Newsticker
RKI-Chef Wieler: "Wird noch schwieriger, das Virus im Zaum zu halten"
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Nach der Landratswahl ist vor der Landratswahl

Neuburg-Schrobenhausen

21.01.2019

Nach der Landratswahl ist vor der Landratswahl

Zwischen ihnen haben die Wähler am 3. Februar bei der Stichwahl die Wahl, wer neuer Landrat im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen wird: Peter von der Grün von den Freien Wählern (links), oder Fridolin Gößl von der CSU.
Bild: Claudia Stegmann

Gedanken zur Wahlbeteiligung und dem nach wie vor offenkundigen Nord-Süd-Konflikt im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen.

Der Wähler, das unbekannte Wesen. Wenn man sich nur in jeden Einzelnen hineindenken könnte, werden sich einige CSUler wünschen. Dann wüssten sie zum Beispiel, weshalb ausgerechnet in Gemeinden und Städten, in denen Vorzeige-CSUler leben und mitunter auch als Gemeindeoberhäupter das Sagen haben, der Landratskandidat der Freien Wähler groß absahnte. Beispielsweise in Aresing. Im Ortsteil Oberweilenbach ist der Interims-Landrat Alois Rauscher zu Hause. Nicht einmal 29 Prozent der Stimmen bekam in der Gemeinde CSUler Fridolin Gößl, über 52 Prozent dagegen Peter von der Grün. Oder in der Stadt Schrobenhausen, wo Karlheinz Stephan als christsozialer Bürgermeister fest im Sattel sitzt. Gerade mal 21 Prozent gab es für den Parteifreund, satte 56 für den Freien Wähler. Oder in Gachenbach. Dort ist Alfred Lengler daheim. Er ist nicht nur in der Gemeinde der Bürgermeister, sondern auch noch Kreisvorsitzender der CSU. Auch dort ging die Wahl eindeutig für von der Grün aus (52,4:36,3 Prozent).

In Neuburg scheint es den Menschen egal zu sein, wer unter ihrem Oberbürgermeister neuer Landrat wird

Aber vielleicht sehen gerade die Menschen im Süden des Landkreises in dem gebürtigen Waidhofener, der jetzt im nördlichen Bertoldsheim lebt und im zentralen Neuburg arbeitet, ein verbindendes Element. Nord und Süd sind im Landkreis offenkundig immer noch keine Einheit. Fridolin Gößl ist vielleicht trotz seiner großen Verdienste als Bürgermeister in seiner Gemeinde Oberhausen und als Vertreter der Landkreisbürgermeister im Bayerischen Gemeindetag im Süden Neuburg-Schrobenhausens noch nicht bewusst angekommen. Oder auf was sonst lässt sein Abschneiden in den allermeisten Gemeinden im Süden schließen?

Und wie sieht es mit der Wahlbeteiligung aus? In Neuburg rafften sich nicht einmal 8000 der 22.799 Wahlberechtigten auf, um ihr Kreuzchen zu machen – die meisten aber für Gößl, der am Ende klar mit 47,4:29,5 Prozent der Stimmen vorne lag. Hier scheint Oberbürgermeister Bernhard Gmehling seine „Schäfchen“ noch im Griff zu haben. Und den vielen Tausenden in Neuburg, die nicht zur Wahl gegangen sind, ist es ganz offensichtlich völlig wurscht, wer Chef im Landkreis wird. Ganz nach dem Motto: Wer unter unserem OB Landrat ist, ist uns eh egal.

Auch bei der Landratswahl in Neuburg-Schrobenhausen gibt es keine Mindestwahlbeteiligung

Dabei sollte es jedem wahlberechtigten Bürger eben nicht ganz und gar egal sein, wer in den kommenden sieben Jahren das höchste politische Amt im Landkreis ausübt. Die 41,2 Prozent Wahlbeteiligung sind – und das war auch am Sonntag oft zu hören – schlichtweg erschreckend. Nicht einmal ganz 31.500 der knapp 76.500 Wahlberechtigten im Landkreis übten das aus, was eine Demokratie grundlegend auszeichnet: nämlich ihr freies Wahlrecht. Das ist beschämend. Doch zu vermuten ist, dass es bei der Stichwahl am 3. Februar noch weniger an die Urnen ziehen wird. Schwarzmaler rechnen mit nur noch 20 Prozent Beteiligung. Nachgefragt bei Klaus Ferstl, erklärte der Regierungsrat am Landratsamt in Neuburg, dass es in Deutschland keine Mindestwahlbeteiligung gibt. Plausibel erklärt bedeutet dies: Gehen von 100 Wahlberechtigten nur 50 zur Wahl und stimmen davon 26 für die Luschenpartei, dann hat diese damit die absolute Mehrheit. Da kommt einem doch gleich wieder der Brexit in den Sinn. Wie groß war der Aufstand vor allem unter den jungen Briten, nachdem die Mehrheit derer, die zur Wahl gingen, beim Referendum für den Austritt aus der EU gestimmt hatte. Der entscheidende Fehler war allerdings, dass viel zu wenige junge Briten zur Wahl gegangen sind. Selber Schuld, also.

Erhalten die Landratskandidaten noch Unterstützung von den Alfa-Tieren in der jeweiligen Partei?

Soweit sollte es im Landkreis erst gar nicht kommen, dass nur wegen einer schwachen Wahlbeteiligung der „falsche“ Kandidat Landrat wird. Doch wie wollen Fridolin Gößl und Peter von der Grün in den wenigen Tagen die Wähler motivieren? Helfen vielleicht die Alfa-Tiere, wie Ministerpräsident und Parteivorsitzender Markus Söder oder sein Vorgänger und Ex-Heimatabgeordneter Horst Seehofer mit, die CSU-Freunde grundsätzlich zur Wahl und in Aresing, Gachenbach oder Schrobenhausen auch noch zur Umkehr zu bewegen? Stellt sich der frischgebackene Staatssekretär und Ex-Landrat Roland Weigert an die Seite „seines“ Freien Wählers Peter von der Grün? Wäre ja durchaus legitim und ganz und gar nichts Unverschämtes. Egal, was die Kandidaten und ihre Parteien sich noch ausdenken, um die Menschen für sich zu begeistern. Entscheidend ist, ob es ihnen gelingen wird, sie auch zur Wahl zu bewegen. Es wäre schon ein Erfolg, wenn es am 3. Februar nicht weniger als am vergangenen Sonntag wären.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren