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16.01.2018

Nationalpark-Fans machen mobil

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Die Rhön und die Donau-Auen sind noch im Rennen um den Standort des dritten Nationalparks in Bayern. Am Montagabend hat sich ein Bündnis für einen Auennationalpark gegründet. Siegfried Geißler führte moderierend durch die Informationsveranstaltung im Sporthotel Dünstl. Dr. Christine Margraf aus Freising arbeitet beim Bund Naturschutz. Sie setzt sich für die Auwälder ein (von oben links).

Naturschutz Das neu gegründete „Bündnis Auennationalpark“ kämpft ab sofort für den Standort an Donau und Isar. Argumente der Gegner seien reine Stimmungsmache

Neuburg-Rödenhof Bisher traten nur die Gegner eines dritten bayerischen Nationalparks entlang der Donau öffentlich in Erscheinung. Und das mitunter sehr lautstark, mit Trillerpfeifen und bei Demonstrationen. Das soll sich nun ändern. Am Montag ist das „Bündnis Auennationalpark“ in die Öffentlichkeit getreten und will dafür kämpfen, dass der dritte bayerische Nationalpark entlang der Flüsse Donau und Isar Wirklichkeit wird.

„Ja, wir sind spät dran. Aber, ehrlich gesagt, wir haben nicht mit einem solchen Widerstand und mit derart verdrehten Fakten und Unwahrheiten gerechnet.“ Siegfried Geißler ist stellvertretender Vorsitzender der Stiftung „Naturerbe Donau“ und Gründungsmitglied des Bündnisses, das auf die Initiative von rund 20 Personen zurückgeht, die wiederum größtenteils Umweltverbände repräsentieren. „Wir wollen den Befürwortern und Fans eines Auennationalparks eine Stimme geben.“ Denn, so Geißler, die große Mehrheit der Bürger sei für diesen Nationalpark, melde sich aber nicht zu Wort. „Laut einer Umfrage wollen über 80 Prozent einen Nationalpark“, ist sich auch Dr. Norbert Schäffer sicher. Der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) kämpft vehement für den Nationalpark und hätte am liebsten auch noch einen vierten in der Rhön. Die Donau-Auen seien einmalig, und ein Schutzgebiet von höchstem internationalem Rang würde die Biodiversität dort stark erhöhen. Schäffer versteht nicht, wieso gerade die Landwirte Front gegen das Projekt machen, „wenn es doch nur um Staatsflächen geht“. Für ihn ist wichtig, dass ein Auennationalpark kein Nationalpark „light“ werden dürfe. „Er muss die qualitativen Kriterien schon erfüllen. Dann ist er aber auch eine Bereicherung für die Menschen.“

Das Argument der Gegner, die Auwälder seien ein nur dünner Streifen, lässt Dr. Christine Margraf vom Bund Naturschutz (BN) nicht gelten. „Es liegt in der Natur der Sache, dass Uferstreifen schmale Bänder sind. Aber das Wertvolle dieser Landschaft kommt nicht aus der Größe, sondern aus der Einmaligkeit. In diesen schmalen Räumen spielt die Musik.“ Dieser spezielle Lebenstyp Auwald sei vom Aussterben bedroht und fehle bisher in der deutschlandweiten Nationalpark-Landschaft. „Wir haben eine hohe Verantwortung, diesen Lebensraum zu erhalten.“ Durch einen Nationalpark werde die Kernzone aus der Nutzung herausgenommen. Und erwiesen sei, dass in ungenutzten Wäldern die Artenvielfalt deutlich höher sei als in forstwirtschaftlich genutzten Gebieten.

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Peter-Michael Schmalz ärgerte sich über Nationalpark-Gegner, die mit teils komplett falschen Argumenten Stimmung machten. Der Fraktionsvorsitzende der ÖDP im Kreistag Kehlheim und Umweltberater des dortigen Landrats sieht die Diskussion von Menschen beeinflusst, die ihre wirtschaftlichen Interessen beeinträchtigt sehen und keinerlei Veränderung wollen. Beispiel: die kursierenden Gerüchte um ein Betretungsverbot in einem Nationalpark. „So etwas gibt es gar nicht. Es wird keine Tabuzonen geben, sondern lediglich Lenkungszonen.“ Touristen könnten verträglich gelenkt werden. Und schon heute dürfe in den Wäldern kein Lagerfeuer entfacht werden. Schmalz forderte, dass die Gewinne der Bayerischen Staatsforsten, immerhin rund 70 Millionen Euro pro Jahr, dafür genutzt werden, weitere Waldgebiete von privaten und kommunalen Eigentümern zu kaufen, damit die Gebietskulisse größer werde. „Man muss den Menschen nur einen anständigen Preis oder einen annehmbaren Tausch vorschlagen.“

Das Bündnis hat sich in seiner Organisationsform (siehe Infokasten) bereits zusammengefunden und wird sogleich die Arbeit aufnehmen. Man will Anlaufstelle sein für Befürworter, Sprachrohr für den Nationalpark und mit Expertisen bei der Gestaltung eines Schutzgebietes mithelfen.

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