch gern dezentral, beispielsweise durch Solarenergie bezogen. Doch sobald der Unternehmer die Zellen auf dem Dach platziert, zahlt er eine geminderte EEG-Umlage von 40 Prozent. Eine Steuer für den eigenen Apfel, erklärt Hofreiter. Und ein Grund dafür, warum sich für viele Unternehmen der nachhaltige Weg nicht rechne.

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Warum das Treffen genau unter dem Stern der Energiepolitik steht, lässt sich mit einem Blick aus dem Fenster erklären. Vor der Firma Wittmann liegt der Neuburger Solarpark, den die Firma Anumar gebaut hat, der die Firma Wittmann mit Strom versorgt und dessen Grünflächen von Arbeitskräften auf dem Weg der Resozialisierung der Firma Integra gepflegt wird.

Ein Bilderbuchprojekt für einen Auftritt, der weniger an Wahlkampf erinnert als an ein offenes Gespräch unter Gleichgesinnten. Toni Hofreiter ist sich sicher, dass die Zukunft der Energieversorgung in der Dezentralisierung liegt. Andreas Klier als einer der Begründer des Energy2Business-Modells würde davon profitieren, weil das Angebot zur direkten Energieversorgung attraktiver wird. Das ist jene Vision, die Hofreiter und Klier teilen: nachhaltige Energieparks am Rande von Gewerbegebieten. „Strom muss dort produziert werden, wo Abnehmer sind“, sagt er an einem der wenigen Orte, an denen der Plan zumindest teilweise umgesetzt wird.

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