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Ensemble del Arte

13.01.2015

Mit Klasse und Charakter

Sextett der Formation gab eine berührende Interpretation von „Porgy und Bess“

Barock und Moderne, alte und neue Welt, klassische Musik und Jazz, Vivaldi, Gluck und Gershwin: Mit einem aparten Programm begrüßte das Ensemble del Arte Sextett das noch junge neue Jahr. Für die beiden Solisten Olivia Friemel und Irakli Tsadaia gab sich im Neuburger Kongregationssaal Gelegenheit zu einem musikalischen Heimspiel im künstlerischen Jugendzimmer. Die beiden haben hier schon mehrfach miteinander musiziert, vor Jahren noch als aufstrebende Nachwuchstalente. Nun präsentierten sie sich als künstlerische Persönlichkeiten mit Klasse und Charakter.

Zum Aufwärmen gab das Sextett Antonio Vivaldis Triosonate La Follia. Das Stück lebt von der Variation der Tänze und Temperamente, Tempi und Stimmungen. Das erfordert bei aller vordergründigen Einfachheit des Themas höchste Konzentration des Zusammenspiels, der Abstimmung und der exakten rhythmischen Gliederung.

Das gelang nicht durchgehend. Auch in Willibald Glucks erzählerischer Ballett-Suite Don Juan trübten rhythmische Verschleifungen und Flüchtigkeitsfehler in der Intonation den Hörgenuss, dessen Grundlage im interpretatorischen Ansatz und in den abwechslungsreich musizierten Details durchaus gegeben war.

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Wenn auch den Hörgewohnheiten des einen oder anderen Zuhörers vielleicht noch fern: Wesentlich erfreulicher anzuhören war George Gershwins Porgy and Bess Suite aus den 1930er Jahren, hier in freier Bearbeitung für Violine, Klavier, Schlagzeug und Streicher von Viktor Koniaev, dem Konzertmeister des Ensemble del Arte.

Sehr energisch und mit üppigem Klang gab Olivia Friemel den Klavierpart. Ihr entschiedener Anschlag hauchte den rhythmischen Finessen der Jazz inspirierten Komposition beachtliches Leben ein und hatte wesentlichen Anteil daran, dass die Suite sich im Kopf der Zuhörer zur Oper zu entfalten vermochte. Auch der sehr runde, zugleich von vitaler Kraft und emotionaler Tiefe erfüllte Ton von Irakli Tsadaias Violine gab beste Gelegenheit, dem Schicksal des Bettlers Porgy und der von ihm unglücklich geliebten Bess nachzuspüren.

Das Quintett – bestehend aus Viktor und Alexander Koniaev, Violine, Vadim Machovski, Viola, Nika Shamugia, Cello und David Tsadaia, Kontrabass – überzeugte hier durch eine gut aufeinander eingeschwungene, homogene Klangkultur, in die sich auch das Schlagzeug von Timafei Birukou fein integrierte.

Die Macht des Schicksals, der Verhältnisse, der Skrupellosigkeit, der Sucht und der Gewalt lässt die Liebe Porgys tragisch zerschellen. Was bleibt, ist die Hoffnung eines, der nicht aufzugeben bereit ist.

Viktor Koniaev ist eine zwar recht brave, aber in sich stimmige Bearbeitung von George Gershwins Musik gelungen, deren mit großer Aufmerksamkeit angegangene Umsetzung in berührender Weise glückte.

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