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Konzert

09.11.2018

Musik gegen „Orgien der Gewalt“

Höchst präzise: Sebastian Knauer (Klavier) im großartigen Zusammenspiel mit Sergej Nakariakov (Trompete) und bestens begleitet vom Georgischen Kammerorchester Ingolstadt.
Bild: Johannes Seifert

Georgier, Sebastian Knauer und Sergej Nakariakov beeindruckten mit Werken von Schostakowitsch

Wo bleibt der Mensch, wenn er seine Kultur nicht mehr in Freiheit leben kann? Mit dieser Frage hat sich einer der größten russischen Komponisten, Dmitiri Schostakowitsch, der von Stalin verbannt wurde, in ganz besonderer Weise auseinandergesetzt. Vor allem in seiner Kammersinfonie, op.73 a, erinnert er an die Gewalt des Staates und entlarvt die „böse Fratze“ des Militarismus.

Dieses höchst anspruchsvolle Werk wurde vom Georgischen Kammerorchester unter der engagierten Leitung von Ruben Gazarian gleich zu Beginn des Konzerts – als Hommage an Schostakowitsch – in eindrucksvoller Manier dargeboten. Dabei wurde deutlich, wie innig, technisch versiert, homogen und einfühlsam die Musiker konzertieren können.

Erneut war auch der diesjährige Artist in Residence, Pianist Sebastian Knauer, im großartigen Zusammenspiel mit dem Georgischen Kammerorchester zu erleben. Dabei widmete er sich im Theaterfestsaal dem ebenso markant angelegten Konzert für Klavier, Trompete und Streichorchester von Dmitri Schostakowitsch (1906 bis 1975). Im Werksverlauf zeigte er einmal mehr, wie genial und präsent er derart eindringliche Werke, die an der Seele rühren, vertonen kann. Mit zurückgenommener Melodienbildung, intensiver Klangfarbe und einer an sich gehalten wirkenden Tonalität erfüllte er dabei – bei solider und innig-beseelter Begleitung des Georgischen Kammerorchesters – den Raum. Genau diese Art der Darbietung wirkt überaus authentisch, intensiv und ist tief berührend.

Sebastian Knauer kann auf eine mehr als 25 Jahre umfassende, internationale Karriere zurückblicken, die ihn zu bedeutenden Festivals, renommierten Orchestern und Dirigenten führte. Eine besondere Freundschaft verbindet ihn mit Sir Roger Norrington. Zudem ist Sebastian Knauer Gründer und Leiter des Festivals, „mozart@augsburg“.

Als Solist an der Trompete beeindruckte ebenso Sergej Nakariakov. Er ist in Ingolstadt kein unbekannter Künstler. 1977 in Gorki geboren, begann Nakariakov seine Laufbahn zunächst am Klavier. Nach einer Rückenverletzung wechselte er in ein intensives Trompetenstudium. Ersten Konzerten in Russland folgten Auftritte unter anderem in Schweden, Österreich und New York. Bereits Anfang der 90er Jahre debütierte er bei den Salzburger Festspielen. Er konzertierte mit renommierten Partnern wie Evgeny Kissin und Martha Argerich. Der zeitgenössische Komponist Jörg Widmann schrieb für ihn das Trompetenkonzert „Ad Absurdum“.

Die Tongebung des Ausnahmetrompeters, dies wurde besonders deutlich, ist außergewöhnlich, sein Gespür für feinste Nuancen meisterhaft. Die Unruhen und Dissonanzen bei Schostakowitsch konnte er fein, fast zart und dynamisch erlesen gestalten. Und auch das für Ingolstadt und die Region so bedeutsame Orchester gab sich mit großer Leidenschaft und herausragender Stilistik einer Musik hin, die in schrecklicher Zeit entstanden ist, ungemein berührt, sich gegen alle Gewalt wendet und letztlich in markanter Manier zum Frieden mahnen will.

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