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Vortrag

17.01.2020

Mobilität: Weniger Emotionen, mehr Fakten

Peter Mosch

Audi-Betriebsratsvorsitzender Peter Mosch spricht über die Zukunft der Autoindustrie

Wie sieht die Zukunft der Automobilindustrie aus? Und was bedeutete sie für die Menschen, die dort arbeiten? Darüber sprach Peter Mosch am Mittwochabend in der Rennbahn. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates der Audi AG sitzt auch im Aufsichtsrat des Automobilbauers. Von ihm wollten die Zuhörer wissen, wie die Mobilität der Zukunft aussehen könnte. Ein sehr emotionales Thema, wie auch der Verlauf des Abends zeigte.

Peter Mosch wünscht sich deshalb bei der gesamten Debatte um die Mobilität und den Klimaschutz weniger Emotion und mehr Fakten. Natürlich seien einige Themen bei der Automobilindustrie nicht richtig gelaufen und man müsse seine Hausaufgaben machen. Aber auch den Autobauern lägen Planet und Klima am Herzen. Beispiel CO2-Diskussion. Fakt sei, dass vor 20 Jahren der durchschnittliche CO2-Ausstoß der gesamten Autoindustrie pro Fahrzeug bei 170 Gramm pro Kilometer gelegen habe. 2017 lag dieser Durchschnitt laut Mosch bei 118 Gramm. Und heuer müsse ein Flottendurchschnitt von 95 Gramm erreicht werden, der dann bis 2035 noch einmal um 37,5 Prozent gesenkt werden müsse. Die Werte gelten für den Durchschnittsausstoß an CO2 für alle verkauften Fahrzeuge. Würde Audi diesen Grenzwert nur um ein Gramm überschreiten, müsse das Unternehmen mit Strafzahlungen in Höhe von 80 Millionen Euro rechnen.

Politisch gewollt sei die Elektromobilität, so Mosch. Die CO2-Grenzwerte erreiche Audi nur, wenn der Anteil an E-Fahrzeugen bei rund 40 Prozent betrage. Das liege nach Meinung von Werner Widuckel, ehemaliger Personalvorstand bei Audi, vor allem auch daran, dass die Politik erstmals nicht nur die Grenzwerte und Ziele definiert habe, sondern auch die Technik, die dazu führt. So seien synthetische Treibstoffe oder Gasantriebe (Stichwort „power to gas“) bei der Berechnung des Flottendurchschnitts gar nicht berücksichtigt worden und können so diesen Schnitt auch nicht senken. Es zählen nur Verbrenner und Elektroantriebe. Zudem fehle es in Deutschland immer noch an Ladeinfrastruktur. Aus dem Zuhörerkreis kam die Frage, wieso Kommunen Ladestationen bauen müssen, wo es doch Stromkonzerne gibt, die sich die Energieversorgung auf die Fahne geschrieben hätten.

Die politischen Vorgaben aus Brüssel bezeichnete Mosch als hart. Die Automobilindustrie investiere viele Milliarden, um diese Hürden zu schaffen. Wegen der geringeren Fertigungstiefe bei Elektrofahrzeugen seien auch viele Arbeitsplätze gefährdet. E-Autos brauchen kein Getriebe, keine komplizierten Motorenkonstruktionen, keine Auspuffanlagen. Rund 25 Prozent der Wertschöpfung am Fahrzeug falle weg, so Mosch. Aber auf der anderen Seite würden die Fahrzeuge in Sachen Elektronik, Digitalisierung und Vernetzung immer komplexer. Genau das sei die Zukunft. Die Transformation der Mitarbeiter in den IT-Bereich sei eine große Herausforderung. Komplexe Facharbeiterstellen, vor allem im IT-Bereich, werden zunehmen. Die einfacheren Tätigkeiten aber fallen mehr und mehr weg.

Mit Blick auf die Firma Audi bemängelten Zuhörer vor allem, dass das Unternehmen nur auf schneller, größer, schwerer setze. Das sei nicht mehr zeitgemäß. Aber, so Mosch, ein Premiumhersteller wie Audi sei dem Komfort verpflichtet und müsse die Weltmärkte im Blick haben. Die Nachfrage sei da. Und im VW-Konzern gebe es auch kleiner, leichter und noch sparsamer.

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