Behördenfunk

28.11.2012

Mit zweierlei Maß?

Viele Rettungsorganisationen warten auf den digitalen Behördenfunk. Der Bau der dafür notwendigen Funkmasten stößt in der Bevölkerung aber auch auf größere Proteste. Archivfoto: Matthias Becker

Sendemast zwischen Ludwigsmoos und Lampertshofen wird vorerst nicht gebaut. In Burgheim wehrt sich die IG mit einem Protestmarsch gegen vollendete Tatsachen

Das Thema ist hochsensibel und für die Anlieger in Burgheim ein echter Aufreger. Der Behördenfunksender am „Oberschlag“ im Waldgebiet zwischen Straß, Ortlfing und Biding bewegt auch nach dem Einlenken der Gemeinde die Menschen. Am Sonntag erneuerten rund 100 Anlieger, darunter drei Gemeinderäte, mit einem Marsch zum Standort ihren Protest gegen den 45 Meter hohen Mast. Andernorts haben sich dagegen die Gemüter beruhigt. In Königsmoos stehen die Chancen sogar gut, dass auf dem Funkmast gänzlich verzichtet werden kann.

Der Markt Burgheim hatte zunächst sein gemeindliches Einverständnis für den Standort rund 750 Meter von der nächsten Bebauung verweigert. Mittlerweile besteht Baurecht. Das ficht die „Interessengemeinschaft Gesundheitsbewusster Bürger“ aber nicht an. Man will weiter aufklären über die möglichen Gesundheitsgefahren, die von der Anlage ausgehen. „Wir waren sehr zufrieden mit der Resonanz“, lobt Sprecherin Sandra Dumberger die Wanderung und kritisiert die Informationspolitik der beteiligten Behörden. „Uns geht es vor allem um unsere Kinder.“ Die Hochfrequenzstrahlung gelte als eine der aggressivsten Funktechniken überhaupt. Wechselwirkungen und die Folgen für die Gesundheit seien nahezu unerforscht. Außerdem befürchtet man bei der IG, dass bald auch private Mobilfunkanbieter den Sender mitbenutzen werden. Burgheims Rathauschef Albin Kaufmann, der den Bürgerwillen nicht ignorieren möchte, kann auch die Argumente der beteiligten Behörden akzeptieren. „Die Feuerwehren und Rettungsdienste brauchen den Digitalfunk. Wir haben in Burgheim beim Analogfunk einfach Probleme mit der Erreichbarkeit.“

Durch die tröpfchenweise Informationspolitik des beteiligten Innenministeriums stand das Projekt von Anfang an unter keinem guten Stern. Sobald die Pläne für den Digitalfunk für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) an die Öffentlichkeit gekommen waren, formierte sich vielerorts Widerstand. Insgesamt 945 Standorte für Basisstationen überziehen Bayern wie ein Spinnennetz. Dafür werden im Gegenzug 3500 Analoganlagen abgebaut. Jeder der bis zu 40 Meter hohen Sendemasten kostet in etwa so viel wie ein Einfamilienhaus. Acht Sendeanlagen sollen die Versorgung im Landkreis sicherstellen, sechs davon sind bereits installiert – in Hohenried, in Schrobenhausen, in Karlshuld, am Burgwaldberg bei Neuburg, auf dem Hainberg bei Rennertshofen und im Kugelholz bei Schönesberg. Es fehlen noch die beiden Masten in Burgheim und im Donaumoos zwischen Berg im Gau, Langenmosen und Königsmoos.

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Während die mit Planung auf Bau beauftragte Firma Telent den Standort Burgheim als alternativlos eingestuft hat, kann der Königsmooser Rathauschef Heinrich Seißler für alle Skeptiker in seiner Gemeinde vorläufig Entwarnung geben. Auch dort hatten die BOS-Gegner gegen den geplanten Standort zwischen Ludwigsmoos und Lampertshofen mobil gemacht – und damit offenbar Erfolg. „Bis nach Ablauf des Probebetriebs, der im Herbst 2013 startet, sind die Planungen ausgesetzt“, sagt Seißler zum aktuellen Stand. Treten keine Funklöcher auf, könnte auf den Mast ganz verzichtet werden, hat er eine Zusage der Telent. Das wäre der Fall, wenn sich die Funkkreise überdecken und das Netz dicht genug sei. Woher der plötzliche Sinneswandel in München kommt, kann sich Seißler auch nicht schlüssig erklären, hatte man sich doch andernorts stets kompromisslos gezeigt. „Vielleicht liegt es ja daran, dass sich gleich drei Gemeinden vehement dagegen gewehrt haben“, vermutet er.

Etwas mehr Entgegenkommen möchte die Interessengemeinschaft Gesundheitsbewusster Bürger auch für Burgheim reklamieren. „Ich würde mir wünschen, dass der Bau bei uns ausgesetzt wird, bis Ergebnisse des Probebetriebs vorliegen“, sagt Sandra Dumberger. Doch den habe der Gemeinderat leider abgelehnt.

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