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Neuburg

21.02.2014

Nach Mord an Franziska (12): Todesdrohungen gegen Stefan B.

Spaziergänger finden Frauenleiche
2 Bilder
Franziskas Leiche wurde in einem Baggersee bei Neuburg gefunden.
Bild: Andreas Gebert, dpa

Nach dem Mord an der zwölfjährigen Franziska wächst der Hass auf den Täter Stefan B. Im Internet gibt es Todesdrohungen gegen ihn. Doch auch damit kann man sich strafbar machen.

Seine Mitbewohner im Neuburger Obdachlosenheim sahen ihn eigentlich immer nur vor dem Laptop sitzen. Stefan B., der am vergangenen Sonntag die zwölfjährige Franziska sexuell missbraucht und getötet haben soll, versank in der virtuellen Welt. Und die schlägt jetzt gegen ihn zurück.

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Mord an Franziska: Todesdrohungen gegen Stefan B.

Vor allem in dem sozialen Netzwerk Facebook reißen die Beschimpfungen nicht ab. Eine „qualvolle Todesstrafe“ wünschen ihm die einen, „so einer gehört einfach weggeräumt“, schreiben andere. Die Kommentare im Netz geben das wieder, was viele Menschen denken und im Gespräch miteinander auch aussprechen. Sie beschimpfen den 26-Jährigen als pädophilen Mörder, der „zur Hölle fahren soll“. Manche drohen ihm sogar offen, sollte er die Gefängniszelle irgendwann wieder verlassen.

Die 12-Jährige Franziska wurde vergewaltigt und ermordet. Ein vorbestrafter 26-Jähriger hat die Tat gestanden. Reaktionen aus Neuburg.

Doch das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Dass Beleidigungen und Bedrohungen die Internetnutzer selbst zu Angeklagten machen können, bedenken nur die wenigsten. Frank Lambrecht, der Verteidiger von Stefan B., könnte im Namen seines Mandanten Strafanzeige stellen. Ob er das tun wird, ist allerdings fraglich. Er sagt: „Wo fange ich an, wo höre ich auf?“ Das Internet und seine unendlichen Weiten sind schwer zu überblicken. Schon allein auf Facebook fällt es schwer, alle Kommentare und Postings durchzusehen. „Die Zeit habe ich gar nicht“, so Lambrecht.

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Drohungen im Internet: Stefan B. könnte sich wehren

Auch Staatsanwaltschaft und Polizei haben „wichtigere Dinge zu tun“, als das Netz auf Bedrohungen gegenüber Stefan B. zu durchforsten. „Wenn wir davon Kenntnis bekommen, müssen wir die Sache verfolgen“, sagt Ingolstadts Leitender Oberstaatsanwalt Helmut Walter, „aber selbst aktiv werden wir nicht“.

Auch diverse Fotos von Stefan B. wurden in den vergangenen Tagen auf Facebook eingestellt. „Stefan B. ohne Balken vor den Augen“, schrieb der Autor dazu, woraufhin wiederum ein wahrer Sturm der Entrüstung losbrach. Dutzende oft nicht jugendfreie Kommentare ergänzten das Bild. Inzwischen ist das Foto von der Seite genommen.

Mädchen umgebracht
13 Bilder
Der Mord an der zwölfjährigen Franziska
Bild: Andreas Gebert, Xaver Habermeier

Am Baggersee bei Neuburg, wo Stefan B. Franziska nach eigenen Angaben umgebracht hat, geht die Spurensuche weiter. Insbesondere nach der Tatwaffe. Das Kind wurde durch massive „stumpfe Gewalteinwirkung gegen Kopf und Oberkörper“ ums Leben gebracht, sagt die Kriminalpolizei. Das kann auch mit einem Stück Holz geschehen sein. Davon liegt dort jede Menge herum.

Stefan B.: Früher mit Kinderpornos gehandelt

Stefan B. sitzt jetzt in Kaisheim in Untersuchungshaft. Wie alle Gefangenen, denen Kapitalverbrechen mit Kindern vorgeworfen werden, hat er es dort nicht einfach. Er wird von den Mithäftlingen gemieden und mitunter schikaniert. Was die Sexualdelikte in seinem Vorstrafenregister anbelangt, ist nun bekannt geworden, dass er nicht nur verurteilt wurde, weil er Frauen über das Internet mit obszönen Texten zum Sex aufgefordert hat. Er handelte als Heranwachsender auch einmal mit kinderpornografischen Schriften. Ebenfalls im Internet. Die virtuelle Welt hat ihn jetzt aber auch diesbezüglich entlarvt.

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