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Theater

03.12.2019

Monologe im Kühlen

Bieten köstliche Kabarettstückchen: (von links) Andrea Frohn, Peter Rahmani und Karolina Nägele.
Bild: Ohla

Ungewöhnliche Performance nach Motiven von Ingrid Lausund in einer leerstehenden Halle

Es sah bei der Ankündigung aus wie eine Schnapsidee, dieses Projekt des Stadttheaters Ingolstadt: Eine Performance im Rahmen der Spielplanposition Downtown (was hier so viel bedeutet wie raus aus dem Musentempel, rein in die Stadt) zu winterlicher Zeit in der leerstehenden, nicht mehr beheizbaren großen Halle der ehemaligen Ganghoferschen Buchhandlung an der Donaustraße zu platzieren. Aber die interessante Inszenierung hat, was die Körpertemperaturen betrifft, den Vorteil, dass es sich um eine Art Stationentheater handelt. Nicht nur die Schauspieler, auch die Zuschauer sind hier immer in Bewegung von einem Schauplatz zum anderen im großflächigen Raum, in den da und dort weißes Mobiliar gestellt ist,Tische, Stühle, Sofas, Betten.

Zugrunde liegen der Inszenierung Texte der 1965 in Ingolstadt geborenen, in Berlin lebenden Autorin Ingrid Lausund, von der in der Spielzeit 2014/15 am Stadttheater schon mal das Stück „Benefiz – Jeder rettet einen Afrikaner“ zu sehen war. Niko Eleftheriadis (Regie und Ausstattung) hat nun einige Teile aus dem 2008 erschienenen Band „Bin nebenan – Monologe für Zuhause“ ausgewählt. Der Titel „Warum laufen schon die Nachrichten von morgen?“ scheint als Zitat aus einer der Vorlagen eher zufällig gewählt. Es handelt sich dabei um auf den ersten Blick trivial erscheinende Aussagen zu alltäglichen Wohnungsproblemen aus kapitalismuskritischer Sichtweise.

Aber das Besondere, und das hat der Regisseur wirklich fantastisch gemacht: Ein Schauspieler-Quartett, gehüllt in weiße und gelbe Schutzanzüge (Andrea Frohn, Heinz Namysio, Karolina Nägele, Peter Rahmani), gibt zu den Sequenzen, die weitgehend vom Band eingespielt werden, eine rasante Choreografie. Es wird 60 Minuten lang herumgeturnt, getobt, mit den Möbeln hantiert. Und immer wieder ertönt dazu die schöne Melodie der „Internationalen“. Absolut spitze sind dann doch die eingefügten köstlichen Kabarettstückchen mit Lokalbezug, zum Beispiel über Abriss und Neubau des Gebäudes gleich nebenan, Ecke Donaustraße/Münzbergstraße. Insgesamt ein erfrischend ungewöhnliches Experiment im Kühlen. Die gut eingemummten Premierengäste applaudierten reichlich.

Weitere Vorstellungen von „Warum laufen schon die Nachrichten von morgen?“ sind am 3., 9., 11. und 13. Dezember.

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