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Rezension

27.05.2015

Napoleon war seinerzeit begeistert

Georgisches Kammerorchester spielt zur Landesausstellung Simon Mayr und Beethoven

Es ist sicherlich nicht der „Klang des Grauens“, den der sogenannte „bayerische Vater“ der italienischen Oper, Johann Simon Mayr, mit seiner Opernvertonung von „La Lodoiska“ und auch in der Kantate „ Traiano all Eufrate“, die anlässlich des Friedens von Tilsit entstanden ist, zum Ausdruck bringen wollte. Ganz im Gegenteil: Mayrs Musik lebt von einer wohlklingenden Harmonik, ist facettenreich angelegt und wechselt eindrucksvoll zwischen prachtvoll und erlesen wirkenden Phrasierungen.

Selbst Napoleon Bonaparte, der Mayrs Oper an der Mailänder Scala als König von Italien im Jahre 1799 erleben durfte, war begeistert und bot dem in Mendorf bei Ingolstadt geborenen Komponisten die Stelle des Operndirektors in Paris an.

Das Georgische Kammerorchester, unter der glanzvollen Leitung von Sebastian Tewinkel, widmete sich im Rahmen des Festkonzertes anlässlich der Landesausstellung, „Napoleon und Bayern“, im Zusammenwirken mit dem renommierten „Philharmonischen Chor München“ und den allesamt großartig agierenden Solisten, Agnes Preis (Sopran), Magdalena Dijkstra (Sopran) sowie Andrew Lepri Meyer (Tenor) diesen selten gehörten Werken von Johann Simon Mayr.

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Auch wenn die Sinfonia zu „La Lodoinska“ – am Beginn des leider nur mäßig besuchten Konzertes – trotz guten Einsatzes der Harmonieinstrumente etwas wenig musikalische Noblesse offerierte, so fanden Chor, Orchester und Solisten bei der Kantate „ Traiano all Eufrate“ doch homogen zueinander. Durch das engagierte und überzeugend angelegte Dirigat des Echopreisträgers Tewinkel gelang hier die Darbietung in bemerkenswerter Weise. Somit verknüpfte sich ein gut ausbalancierter und auch tonal eindrucksvoller Orchesterklang mit den nuancenreich angelegten Passagen des solide agierenden Chores und den Recitativen sowie Terzetten der überaus präsenten Solisten. Mayrs liebenswürdige, delikate Musik macht ihn bis heute, trotz aller berechtigter Kritik, zu einem Reformer mit Charme. Und im Verlauf der so treffend und konzertant angelegten Darbietung wurde auch deutlich, wie innig und tiefgreifend diese Musik nun mal ist.

Beethoven nannte seine 3. Sinfonie zunächst „Bonaparte“, zog diese Widmung aber zurück, als sich Napoleon zum Kaiser ausrief. Die Eroica ist die erste große, umfangreiche Symphonie der Musikgeschichte. Zeitmäßig zeigt sich dies darin, dass der erste Satz alleine die Dauer einer ganzen Symphonie der frühen Kompositionszeit Haydns oder Mozarts umfasst.

Dieses „Meister-Werk“, im zweiten Teil des Konzertes dargeboten, ließ zwar ein wenig an musikalischer Raffinesse vermissen, verfehlte aber gerade durch den stets präsenten und auch agogisch präzise agierenden Streicherapparat keineswegs an Wirkungskraft.

In dieser Sinfonie setzte Tewinkel auf eine überaus dominante Intensität, vor allem in den Harmonieinstrumenten. Dies ging aber nicht auf Kosten von Balance, Homogenität und Dynamik. (js)

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