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Burgheim/Straß

06.10.2019

Nagelprobe und salzige Suppe beim Patenbitten

Als finaler Akt mussten die Burgheimer Bittsteller noch eine versalzene Suppe auslöffeln, ehe ihr „Flehen“ erhört wurde. 
Bild: Peter Maier

Beim Patenbitten machten es die Straßer Schützen den Bittstellern aus Burgheim nicht leicht.

Das Jahr 2019 ist bereits im letzten Quartal angekommen und Burgheim freut sich auf 2020, ein Jahr der großen Jubiläen in der Marktgemeinde. Der TSV Burgheim wird 100, aber es gibt noch einen deutlich älteren Verein. Die Schützenfreunde von 1870 sind der älteste Burgheimer Verein und feiern vom 29. bis 31. Mai 2020 ihr 150. Gründungsjubiläum.

1870 ist ein ganz besonderes und geschichtsträchtiges Jahr. Die bayerischen Armeekorps zogen an der Seite Preußens in den deutsch-französischen Krieg. Am siegreichen Ende stand die Proklamation des deutschen Kaiserreiches vom 18. Januar 1871 in Schloss Versailles.

In Burgheim dachte man nicht an Krieg, aber friedlich und sportlich schießen wollte man doch. Weil dies in Gesellschaft noch mehr Spaß macht, gründeten Burgheimer Fans von Kimme und Korn die Schützenfreunde Burgheim von 1870, heute ein eingetragener Verein.

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Sie sind nicht nur Meister der Schützen, sondern auch des Anzapfens, Klaus Hutter (links) und Thomas Bauch.
Bild: Peter Maier

Wie die Schützen den 150. Geburtstag des Vereins feiern wollen

Den 150. Geburtstag will die Schützengilde ganz groß am Pfingstwochenende 2020 feiern. Die Vorbereitungsarbeiten laufen schon ziemlich lange und biegen inzwischen auf die Zielgerade ein. Nachdem Landrat Peter von der Grün seine Zusage als Schirmherr gegeben hatte, wollten Burgheims 1. Schützenmeister Thomas Bauch und seine Mitstreiter im Rahmen einer traditionellen Zeremonie auch einen Paten an sich binden. Faktisch war die Sache längst klar, dass dies die Winterlustschützen aus Straß sein werden. Schließlich standen die Burgheimer den Straßern im Jahr 2004 bei deren 100. Jubiläum als Pate zur Seite und pflegen ein überaus angenehmes Miteinander. Der Brauch und auch die Beteiligten wollen aber ein offizielles Patenbitten.

Dazu trafen sich beide Schützenvereine bei klingendem Spiel der Marktmusikkapelle Burgheim unter der Leitung von Silke von der Grün am Straßer Dorfplatz vor der Kirche. Nachdem die Fähnriche Manfred Egen (Straß) und Thomas Würfl (Burgheim) ihre Vereinsfahnen in Verbundenheit gekreuzt hatten, marschierten beide Vereine nach der Marktmusikkapelle zur festlich dekorierten Heidlhalle. Vor knapp 200 Gästen, darunter Landrat und Schirmherr Peter von der Grün, Bürgermeister Michael Böhm und der Schirmherr beim 125-Jährigen von 1995, Karl Mack, zapften die Schützenmeister Klaus Hutter (Straß) und Thomas Bauch jeweils ein Fass Bier an. Klaus Hutter brauchte drei Schläge, einen mehr als Thomas Bauch. Nach kurzen Grußworten stellten Elfriede Brendle die 16 Burgheimer Festdamen und Melanie Pilz die acht strahlenden Straßer Aushängeschilder vor.

Die Fähnriche Manfred Egen (links) und Thomas Würfl kreuzen ihre Vereinsfahnen in patenschaftlicher Verbundenheit.
Bild: Peter Maier

Burgheim/Straß: Auf diese Gage einigten sich die Schützen am Ende

Dann bat der Straßer Schützenmeister Klaus Hutter die Repräsentanten des Burgheimer Jubelvereins zur Pflicht, nachdem sie „von der Hauptstadt auf’s Land gekommen waren.“ Pflicht bedeutete knien und bitten auf einem von Zimmerer Thomas Wolter gefertigten Holzbalken. Zunächst aber entstand ein basarähnliches Gefeilsche um die Patengage. Weil man sich nicht einigte, mussten sich die Burgheimer einer „Nagelprobe“ unterziehen. Mit der spitzen Seite eines Hammers galt es einen Nagel in einen Baumstamm zu schlagen. Dabei entpuppte sich Landrat und Schirmherr Peter von der Grün als handwerklich sehr geschickt. Weil die Schacherer immer noch keine Einigung erzielten, musste Fähnrich Thomas Würfl eine Halbe Bier ein einem Zug leeren, was auch gelang. Weil die Gagenforderungen und die Zugeständnisse immer noch weit auseinander lagen, mussten die Knienden schnupfen. Erst nachdem sie auch noch eine versalzene „Hochzeitssuppe“ ausgelöffelt hatten, einigten sich die „Kontrahenten“ auf 70 Liter Bier und 70 Essen, der Jahreszahl der Vereinsgründung angemessen.

Spontan betrat Burgheims Bürgermeister Michael Böhm die Bühne und verkündete, dass Landrat Peter von der Grün und er auf 100 Liter Bier und 100 Essen aufrunden. Tosender Beifall folgte.

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