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Neuburg an der Donau

11.12.2018

Neuburg: Großprojekt ein Glücksfall für die Innenstadt

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2 Bilder
Der Blick von Westen, also vom Schrannenplatz aus, auf die Giebelfront des geplanten Einzelhandels- und Hotelprojektes der VR Bank. Insgesamt wurde der Neubau um ein Stockwerk reduziert. Der Turm mit Sky-Lounge würde dadurch unter 20 Meter hoch, dafür aber breiter.
Bild: VR Bank

Stadtrat billigt mit deutlicher Mehrheit den Planentwurf der VR Bank für ein Hotel und Handelszentrum am Schrannenplatz. Es bleibt die Kritik der Anwohner.

Ein noch deutlicheres „Ja“ als vor einem halben Jahr gab es am Dienstagabend im Stadtrat für das Großprojekt der VR Bank am Schrannenplatz. Nach einer namentlichen Abstimmung waren nur acht der 30 Mandatsträger gegen die vorgestellte, deutlich zurück gefahrene Variante für ein 120-Zimmer-Hotel und ein Handelszentrum an zentral gelegener Stelle in der Innenstadt. Nächster Schritt ist nun die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange am Verfahren.

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Die Entscheidung der VR Bank, den Vorstellungen der Stadt auf eine niedrigere Giebelfront entgegenzukommen und damit vor allem auch auf eine gesamte Etage Einzelhandelsfläche (1900 Quadratmeter) zu verzichten, hatte Konsequenzen. Die renommierte Stoffel-Gruppe stieg daraufhin nach einer Chancen-Risiken-Abwägung als Mitinvestor aus, wie Vorstand Werner Halbig erklärte. Stoffel steht der Bank über den Projektentwickler Confidential und namentlich mit Jürgen Schrödl, der die neue Planung vorstellte, allerdings weiter als erfahrener Dienstleister zur Seite.

Die VR Bank trägt das Risiko beim Neubau in der Innenstadt jetzt alleine

Wie Hans Mayr später deutlich hörbar zu verstehen geben sollte, trage die VR Bank damit nun das alleinige Risiko. Wie zahlreiche andere Stadträte auch, bezeichnete Mayr es als einen Glücksfall, wenn sich jemand bereit erkläre, so ein Projekt in der Innenstadt in die Hand zu nehmen. 20 Millionen für ein Hotel, das Neuburg dringend braucht, und als weiteren Impuls großflächiger Einzelhandel: „Wenn wir das nicht machen, gehören wir gehaut“, sagte Mayr. Er fand es peinlich, wie manche sich diesen Leuten gegenüber benehmen würden.

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Die direkten Anwohner in der Fischergasse, wie Theo Walter oder Eva Lanig, sehen zwar durchaus die Notwendigkeit, dass sich an dieser Stelle etwas verändern müsse. „Ich hätte mir aber gewünscht, dass die Baumasse nicht so voluminös ausfällt“, erklärte Lanig. Durch die Fensterfront am Hotel fühle sie sich als direkte Anwohnerin beobachtet. Deutlicher wurde Walter: „Mit dem Klotz neben den Häusern der Fischergasse haben wir den Kollateralschaden zu ertragen.“ Und Stadtheimatpfleger Roland Thiele, ebenfalls ein Fischergassler, kritisierte unter anderem den Architekten, bezeichnete die Giebelfront zum Schrannenplatz hin als „peinlich, aber für ein bayerisches Provinzkaff als gut genug“. Hier, in einem der schönsten Städte Bayerns, sollte man vorsichtiger sein. Zudem kritisierte er ebenfalls die massive Bebauung, die ohne amtliche Beschränkung Nachahmer finden dürfte, sowie die laut städtischer Stellplatzordnung fehlenden Parkräume.

Bei den Stellplätzen hat die VR Bank alle Möglichkeiten ausgeschöpft

Während durchaus auch andere die fehlenden Stellplätze als Nachteil sahen, wuchs im Laufe der Diskussion aber die Einsicht, dass die VR Bank in dieser Hinsicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft habe. Zu den knapp 60 Stellplätzen in der eigenen Tiefgarage kauft sie weitere 60 von den Stadtwerken in der Spitalplatztiefgarage, die weiter als öffentliche Stellplätze mit Dauerparkerlaubnis – wie jetzt – genutzt werden können. Hinzu komme das Mehr an Parkfläche im geplanten Parkhaus am Hallenbad, sowie die Aussicht, auf der Schlösslwiese weiteren Parkraum ankaufen zu können. Beschlossen wurde auch deshalb, den Erlös aus dem Verkauf der Spitalplatzstellplätze in die Anschaffung neuer zu investieren.

Während sich Stadtbaumeister Dieter Reichstein den Turm an der Adlerstraße und dann durchaus auch zwei Stockwerke höher hätte vorstellen können, platzte Horst Winter mit einer völlig neuen Idee heraus. Er schlug vor, dass die Stadt den gesamten Komplex erwerben und dann selbst entwickeln sollte. Im Erdgeschoss Einzelhandel, an den Ecken Wohnungen und dazwischen Sitzungssaal und Ämter, die am Schrannenplatz einziehen könnten, waren seine Vorstellung. Der Oberbürgermeister könne derweil weiter im Rathaus residieren.

„Ich will eine lebendige Innenstadt und stehe 100-prozentig dahinter“

Danach mussten sich einige Stadtratskollegen erst wieder fangen (Bernhard Pfahler: „Ich bin nach diesen Ausführungen gerade ein bisschen geplättet.“), um endlich mit Nachdruck das auszusprechen, was Christiane Heyne davor schon deutlich formuliert hatte „Die Entscheidende Frage ist, wollen wir das Projekt, oder nicht. Ich will eine lebendige Innenstadt und stehe jetzt, nachdem, die Investoren auch noch auf eine Reihe von Bedenken eingegangen sind, 100-prozentig dahinter.“ Was die Stellplätze angehe, so Heyne, sei es keineswegs allein die Aufgabe eines Investors, sondern auch unsere als Stadt, welche zu schaffen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Manfred Rinke: "Neuburger Stadtrat setzt ein klares Signal"

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