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Neuburg

09.12.2019

Mützen vom Holzkünstler auf dem Neuburger Weihnachtsmarkt

Christian Plancker (Mitte) mit seinem Onkel Engelbert Runggaldier auf dem Weihnachtsmarkt in Neuburg.
Bild: Christof Paulus

Plus Seit 20 Jahren kommen die Planckers im Advent nach Neuburg auf den Schrannenplatz, bringen Figuren und eine Skulptur für die Neuburger mit. In diesem Jahr haben sie noch eine Weltneuheit im Gepäck.

Neuburg Es gibt Dinge, die passen wirklich nicht zusammen. Zum Beispiel die abgelegene, bodenständige Bergwelt Südtirols, und die abgehobene, schillernde Mailänder Modewelt. Auch Holz und Köpfe treffen selten aufeinander, und wenn doch, dann meist unter Schmerzen. Christian Plancker interessiert das alles nicht, er führt die Gegensätze zusammen. In Neuburg ist der 49-jährige Südtiroler lange bekannt. Seit 20 Jahren stehen er und sein Vater Anselmo im Dezember auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Schrannenplatz und verkaufen Holzschnitzereien, aus eigener Handarbeit aus ihrer Werkstatt in Wolkenstein im Grödner Tal.

Dort kommen die Planckers her und erfüllen jede romantische Vorstellung, die man von einer Südtiroler Familie haben kann: Alle helfen im Unternehmen mit, Onkel Engelbert Runggaldier steht gemeinsam mit Plancker in der Hütte auf dem Weihnachtsmarkt. Ihr kehliger Akzent ist unüberhörbar, wenn es nach der Adventszeit zurück in die Berge geht, arbeitet Plancker als Skilehrer – Nichte Nicol Delago ist eine der besten Abfahrerinnen der Welt. Doch mittlerweile tritt Plancker immer wieder den langen Weg aus den Bergen durch das Etschtal und am Gardasee vorbei nach Mailand an. Denn der Handwerker Plancker ist unter die Modedesigner gegangen. Und das ist kein bisschen übertrieben.

Kapl heißen die Schirmmützen aus Holz von Christian Plancker

Schirmmützen hat er gestaltet, Geldbörsen ebenso, Gürtel sind derzeit in Planung. Die Mütze auf dem Kopf, die Geldbörse in der Hosentasche steht er gemeinsam mit seinem Onkel in der Hütte auf dem Weihnachtsmarkt, verkauft Holzfiguren, Weihnachtsschmuck, Krippen, Skulpturen – und seit diesem Jahr Mützen, alles aus Holz. Innen mit Leder bezogen, sind die Modelle in der Auslage noch recht steif. „Die werden weicher, wenn man sie trägt“, sagt Plancker, nimmt seine vom Kopf und drückt die Seiten ein wenig ein. Das dünn geschnittene Nussholz scheint tatsächlich überraschend komfortabel zu sein.

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149 Euro kostet eine der Mützen in Neuburg auf dem Weihnachtsmarkt, etwas günstiger sogar als im Online-Shop. Ungewöhnlich, modisch und ausgefallen sind die Mützen sicher. Und wenn es nach Plancker geht, bald vielleicht angesagte Luxusmode. Von Mailand erzählt Plancker, zahlreiche Filmteams haben ihn bereits in seiner Werkstatt in Südtirol besucht. Die Mützen nennt er eine „Weltneuheit“, berichtet vom Ferrari-Pilot Charles Leclerc aus der Formel 1, der sein persönliches Logo auf eine der Mützen hat aufbringen lassen.

Neuburg ist für die Planckers eine zweite Heimat

Noch fast zwei Wochen dauert der Weihnachtsmarkt. Angekommen ist Plancker erst in dieser Woche, bis dahin war Vater Anselmo für die Planckers in Neuburg. „Eine zweite Heimat“ sei die Stadt für seinen Vater, sagt Christian Plancker. Schließlich ist dieser seit 20 Jahren für je einen Monat im Jahr hier. „Die Stadt kennen wir mittlerweile sicher besser als Bozen“ – die nächstgelegene Großstadt in seiner Heimat im Grödner Tal.

Es verwundert nicht, dass die Familie sich in Neuburg wohlfühlt und Freunde gefunden hat, wie Christian Plancker erzählt. Über Urlaubsfreundschaften kam sie damals hierher, um die Freundschaft zu erhalten, bringt sie in jedem Jahr ein Geschenk mit: Eine Skulptur für die Neuburger, manchmal gar live auf dem Weihnachtsmarkt geschnitzt, in feiner Handarbeit von rund 120 Stunden.

Holzkunst aus Südtirol auf dem Weihnachtsmarkt in Neuburg

Pfalzgraf Ottheinrich oder Rot-Kreuz-Gründer Henry Dunant haben die Planckers den Neuburgern bereits hinterlassen. Heuer wollen sie die Feuerwehr ehren, schnitzen die Skulptur eines Feuerwehrmannes. Fertig ist diese noch nicht, ob sie es bis Weihnachten überhaupt wird, bezweifelt Plancker. Aber das macht nichts: „Dann übergeben wir sie eben im Frühjahr.“ Sämtliche Fein- und Malarbeiten stehen noch aus. Wer Glück hat, kann dem Holzkünstler sogar bei der Arbeit zusehen, wenn er an der Figur direkt vor seinem Stand arbeitet. Zu finden ist Plancker ganz einfach: Er ist der Mann mit der Mütze aus Holz.

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