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Jubiläum

02.06.2014

Mit Pauken und Trompeten auf den 800.

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6 Bilder
In detektivischer Kleinarbeit hat Doris Rathke (linkes Foto, Mitte) die ehemaligen Schüler aus Oberhausen aufgespürt. Annemarie Buos aus Oberhausen (li.) war mit 85 Jahren der älteste und Bernd Nitschke aus Lübeck der am weitesten angereiste Gast unter ihnen. Auch etliche alte Fotos hat Doris Rathke zusammengetragen (rechtes Foto).

Ober- und Unterhausen feiern ihren Geburtstag mit einem quirligen Klassentreffen, einem historischen Pfad und viel guter Laune

Manchmal war Doris Rathke nahe am Verzweifeln. Wenn sie wieder einmal stundenlang telefoniert hatte und trotzdem keinen Schritt weitergekommen war. Es ist aber auch verflixt mit dem Heiraten: Wenn Frauen erstmal den Namen ihres Mannes angenommen haben, verliert sich schnell die Spur. So ist es Doris Rathke viele Male gegangen. Doch aufgeben wollte die 64-jährige Oberhausenerin nie. Denn das Ziel war klar: Zur 800-Jahr-Feier der Gemeinde Oberhausen sollte es ein großes Klassentreffen geben, bei dem möglichst alle ehemaligen Schüler der Jahrgänge 1929 bis 1955 zusammenkommen.

Acht Monate hat Doris Rathke recherchiert und und vor allem telefoniert. „An manchen Tagen saß ich sieben, acht Stunden am Telefon“, erzählt sie. Alles, was sie hatte, waren alte Klassenbücher mit Namen, von denen sie die meisten nicht kannte. In detektivischer Kleinarbeit und unnachgiebigem Ehrgeiz hat sie am Ende aber über 300 Adressen herausgefunden. Dabei halfen ihr eingesessene Oberhausener, das Internet und so manches Mal auch der Zufall.

Rund 250 ehemalige Oberhausener Schüler waren es schließlich am Samstag, die sich in der Mehrzweckhalle nach Jahrzehnten wiedergesehen haben. Quer aus Deutschland und der Schweiz waren sie angereist. Unter ihnen war auch Luise Ehrmann, Jahrgang 1937, die mittlerweile in Oberammergau lebt. Sie traf nicht nur ehemalige Mitschüler wieder, sondern auch ihre Jugendliebe. Allerdings hat der Zahn der Zeit an beiden genagt, sodass sie sich erst gar nicht erkannten.

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So dürfte es allerdings vielen von ihnen gegangen sein. Doch zwischen Kaffee, Kuchen und Abendessen gab es viel Zeit, alte Erinnerungen auszutauschen. Wie etwa die von Luise Ehrmann, die 1943 in die Schule der Wifo-Siedlung kam und bei Fliegeralarm mit ihren Klassenkameraden in den Luftschutzbunker unterhalb des heutigen Kaffeehauses flüchten musste. „Unsere Lehrerin hat uns dann Märchen vorgelesen, damit wir abgelenkt waren“, erinnert sich die 77-Jährige.

War der Samstag vielen ehemaligen Oberhausenern gewidmet (die meisten der früheren Schüler wohnen mittlerweile andernorts), war der Sonntag vor allem ein Fest für die jetzigen Bürger. „Das ist ein persönlicher Feiertag für Sie alle“, sagte denn auch Bürgermeister Fridolin Gößl beim Festakt in der Mehrzweckhalle. Die Vorbereitungen zu dem Fest hätten bestätigt, dass es in Oberhausen ein beispielhaftes bürgerschaftliches Engagement und ein lebendiges Dorfleben gebe.

Dass „Husen und daz ander Husen“, wie Unter- und Oberhausen bei der ersten urkundlichen Erwähnung im Pappenheimer Urban genannt werden, weit älter als 800 Jahre sind, stellte Kreisheimatpfleger Ludwig Lang dar. Der bis dato älteste archäologische Fund auf dem Gebiet der Gemeinde, ein Faustkeil, reicht etwa 300000 Jahre zurück. Die erste Siedlung könnte dagegen zwischen 700 und 750 entstanden sein. „Es wäre also dringend erforderlich, sich Gedanken über ein 1300-Jahr-Fest zu machen“, sagte Lang mit einem Augenzwinkern.

Roland Stolz erinnerte sich schließlich an seine Kindheit in der Wifo-Siedlung. Er erzählte, wie Ende der 1930er Jahre immer mehr Wifo-Mitarbeiter nach Oberhausen kamen und die Einheimischen „die da hinten in dem Negerdorf“ anfangs argwöhnisch beäugten.

Angeführt vom Neuburger Fanfarenzug zog die Festgesellschaft schließlich von Oberhausen nach Unterhausen. An der 800-Jahr-Meile zu Beginn des Radwegs zwischen den beiden Orten wurde ein kurzer Stopp gemacht. Wer wollte, konnte hier schon das eine oder andere geschichtliche Detail auf den Schautafeln aufsaugen. Im Hüttendorf neben dem Feuerwehrhaus in Unterhausen warteten schließlich ein kühles Bier auf die durstigen Gäste, denn wie auf Bestellung hatte sich das Wetter während des Umzugs von seiner sonnigsten Seite gezeigt.

Bei uns im Internet

Weitere Bilder vom Klassentreffen und Kirchenumzug gibt es unter

neuburger-rundschau.de/bilder

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