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K!ar.Text in Neuburg

11.05.2020

Neuburg: Wenn der Sommer des Lebens wegen Corona ausfällt

Corona wirbelt die Pläne der Schulabgänger aus Neuburg ordentlich durcheinander.
Bild: Probst

Plus Vier Absolventen aus Neuburg hatten große Pläne für die Zeit nach den Prüfungen. Aber die Corona-Krise lässt vieles nicht mehr zu. Wie die Schüler die Situation meistern.

Seit drei Wochen ist für die Abschlussklassen wieder etwas Alltag eingekehrt. Sie sind zurück im Unterricht und werden unter Hochdruck auf ihre Prüfungen vorbereitet. Also alles wieder normal? Nein, denn die Corona-Krise vermiest den Absolventen den Sommer ihres Lebens. K!ar.Text hat mit vier Abschlussschülern aus Neuburg über ihre geplatzten Träume gesprochen.

Das schicke Kleid und der neue Anzug für den Schulabschlussball hängen ungetragen im Kleiderschrank. Und das wird sich vermutlich nicht so schnell ändern, denn große Feiern sind derzeit nicht möglich. Die traditionellen Partys der Schulabgänger im Neuburger Hofgarten entfallen. Angebote für Ferienjobs gibt es kaum, weshalb die finanziellen Mittel für das geplante Auslandsjahr oder den ersten großen Urlaub fehlen. Unverhofft beginnt der Wechsel an die Uni für manchen jetzt sogar ein Jahr früher. Die Liste ließe sich unendlich fortsetzen.

Schüler aus Neuburg freuten sich auf Sommer

Nur eine Sache ist sicher: Der Sommer 2020 wird das absolute Gegenteil von dem sein, worauf sich die beiden Realschulabsolventen Laura Ammler und Paul Plach und die zwei Abiturientinnen Nadine Probst und Anna Wehrmut seit Jahren gefreut haben. „Ich fieberte seit der siebten Klasse darauf hin, eines Tages am Hofgarten meinen Abschluss zu feiern“, sagt Laura. Die 15-jährige Maria-Ward-Schülerin hatte bereits einen Tanzpartner gefunden und sich ein Kleid für ihren Abschlussball gekauft.

Paul aus Unterstall hatte sich auf die freie Zeit nach dem Abschluss an der Paul-Winter-Realschule gefreut. „Wir wollten die Tradition der Älteren übernehmen und Party machen“, erklärt der 15-Jährige enttäuscht. Die 18-jährige Abiturientin Nadine plante nach ihren Prüfungen ein Auslandsjahr in China. Das freie Jahr sollte zur Berufsfindung dienen. Dort hätte sie den Kindern ihrer Gastfamilie die deutsche Kultur nähergebracht und dabei Chinesisch gelernt. Aufgrund des Virus entgehen der Neuburgerin aber jetzt die Einnahmen aus verschiedenen Ferienjobs. „Ich kann mir die Reise zwar leisten, aber habe kein finanzielles Polster mehr, falls etwas schief gehen sollte“ erklärt sie. Ihr Auslandsjahr fällt damit flach.

Das Kleid für den Abschlussball hat Laura Ammler schon im Schrank.
Bild: Ammler

Corona-Krise lässt keine Urlaubspläne zu

Ihre Mitschülerin Anna wollte Anfang Juni mit Freunden Barcelona besichtigen. Ein Städtetrip voller Kultur, Shopping und Spaß. Stattdessen wird die 18-Jährige zu der Zeit ihr Abitur schreiben, denn die Prüfungen wurden wegen der Corona-Pandemie verschoben. Aber nicht nur die verlegten Abi-Prüfungen, sondern auch die Reisebeschränkungen lassen den Städtetrip derzeit unmöglich erscheinen. Außerdem bekam die Heinrichsheimerin zu ihrem Geburtstag eine Reise nach New York geschenkt und plante wie Schulkameradin Nadine ein Auslandsjahr.

Statt Koffer zu packen, übt sich Anna jetzt in Geduld und hofft, so bald wie möglich die Reisen nachzuholen. Eine Hoffnung, die nicht nur Anna teilt: Laura wollte gemeinsam mit Freundinnen eine Zugreise unternehmen. Aber auch die ist vorerst auf Eis gelegt. Kein Abschlussball ist die eine Sache, aber auch noch auf die Geburtstagsparty zu verzichten, eine andere. Anna hatte Glück im Unglück. Sie konnte den Start ins Erwachsenenleben im Gegensatz zu ihren Mitschülern noch feiern.

Neuburger Jugendliche feiern ihre Geburtstage

Anstatt mit vielen Freunden beging Nadine ihren 18. Geburtstag nur mit der Familie zu Hause. „Man stellt sich den großen Tag nicht so vor, dass er abends mit einem Film endet“, gibt Nadine geknickt zu. Sie bezweifelt, dass sie die Feier nachholen wird. Viele ihrer Freunde werden ab dem Herbst in anderen Städten studieren. Eine ausgelassene Party erscheint also unmöglich.

Auf Festivals muss Anna Wehrmut (links) wohl verzichten.
Bild: Wehrmut

Zu jedem guten Sommer gehören für viele Jugendliche Festivals und Klub-Besuche. Anna hatte geplant, auf das „Oben Ohne Festival“ in München zu gehen. „Das ist mittlerweile eine Art Tradition in meinem Freundeskreis.“ Paul wollte zum ersten Mal auf das Eichstätter Open Air Festival gehen, das aber inzwischen abgesagt wurde. Noch gibt er sich positiv und hofft, dass wenigstens das Hip-Hop-Konzert der Band „102 Boyz“ im Oktober stattfindet.

Wenn der Sport ausfallen muss

Auf kurze Sicht vermissen die Jugendlichen die Freiheit nach dem Abschluss. Paul würde gerne mit seiner Fußballmannschaft trainieren. Laura würde diesen Sommer gerne an den deutschlandweiten Schützen-Meisterschaften teilnehmen und ihren Titel als doppelte Bayerische Jugendmeisterin und Deutsche Vize-Jugendmeisterin in Dreistellung verteidigen. Fast alle Termine, die die Jugendlichen sonst durch die stressige Lernphase tragen würden, sind weggebrochen.

Paul Plach würde gerne wieder mit seinen Freunden kicken.
Bild: Ammler

Doch die Pandemie hat für Studienanfänger noch weitreichendere Konsequenzen. „Die Fristen für die meisten dualen Studiengänge sind abgelaufen. Wir können unser Traumstudium möglicherweise nicht mehr in diesem Jahr beginnen“, bedauert Anna. Als Vorbereitung für ihr Wirtschaftsstudium wollte die Abiturientin im Sommer ein dreiwöchiges Praktikum absolvieren, doch auch das fällt aufgrund des Infektionsrisikos aus. Nadine ist verunsichert. Sie befürchtet, das erste Semester komplett online studieren zu müssen und sich deshalb in der Uniwelt nur schwer zurechtzufinden.

Neuburger Schüler weichen auf Apps aus

Um mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben, weichen die Jugendlichen regelmäßig auf die Videokonferenz-App Houseparty aus. „Dort können wir gemeinsam Spiele spielen oder uns einfach unterhalten. Donnerstags schauen wir immer zusammen Germany’s Next Topmodel an“, erzählt Anna und lacht. Eine digitale Abschlussparty kann sie sich aber beim besten Willen nicht vorstellen, denn schon in den Videokonferenzen mit ihren Freundinnen ist der Lärmpegel oft so groß, dass sie kein Wort mehr versteht.

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