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Neuburgs Untere Altstadt hat mehr verdient

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Kommentar Von Marcel Rother
06.06.2019

Warum minimaler Kostenaufwand bei der Sanierung der falsche Ansatz ist.

Sie kann einem leidtun, die Schießhausstraße mitsamt ihrem Umfeld in der Unteren Altstadt. Nicht genug, dass dem Areal der Ruf eines Glasscherbenviertels anhaftet, auch die Stadtpolitik gibt kein gutes Bild ab in ihrem jahrelangen Gezerre darum, ob und wie sich an den maroden Zuständen des Viertels etwas ändern ließe.

Anstelle eines gemeinsamen Willens, diesem zentralen Wohn- und Geschäftsquartier neues Leben einzuhauchen, verliert sich die Politik seit Jahren in Grabenkämpfen. „Ich will nicht noch mal eine Kampfabstimmung – das geht mir auf den Sack“, entfuhr es Neuburgs Drittem Bürgermeister, Johann Habermeyer, in der jüngsten Bauausschusssitzung. 2016 wurde für eine sechsstellige Summe ein Städtebauwettbewerb ausgelobt, nur um ihn 2018 in der Versenkung verschwinden zu lassen. Einige Anwohner hatten im Rahmen einer Bürgerbeteiligung Bedenken geäußert.

Es ist kein Geheimnis, dass Oberbürgermeister Bernhard Gmehling nie ein Freund eines „großen Wurfs“ für die Untere Altstadt war. Er plädierte stets für eine Lösung mit minimalem Kostenaufwand und städtebaulich überschaubarer Qualität. Ebenfalls kein Geheimnis ist, dass sich Politiker über Beteiligungsmaßnahmen einerseits absichern wollen, diese andererseits aber auch zur Durchsetzung oder Verhinderung eines Projekts instrumentalisieren können.

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Im Fall der Unteren Altstadt hat die Bürgerbeteiligung dazu geführt, eine umfassende Sanierung zu kippen und die Lager nachhaltig zu spalten. Sowohl unter den Bürgern wie im Stadtrat finden sich bis heute Anhänger der „großen Lösung“ wie auch des „Minimalentwurfs“. Von der Politik wird aber auch erwartet, Visionen zu entwickeln, statt zu verwalten, groß zu denken, statt kleinzureden. Das haben die Mitglieder des Bauausschusses erkannt und rechtzeitig die Reißleine gezogen. Denn dieser Entwurf ist – nach all dem Gezerre – des Viertels unwürdig.

Nun gilt es, die Scherben aufzusammeln und zu retten, was zu retten ist. Die Politik muss beweisen, dass sie nachvollziehbare Einzelinteressen mit denen des Gemeinwohls abwägt – und dabei nicht nur auf Geld und Parkplätze schielt. 50.000 Euro mehr Budget sind da ganz nett, aber ehrlich gesagt nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Gerade wenn man bedenkt, mit welchem Anspruch man die Sanierungspläne begonnen hatte: die Aufenthalts- und Wohnqualität sowie die Attraktivität des Viertels zu steigern.

Lesen Sie dazu auch den Artikel "Neuburgs Untere Altstadt wird überplant" von Marcel Rother.

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