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Neuburg

29.12.2020

Neu im Stadtrat: Wie lief das Jahr für die Neuburger OB-Kandidaten?

Die sechs Neuburger OB-Kandidaten trafen sich Anfang des Jahres bei der DGB-Podiumsdiskussion „Mensch wähl mich“: (von links) Florian Herold, OB Bernhard Gmehling, Frank Thonig, Gerhard Schoder, Bernd Schneider und Michael Wittmair.
Bild: Ulli Hamm (Archiv)

Plus Fünf Politiker forderten im Frühjahr den Neuburger OB Bernhard Gmehling heraus – und landeten im Stadtrat. So blicken sie auf 2020 und das hitzige Miteinander im neuen Gremium.

Fünf Kandidaten forderten bei den Kommunalwahlen im vergangenen Frühjahr Oberbürgermeister Bernhard Gmehling heraus – ohne Erfolg. Gmehling sicherte sich seine vierte Amtszeit, die fünf Herausforderer wurden erstmals Teil des neu gebildeten Stadtrats. Wie erging es den ehemaligen OB-Kandidaten im Gremium?

Gerhard Schoder
Bild: Geißler (Archiv)

Gerhard Schoder war von allen Herausforderern derjenige, der Bernhard Gmehling am ehesten hätte entthronen können. Der Grünen-Politiker zwang den Amtsinhaber in eine Stichwahl – und holte dort immerhin 41,2 Prozent. Sein Fazit nach den ersten Monaten im neuen Stadtrat ist „sehr positiv“, wie er sagt. Für ihn sei es ein spannendes Jahr gewesen. „Ich habe viel gelernt, wie in Neuburg Kommunalpolitik gemacht wird – im Guten wie im Schlechten“, so Schoder.

Er persönlich habe die ersten Dinge anstoßen können, was ihm ein gutes Gefühl gebe. Fraktionsübergreifend einigte man sich etwa auf Schoder als Digitalreferenten oder eine Arbeitsgruppe zum Glasfaserausbau. Auch gab es fraktionsübergreifende Anträge, zum Beispiel beim Thema Außenbewirtung in Corona-Zeiten. „Man spürt, dass alle das Wohl der Stadt im Blick haben.“ Trotzdem bezeichnet Schoder das Miteinander im neuen Stadtrat als „durchwachsen“. „In den Sitzungen geht es zum Teil heiß her“, sagt der Grünen-Politiker. Mal sei dies gerechtfertigt, mal unnötig.

Florian Herold
Bild: Dorothee Pfaffel

Florian Herold holte für die Freien Wähler ein Ergebnis von 15,9 Prozent. Die Erfahrungen im neuen Stadtrat hätten ihm deutlich gemacht, dass bei vielen städtischen Problemen eine nachhaltige Herangehensweise fehle. „Das ist wie ein Acker, der seit Jahren nicht gepflügt wurde, und aus dem jetzt Unkraut wächst.“ Dieser Umstand habe nichts mit Einzelpersonen zu tun. „Aber ich glaube, da kann man etwas verbessern“, sagt Herold.

Luft nach oben sieht er unter anderem im Bereich Flächenmanagement. Auch die aktuelle Wirtschafts- und Arbeitsstruktur in der Stadt müsse man stark überdenken. „Diese Identitätsfrage, die sich Neuburg stellen muss, ist wahnsinnig spannend“, sagt Herold. Er sei hoffnungsvoll, dass man sich als Stadt und Stadtrat entwickeln kann. Auch wenn das Miteinander im Gremium ihm nicht immer gefalle. „Manchmal entgleist es, das empfinde ich als unangenehm“, so Herold. In der Sache gehe es ihm außerdem öfter zu hektisch zu. „Manchmal brauchen Dinge einfach Zeit“, spricht er sich für mehr Geduld im Stadtrat aus.

Frank Thonig
Bild: Gloria Geißler (Archiv)

Frank Thonig kandidierte für WIND um den OB-Posten und erhielt 8,4 Prozent der Stimmen. Die vergangenen Monate im Stadtrat hätten ihm persönlich gut gefallen, sagt er. „Es war ein intensives Auseinandersetzen in den Themen.“ Eines mag er besonders an der Arbeit im Gremium: Dass keine Partei die absolute Mehrheit innehat. So müssten sich bei jedem Thema die Mehrheiten erst bilden und als Stadtrat fühle man sich nie als „Beiwerk“. „Das ist extrem motivierend, ich freue mich auf jede Sitzung“, sagt Thonig.

Auch die Zusammensetzung im Gremium sei ein „guter Mix“, sowohl was Alter, Herkunft oder persönlicher Hintergrund betrifft. Sicher habe es die eine oder andere Entscheidung gegeben, die er anders bewertet hatte. „Aber das gehört dazu und ist Teil der Demokratie.“ Mittelfristig sieht er vor allem zwei Herausforderungen auf Neuburg zukommen: Die Frage, wie man mit den Minusbeträgen der Stadtwerke umgehen wird, und wie man sich für die Auswirkungen des Klimawandels rüstet.

Bernd Schneider
Bild: Christof Paulus (Archiv)

Bernd Schneider von der SPD erhielt bei den Kommunalwahlen sechs Prozent der Stimmen. Seinen Start im Stadtrat beschreibt er mit der Redewendung „Aller Anfang ist schwer“: „Das fordert Zeit und viel Wissen.“ Er denke, dass er sich gut eingearbeitet hat. Die Arbeit im Stadtrat bezeichnet er als „sehr intensiv“. Das Miteinander sei zum Teil „recht populistisch“. „So mancher neue Stadtrat ist noch im Wahlkampfmodus, wir müssen viel diplomatischer zusammenarbeiten“, fordert Schneider. Er sei jedoch guter Dinge, dass dies kontinuierlich besser wird.

Michael Wittmair
Bild: Elisa Glöckner (Archiv)

Als angenehm empfindet er es, dass die absolute Mehrheit der CSU gebrochen ist. So könne man auch als Opposition Anliegen voranbringen. Grundsätzlich gehe es aber darum, einen Konsens mit allen anderen Stadträten zu finden. Als mittelfristig wichtigstes Projekt für die Stadt schätzt Schneider das Thema Fußgängerbrücke ein.

Michael Wittmair kam für Die Linke auf ein Ergebnis von 1,8 Prozent. Auf Anfrage der Neuburger Rundschau stand er für ein Interview in dieser Sache nicht zur Verfügung.

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