12.09.2010

Mystische Momente

Mystische Momente
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Neben einer Führung durch die Gruftkapelle hatte Horst Schwark seine Besucher auch zu einer naturkundlichen Exkursion auf den Antoniberg bei Stepperg mit Blick auf die Donau eingeladen.

Rennertshofen Kleine Orte und sakrale Bauten haben oft eine große Geschichte. Der alljährlich bundesweite Tag des offenen Denkmals liefert dafür den Beweis. Wie der Zuspruch zeigte, ist auch im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen das Interesse der Bürger an der Geschichte vorhanden. Vielerorts öffneten sich gestern Türen und Tore, die ansonsten fest verriegelt sind.

So wie die der, hoch über dem Donautal auf dem Antoniberg bei Stepperg thronenden, Gruftkapelle von 1852. Nach einer naturkundlichen Exkursion mit Blick auf die Donau führte der Neuburger Horst Schwark die weit über 100 Köpfe zählende Besucherschar in die beiden sakralen Baudenkmäler dort oben. Maria Leopoldine, Bayerns letzte, 1848 verstorbene, Kurfürstin, liegt in der Gruftkapelle begraben. Groß war das Erstaunen, als es die steilen Stufen und den engen Gang hinabging. Die Kerzen flackerten und es roch etwas modrig, als die Kulturinteressierten etwa fünf Meter unter der Erde vor dem in die Mauern eingelassenen Grab verharrten. Die Situation war mystisch, beinahe gespenstisch. Maria Leopoldine, die im jugendlichen Alter von 18 Jahren den 71-jährigen Kurfürsten Karl Theodor heiraten musste, war eine ungewöhnliche Frau. Nach dem Tod ihres Mannes und einem mehrjährigen Exil in Österreich bekam sie das Gut Stepperg angeboten und trat mit Graf Arco in ihre zweite Ehe. Dank ihres herausragenden Organisationstalentes, ihren mitunter gefürchteten Temperamentsausbrüchen und dem guten Draht, den sie zu den Bauern des Dorfes hatte, häufte sie bis zu ihrem Tod ein Vermögen in Höhe von 3,8 Millionen Gulden an. Weil der Antoniberg ihr Lieblingsplatz war, hatte der aus zweiter Ehe stammende Sohn Aloys für die Bestattung seiner Mutter die Gruft gleich in unmittelbarer Nähe der, 1676 von Freiherr Dominikus von Servi zu Ehren des heiligen Antonius sowie der heiligen Anna erbauten, Wallfahrtskapelle errichten lassen. Auch deren Geschichte schilderte Horst Schwark.

Gläubige pilgerten zu Tausenden

Ein weiterer Anlaufpunkt war die katholische Wallfahrtskirche St. Leonhard von 1717 im fünf Kilometer von Stepperg entfernten Kienberg. Zu Tausenden pilgerten die Gläubigen einstmals dorthin, um sich und ihre Viecher segnen zu lassen. Dazu wurden die Pferde vom östlichen Kirchenportal ins Gotteshaus geführt, um dieses dann auf der westlichen Seite wieder zu verlassen, wie Bettina Kugler ihre Zuhörer wissen ließ. Es gibt auch einen Geheimgang in der Mauer, der hinauf zur Kanzel führt. Und auf der Empore klafft ein Guckloch, von dem aus man den Kirchenraum gut überblicken kann. Schwergewichtig sehen die handbehauenen Kirchenbänke auf der Empore aus, deren Entstehung Bettina Kugler ebenfalls eingehend erklärte. Kienberg war der Ort, in dem die Cholera einstmals so stark wütete, wie nirgendwo in Bayern. In kürzester Zeit starben 25 der 80 Einwohner. Der dorthin beorderte Stepperger Arzt trat den Gang nach Kienberg erst gar nicht an. Dafür zeigte sich der Dorfpfarrer unerschrocken, indem er neben geistlichem auch medizinischen Beistand leistete.

Keine Fragen ließ Kreisheimatpfleger Dr. Manfred Veit bei seinen Ausführungen in der renovierten Friedhofskapelle "St. Leonhard" in Rennertshofen offen. Großer Bewunderung erfreuten sich das Deckenfresko sowie das Maria-Hilf-Bild über dem Hauptaltar. Als "Zugabe" hatte Dr. Veit die "Leonhards-Legende" parat. (mr)

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