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Neuburg

20.02.2014

Mutter wollte sich rächen: 29-Jähriger wegen Missbrauchs angeklagt

 Eine Mutter wollte sich rächen und bringt einen 29-jährigen vor Gericht.
Bild: Alexander Kaya

Ein Mann musste in Neuburg vor Gericht, weil er ein Kind missbraucht haben soll. Aber es war ganz anders.

Der Verdacht, dem sich ein Augsburger Angeklagter im Amtsgericht Neuburg ausgesetzt sah, ist einer der schlimmsten überhaupt: Es ging um sexuellen Missbrauch von Kindern. Der 29 Jahre alte Mann sollte – so warf ihm Staatsanwalt Ingo Krist vor – im Sommer 2011 die damals 13-jährige Tochter seiner Cousine an Brust und Po begrapscht haben.

Am Ende der Verhandlung stand allerdings ein Freispruch. Das Ganze war wohl ein Racheakt der Mutter des Mädchens. Mit ihr befindet sich der Augsburger im Streit wegen eines Handyvertrags, der auf ihn läuft, während die Frau das Mobiltelefon wohl nutzt. Zwei Tage nachdem die Frau von ihrem Cousin einen Mahnbescheid per Post bekommen hatte, ging sie zur Polizei und zeigte ihn wegen sexuellen Missbrauchs an.

Der Vorfall, um den es ging, soll sich etwa im Frühsommer 2011 abgespielt haben. Damals saßen rund sieben bis acht Mitarbeiter einer Firma in einem Lokal in der Altstadt bei einem Betriebsessen zusammen. Unter anderem waren der jetzt Angeklagte, seine Cousine – die Chefin des Unternehmens – und deren kleine Tochter mit dabei. Darüber hinaus saßen Mitarbeiterinnen am Tisch. Der Mann soll, so schilderte eine Zeugin, die 13-Jährige immer wieder angefasst und an sich gezogen haben. „Das Mädchen hat das nicht gewollt und hat sich abgewandt“, schilderte die Zeugin. „Er hat versucht, den Arm um sie zu legen und hat ihr einmal ein Bussi auf die Backe gegeben. Man hat gesehen, dass das Mädchen das nicht wollte.“

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Zeuginnen können Vorfall nicht bestätigen

Andere Zeuginnen konnten das nicht bestätigen. „Ich habe gar nichts gesehen“, „Es war ein lustiger Abend ohne irgendwelche Auffälligkeiten“, „Es kann schon sein, dass er mal den Arm um sie legte, aber da war sonst nichts“, „Ich habe wirklich nicht gesehen, dass er sie betatscht hätte“, „Bei dem ganzen Essen ist überhaupt nichts Anstößiges passiert“ und „Das Mädchen war direkt in meinem Blickfeld – mir ist nicht das Geringste aufgefallen“, so lauteten etwa die Aussagen der Zeugen.

Eine Zeugin, die damals auch Mitarbeiterin im Unternehmen war, hörte im Frühsommer 2012 ein Gespräch zwischen der Mutter des Mädchens und einer anderen Kollegin. „Die Frau war völlig aufgelöst, denn sie hatte ein anwaltliches Schreiben bekommen, eine Mahnung, mit der ihr Cousin sie aufforderte, etwa 700 Euro Handykosten zu bezahlen. Daraufhin hat sie gesagt: ’Jetzt zeig ich ihn an.’“ Zwei Tage später ging sie zur Polizei und schilderte, was ihrer Tochter angeblich bei jenem Betriebsessen widerfahren sei.

Das Mädchen macht keine Angaben

Das Mädchen selbst machte gestern keine Angaben mehr zur Sache, nachdem der Vorsitzende Richter Christian Schilcher es auf das Risiko einer Falschaussage aufmerksam gemacht hatte. Auf die Mutter als Zeugin wurde verzichtet. Ob sie nun mit einem Verfahren wegen falscher Verdächtigung oder Verleumdung rechnen muss, wollte Staatsanwalt Ingo Krist gestern nicht sagen.

Richter Schilcher folgte den Anträgen von Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung, die alle drei auf Freispruch plädiert hatten. „Die Umarmung hat wohl schon stattgefunden“, war er überzeugt, „und sie hat dem Kind vielleicht auch nicht gefallen. Aber von sexuellem Missbrauch kann keine Rede sein.“ Die Anzeige wertete er als Racheakt. „Es macht die Sache nicht schöner, die eigene Tochter auf eine solche Weise in die Sache mit reinzuziehen“, kritisierte er das Verhalten der Mutter.

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