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Burgheim

25.02.2018

Musikalische Leckerbissen zur Fastenzeit

Famoses Neujahrskonzert in Burgheim mit den Solisten des Georgischen Kammerorchesters.
Bild: Peter Abspacher

Mit einem hinreißenden Auftritt begeistern die Solisten des Georgischen Kammerorchesters in Burgheim.

Eine solche Tradition von Neujahrskonzerten muss man erst einmal hinkriegen. Zum 18. Mal hatte die CSU Burgheim in den ausverkauften Pfarrsaal geladen. Und die Zuhörer bekamen wieder ein Programm geboten, das in dieser Qualität in einer kleinen Marktgemeinde seinesgleichen sucht und ohne weiteres auch in Kulturmetropolen wie München oder Salzburg bestehen könnte.

Für ein Neujahrskonzert war es eigentlich schon etwas spät, aber ein gemeinsamer freier Termin im Pfarrsaal und bei den Solisten des Georgischen Kammerorchesters war im kurzen Fasching 2018 nicht zu finden. Also war ein wenig Warten angesagt, und das hat sich wahrlich gelohnt. Die Georgier unter ihrem Konzertmeister und Violin-Virtuosen Irakli Tsadaia hatten ein klug ausgewähltes Programm von Rossini über Mozart und Fritz Kreisler bis zu Boccherini und Saint-Saens zusammengestellt. Und die sechs Solisten Irakli Tsadaia, Konstantinos Malamis, Vadim Mahovsky. Igor Loboda, David Tsadaia und Dimitri Gagulidze spielten diese Werke brillant, musikantisch und mit innerer Freude. Das war ein Feuerwerk musikalischer Leckerbissen zur Fastenzeit.

Musikalischen Reichtum voll ausgekostet

Rossini ist vor allem als Opern-Komponist berühmt geworden. Seine Sonate Nr. 3 für Streicher strahlt italienische Grandezza und opernhafte Emotionen zugleich aus. Die Georgier kosten diesen musikalischen Reichtum von dunklen Unisono bis zur spielerischen Leichtigkeit voll aus – ohne sich in melodieseligen Passagen schwelgerisch zu verlieren.

Ein Genuss für sich ist das perfekte Zusammenspiel von Vater und Sohn Tsadaia (Solo-Violine und Violoncello). Man muss nur ihre Mimik und ihre Körperspannung beobachten – schon daran ist zu spüren, welche Performance hier geboten wird. Sie werfen die Bälle elegant hin und her. Sie hören mit Vergnügen zu, wenn ein anderer gerade musikalisch hervortreten darf – auch bei der 2. Violine oder der Bratsche, die oft als nicht ganz so wichtige Instrumente eingestuft werden. Und sie spielen ihre Soli, zum Beispiel im Variationensatz Rossinis und im spritzigen C-Dur-Quintett von Luigi Boccherini hinreißend aus.

Das ist kennzeichnend für alle Georgier: Musikalische Bögen werden auch über viele Takte intensiv gespannt, einfache Melodien klingen dicht und betörend, verrückte technische Schwierigkeiten wirken fast wie das Einfachste von der Welt, die Tempi sind straff, aber nie überzogen. Zum Beispiel im Schluss-Satz von Mozarts Divertimento in B-Dur, im Boccherini-Rondo mit seinem berühmten Cello-Solo oder in den Fritz Kreislers musikalischen Miniaturen „Schön Rosmarin“ und „Liebesleid“.

Das war der Höhepunkt des Abends

Der virtuose Höhepunkt des Abends ist das „Rondo Capriccioso von Camille Saint-Saens. Wer selbst einmal Geige versucht hat zu lernen, der fragt sich vielleicht: Wie kann man so virtuos, so fetzig und zugleich so präzise Violine spielen? Irakli Tsadaia schöpft den gesamten Tonumfang seines vorzüglichen Instruments aus. Perfekte Klarheit auch bei den wildesten Tonkaskaden zeichnet ihn aus, auch in den heißesten Springbogen-Figuren ist noch jeder Ton zu hören. Und gleich darauf innige Melodien im feinsten Pianissimo. Das zu hören, ist reines Vergnügen.

Ganz am Ende, beim letzten rasanten Aufschwung, haben die anderen Georgier ihrem Irakli Tsadaia wohl ein wenig zu verzückt zugehört. Sie setzten den finalen Fortissimo-Akkord nicht ganz synchron mit dem Solisten. Ein so nicht gewollter, aber toller Effekt, der Irakli Tsadaia ein kurzes, verblüfftes Lächeln ins Gesicht zauberte. Nehmen wir es auch als Zeichen der tiefen Freude über ein hinreißendes Konzert, bei den Künstlern wie den Zuhörern. Rauschender Applaus.

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