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Neuburg
09.10.2021

Goldene Hochzeit in Neuburg: „Da muss ich zuerst meine Regierung fragen“

Lieselotte und Günter Hahlbohm sind seit 50 Jahren verheiratet. Am Samstag feiern sie Goldene Hochzeit.
Foto: Irene Sagorski

Lieselotte und Günter Hahlbohm feiern ihren 50. Hochzeitstag. Kennengelernt hat sich das Ehepaar aus Neuburg in einem Zug. Heute haben sie drei Kinder und vier Enkelkinder.

„Also eigentlich haben wir uns im Zug kennengelernt“. Als sie sich vor über 50 Jahren das erste Mal gesehen haben, hätten Liselotte und Günter Hahlbohm nie für möglich gehalten, dass sie einmal verheiratet sein und am Samstag ihre Goldene Hochzeit feiern würden. Liselotte saß im Zug mit der Mutter ihres verstorbenen Freundes. Damit das junge Mädchen über die Trauer hinwegkommt, deutet die Mutter auf einen jungen Mann: „Er sieht doch gut aus“. Und genau er, der damals 22-jährige Günter, war dann auch der Richtige.

„Er hat mir sofort einfach gut gefallen und er war auch sehr gut aussehend“, erinnert sich Lieselotte, die aus Nördlingen kommt, nun zurück. Einen anderen ersten Eindruck hatte ihr 74-jähriger Ehemann. Sehr schüchtern, leise und zurückhaltend soll sie gewesen sein. So stand es auch in ihrer Schulzeitung: „Diese Lotte ist nicht zum lautreden zu bewegen“. Aber diese Tage sind schon lange vorbei. Auf die Frage, wer von den beiden in der Beziehung die Oberhand hat, zeigt Günter auf seine Ehefrau. „Da sage ich immer: Ich muss zuerst meine Regierung fragen.“

Zwei Jahre nach dem Kennenlernen haben Lieselotte und Günter Hahlbohm geheiratet

Zwei Jahre nach dem Kennenlernen wurde geheiratet. Der gebürtige Harburger war zu dem Zeitpunkt mit einer Offizierslaufbahn beschäftigt. Seine noch minderjährige Ehefrau war Geselle, mit der Aussicht, Zahntechnikerin zu werden.

Glückliche Zeiten: Das Ehepaar am Tag seiner Hochzeit.

„Damals musste ich ihren Vater noch richtig nach der Erlaubnis fragen. So was macht man heute auch nicht mehr“, erinnert sich Günter fast schon mit ein bisschen Stolz zurück. Sein Schwiegervater soll auch gesagt haben: Einen Fähnrich heiratet man nicht. Und so haben sie gewartet, bis er Leutnant wurde. Zur Hochzeit trug der Soldat ganz klassisch seine Uniform. Ähnlich unproblematisch verlief die Beschaffung des Kleides. Wie Lieselotte erzählt, ging sie mit ihrer Mutter in ein Geschäft und kam nach 30 Minuten mit dem richtigen Kleid wieder heraus. Bei den Brautschuhen dagegen ging es nicht so schnell. Da hat die ganze Familie über eine lange Zeit Pfennige gesammelt.

Sie ist Katzenliebhaberin, er passionierter Modellschiffbauer

Glück gebracht hat es auf alle Fälle. Die standesamtliche Trauung war am 8. Oktober. Dieser Tag wird nun, 50 Jahre später nicht gefeiert, sondern die kirchliche Hochzeit einen Tag später. Zur Feier des besonderen Tages ist mit Familie und Nachbarn eine Führung in der Hofkirche und der Provinzialbibliothek geplant. Nach vielen Ehejahren haben sie gelernt, was für eine glückliche Ehe wichtig ist: Toleranz. „Jeder hat seine Marotten“ und man sollte lernen, damit umzugehen. Die 70-Jährige ist eine absolute Katzenliebhaberin. Sie hat neben einer echten, auch viele Katzenfiguren aus den unterschiedlichsten Ecken der Welt. Der 74-Jährige ist ein passionierter Modellschiffbauer. In Eigenarbeit hat er sechs Schiffe aus Holz zusammengebaut. Auch sie haben alle im Wohnzimmer ihren Platz.

Vervollständigt wurde das Eheglück mit der Geburt ihrer drei Kinder. Nun haben sie auch vier Enkelkinder, drei Jungen und ein Mädchen. Der älteste Sohn hat das Familienunternehmen bei Nördlingen übernommen. Mit seinem Cousin führt er eine Parfümerie.

Doch das Ehepaar ist in Neuburg geblieben. Sie hat es in diese Stadt bereits vor langer Zeit verschlagen. Nach zwölf Jahren im Dienst hat der heute 74- Jährige das Mannschaftsheim der Wilhelm Frankl Kaserne nach seinem Vater übernommen. Kein anderer hat diese Kaserne so lange geleitet wie das Paar. Doch nach 20 Jahren kräfteraubender Arbeit in Neuburg, sind sie in den verdienten Ruhestand gegangen.

Jetzt stellen sie sich neuen Lebensherausforderungen. Lieselotte hat die Bibliothek in der Apostelkirche aufgebaut. Besonders beschäftigt hat sie sich mit den Kinder- und Jugendbüchern. In ihrer neugewonnenen Freizeit arbeiten sie am Teich in ihrem Garten oder gehen auf Reisen. Nur mit der Maske im Gesicht macht es keinen Spaß mehr, sagt sie. Ansonsten kann die Familie auf einen großen Schrank mit Dias zurückblicken. Es scheint, als wären sie überall gewesen: Mexiko, Syrien, Indien oder die Sowjetunion seinerzeit. Nur bei Fernreisen kann Lieselotte aus gesundheitlichen Gründen manchmal nicht mit. Und Streit? Den gibt es höchstens, wenn es um die Erziehung der Enkel geht.

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