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23.07.2010

Musik, die eine tiefe Sehnsucht nach Reinheit und Lauterkeit erfüllt

The Sixteen in der Asamkirche Maria de Victoria: Die Musiker brachten den Zuhörern das Werk des Komponisten Tomás Luis de Victoria näher. Foto: Audi
Bild: Audi

Ingolstadt Ein vokaler Höhepunkt der diesjährigen Audi Sommerkonzerte: In der Ingolstädter Asamkirche Maria de Victoria brachten The Sixteen unter der Leitung von Harry Christophers Gesänge des spanischen Renaissance-Komponisten Tomás Luis de Victoria dar, darunter sein letztes Werk, das Requiem officium defuntorum aus dem Jahr 1605.

Die Musik bringt das Gebet inniger zum Ausdruck

Die Liturgie, Abbild der himmlischen Herrlichkeit, soll dem Glauben Form und Leben geben. Dabei kommt der Musik die Rolle zu, dass sie "das Gebet inniger zum Ausdruck bringt und die heiligen Riten mit größerer Feierlichkeit umgibt". Das gilt dem II. Vatikanischen Konzil, das galt auch infolge des Tridentinums an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert, als der spanische Komponist Tomás Luis de Victoria seine wie entrückt wirkenden Vokalwerke schuf. Die Renaissance geistlicher Musik in den vergangenen Jahren kommt nicht von ungefähr in Zeiten, die Maß und Ziel mehr und mehr verlieren, antwortet sie doch auf die zutiefst menschliche Sehnsucht nach Reinheit, Lauterkeit, Unbestechlichkeit.

Das Ensemble zeigt eine Klarheit der Darbietung

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Dem entsprechen muss die Klarheit der Darbietung. Da lassen die achtzehn Sängerinnen und Sänger von The Sixteen nichts zu wünschen übrig: Brillant intonieren die im Ensemble fein einander zugeordneten, je für sich klangstarken Stimmen, harmonieren in organisch atmender Dynamik und schimmernd gewebten Farben, ohne der Gefahr des allzu Runden zu erliegen.

Perfektion im Satz, eine äußerst geglückte Mischung aus leichter Reibung der Dissonanzen und harmonischer Komplementarität sowie ein faszinierendes Auf- und Abschwellen der Intensität lassen dem liturgischen, dramatischen Charakter der Musik Raum, sich zu entfalten als Abglanz einer Herrlichkeit, die in der wunderbaren Kirche Maria de Victoria umso sinnenfälliger wird. Da klingt des Menschen Sehnen aus dem Hohelied, singt der Gottesmutter Lob und Ehre, huldigt ihrem Sohn, in dessen Gnade sich der Komponist getröstet wusste.

Besonders deutlich wird solche Zuversicht im Requiem officium defuntorum: In puristischer Schönheit und üppiger Klangfülle zelebrierten The Sixteen die Totenmesse für Königin-Witwe Maria, die Tochter Karls V., Tomás Luis de Victorias letztes, zentrales Werk als das, was es sein soll: tröstlicher Widerhall des Gesangs der Engel und Heiligen am Thron des Herrn.

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