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Neuburg

17.01.2017

Musikalische Sternstunde

Ovationen gab’s für Ariel Zuckermann, Ariane Haering und Benjamin Schmid nach dem Auftritt im Kongegrationssaal.
Bild: Foto: Klaus Hopp-Wiel

Zwei Weltklasse-Solisten und das Ensemble del Arte im Kongregationssaal

Hat er oder hat er nicht? Hat der Stargeiger und Alleskönner Benjamin Schmid beim Konzert mit dem Ensemble del Arte im Neuburger Kongregationssaal seine kostbare Stradivari gespielt oder nicht? Gleichgültig, was die Spekulationen darüber ergeben – aus dem Instrument kamen nur himmlische Töne! Insofern ist diese Frage nicht wirklich wichtig. Wesentlich ist, was der Solist aus seiner Geige hervorgezaubert hat, und das war in vielfacher Hinsicht phänomenal.

Der Abend im voll besetzten Kongregationssaal war aber nicht nur in dieser Hinsicht eine faszinierende Veranstaltung. Schon die Programmzusammenstellung war ein Volltreffer: Jugendwerke des genialen Felix Mendelssohn Bartholdy. Welch ein stimmiges Konzept, drei Arbeiten des Frühvollendeten vorzustellen, drei Kompositionen, die jugendliche Frische, Draufgängertum, Sturm und Drang in sich vereinen!

Schon das einleitende Streicherstück in h-Moll, eines der ersten Versuche des Dreizehnjährigen auf dem Gebiet der Sinfonik, ließ mit seinen originellen motivischen Einfällen und den raffinierten Kontrapunkt-Übungen aufhorchen. Ariel Zuckermann, der das Ensemble del Arte mit temperamentvoller Geste anfachte, verstand es, das selten aufgeführte Werk plastisch und spannend zu Gehör zu bringen. Zeigte schon hier das prächtig zusammenwirkende Orchester seine spielerischen Qualitäten, so entfalteten sich Spielfreude, technisches Können und hochmusikalisches Einfühlungsvermögen in den beiden folgenden Werken, dem d-Moll Violinkonzert und dem ebenfalls in d-Moll stehenden Konzert für Violine und Klavier, auf das Beste: nuanciert zurücktretend beim Begleiten, kraftvoll herrschend beim Führen.

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Die Vorliebe für die Tonart d-Moll des „Mozart des 19. Jahrhunderts“, wie Robert Schumann den jungen Felix einmal liebevoll nannte, rührt natürlich von der Beschäftigung mit dem großen Johann Sebastian Bach. Man denke nur an das berühmte Violin-Doppelkonzert. Die dort charakteristische vorwärtsdrängende Motorik glaubt man in den beiden Solokonzerten wiederzuerkennen. Benjamin Schmid, der schon in jungen Jahren die Bach‘schen Solosonaten eingespielt hat, ist mit diesem Duktus innig vertraut. Vielleicht ist dies einer von vielen Gründen, warum ihm die Darstellung dieser Musik so trefflich gelang. Nicht nur verstand er es, das vernachlässigte Jugendwerk in seinem strahlenden Glanz und seiner kraftvollen Virtuosität auf das Eindringlichste vorzuführen. Er hatte Vergnügen daran, seine überwältigenden geigerischen Trümpfe auszuspielen, malte mit den samtweichen Farben der dunklen Register und ließ das Instrument in der Höhe taghell aufleuchten. Als er dann noch aus den aberwitzig schwierigen Solowerken von EugèneYsaÿe ein Stück zugab und dies mit so viel Feinsinn und Innigkeit tat, kam man aus dem Staunen nicht heraus.

So mitgerissen ist man als Konzertbesucher selten. Als sich zur Geige im abschließenden Doppelkonzert das Klavier gesellte, schien das Hörerglück perfekt. Das Zusammenwirken der beiden Instrumente war die reine Freude, die Pianistin Ariane Haering gestaltete mit höchster Präzision, mit sichtbar guter Laune, mit brillantem Anschlag und mit brennender Leidenschaft ihren Part: eine Sternstunde der Musik im Neuburger Kongregationssaal.

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