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Neuburg

15.10.2019

Neuburg sucht die Haselmaus

Die Haselmaus ist ein mausähnliches, nachtaktives Nagetier aus der Familie der Bilche. Es lebt auf Bäumen und Büschen und bezieht auch gerne vorgefertigte Röhren, die in Bäumen aufgehängt werden. 
Bild: Burghart Lüst

Plus Vor dem Bau der zweiten Donaubrücke muss die Fauna und Flora am möglichen Standort dokumentiert werden. Nach einem Tier muss jetzt explizit gesucht werden.

Eigentlich dachte Oberbürgermeister Bernhard Gmehling, dass die Tier- und Pflanzenwelt rund um den möglichen Standort einer zweiten Donaubrücke genug untersucht ist. Diverse Experten hatten sich in den vergangenen zwei Jahren ausführlich mit dem Vorkommen schützenswerter Arten beschäftigt. Hirschkäfer, Eremit und Gelbbauchunke zum Beispiel wurden gefunden und gelten als stark gefährdet. Doch in keiner der faunistischen Gutachten tauchte die Haselmaus auf. Jetzt könnte man naiverweise glauben, dass die Haselmaus dann in diesem Gebiet schlichtweg nicht vorkommt. Aber so einfach ist es nicht – zumindest wenn die Analyse gegen mögliche Klagen von Naturschützern bestehen möchte. Neuburg muss die Haselmaus suchen.

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Gerd Krüger, Leiter der Umweltabteilung des Ingenieurbüros Dr. Blasy/Dr. Øverland, ist inzwischen mit der Umweltverträglichkeitsprüfung betraut und hat festgestellt, dass ein paar Ungenauigkeiten der zweiten Donaubrücke zum Verhängnis werden könnten. Zum einen wurden zwei kleine Teiche, die in Privatbesitz sind, nicht untersucht, um das Vorkommen von Kammmolch und Gelbbauchunke zu notieren, und zum anderen wurde nicht nach der Haselmaus gesucht.

Die Haselmaus ist nachtaktiv und sehr scheu

Das nachtaktive Nagetier ist sehr scheu und lässt sich kaum aufspüren. Es ist ein hervorragender Kletterer und lebt mit Vorliebe in Sträuchern, wie der Haselnuss oder der Brombeere. „Für die Haselmaus muss zumindest der Negativbeweis erbracht werden“, sagt Krüger. Das heißt, es müssen Röhren in den Büschen aufgehängt werden, die die Haselmaus gerne als Nest bezieht. Falls sie das nicht tut, könne man dann tatsächlich davon ausgehen, dass sie dort nicht vorkommt. Aber das glaubt Krüger nicht: „Die Haselmaus ist bei uns gar nicht mal so selten.“ Sie sei sehr anpassungsfähig und komme inzwischen sogar in Trennstreifen von Autobahnen vor. Das ändere aber nichts an ihrem europaweiten Schutzstatus.

Oberbürgermeister Gmehling ist über diese Verzögerung natürlich nicht begeistert, aber er sagt: „Das wirft uns jetzt nicht um Jahre zurück.“ Eine wasserdichte Untersuchung sei ihm lieber. Das Ingenieurbüro Dr. Blasy/Dr. Øverland habe viel Erfahrung mit Planfeststellungsverfahren, das auch beim Bau der zweiten Donaubrücke nötig sei. „Klagen dagegen sind ja heutzutage die Regel“, sagt Gerd Krüger. Alles nach dem besten wissenschaftlichen Kenntnisstand zu prüfen, sei deswegen äußerst wichtig, sowohl in der Tier- als auch in der Pflanzenwelt. Über den Winter wird nun aber erst einmal nichts passieren. Im nächsten Frühjahr kann dann die Nachuntersuchung beginnen, sodass, so schätzt der Experte, voraussichtlich Ende nächsten Jahres die faunistische Planungsanalyse abgeschlossen werden kann.

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