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Neuburg-Schrobenhausen

01.09.2016

Neuburgs häufigste Familiennamen

Wer hätte das gedacht? Müller ist der meistverbreitete Familienname im Landkreis. Keine Überraschung? Stimmt. Dafür ist der Blick in die Namensforschung umso interessanter.
Bild: Bastian Sünkel

Alles Huber oder was? Ganz so eindeutig, wie in den vergangenen Tagen publiziert wurde, ist die Sache mit den Familiennamen in Bayern nun doch nicht. Für Landkreis und Stadt gibt es hingegen eindeutige Zahlen.

Der Huber Franz und die Huber Gretl haben in den vergangenen Tagen nicht selten ihren Namen in der Zeitung gelesen. Huber ist ein urtypisch bayerischer Name, hieß es in den Artikeln – und: Huber kommt innerhalb der Freistaatsgrenzen häufiger vor, als alle anderen Familiennamen. Er taucht sogar öfter als Müller, Schmidt und Schneider auf, die deutschlandweit auf dem Siegertreppchen landen.

Ein wenig überrascht war Dr. Rita Heuser schon, als sie ihren Namen ein ums andere Mal las, zusammen mit dem Satz: Huber sei der häufigste Familienname Bayerns. Denn so habe die Namensforscherin das nie gesagt. Die Philologin und ihr Team arbeiten in Mainz an einem umfassenden Lexikon: dem digitalen Familiennamenwörterbuch Deutschland, kurz: DFD. Grob 200000 der etwa 850000 Familiennamen in Deutschland will die Forschergruppe analysieren und dabei nachvollziehen, wie viele Menschen Huber, Müller oder Heuser heißen. Ein Mammutprojekt mit einer Forschungsdauer von fast 25 Jahren.

Anhand der Telefondaten der Telekom gelingt es den Wissenschaftlern, sich einen Überblick über das Aufkommen der Nachnamen zu verschaffen, geordnet nach Postleitzahl-Bezirken. Genau darin liegt für die Forscher das Problem. Sie können mit ihrer Methode eben nicht sagen, welcher Nachname nun in Bayern oder Hessen am häufigsten vorkommt. „Postleitzahlenbezirke enden nicht mit Ländergrenzen“, sagt die Philologin. Und so ist es nicht verwunderlich, dass sie zwar mutmaßen kann, dass Huber, aber auch Müller und die bayerischen Mayr, Maier oder Mair ganz oben auf der Liste auftauchen werden. „Huber ist mit Sicherheit unter den 100 häufigsten Familiennamen in Bayern“, sagt sie. Aber wissenschaftlich hieb- und stichfest sind jene Behauptungen nicht, die Huber auf Platz 1 setzen. Deshalb hat sich Heuser auch dagegen verwahrt, den einen und einzigen Top-Namen in Bayern zu nennen.

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Was sich wiederum sicher sagen lässt, ist die Verbreitung in bestimmten Landkreisen. Für Neuburg-Schrobenhausen liegen der Forschung mittlerweile relativ genaue Zahlen vor. Zwar tragen die Forscher ihre Ergebnisse aus Telefonverzeichnissen zusammen, die elf Jahre oder älter sind. Doch auch das hat einen Grund: Mit der Expansion des Internets und des Mobiltelefons tauchen immer weniger Menschen in den öffentlichen Telefonbüchern auf. Tendenz sinkend.

Deshalb beruft sich auch Christoph Stöpel auf die Telefondaten aus dem Jahr 2002. Unter christoph.stoepel.net hat er mithilfe eines Computerprogramms für alle Landkreise Deutschlands die Familiennamen gezählt, auch für den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen. Die Wissenschaftlerin Rita Heuser vertraut den Datensätzen ihres Kollegen, in denen er die Top 60 der Nachnamen in den Kreisen listet.

Und siehe da: In unserem Landkreis liegen die Hubers mit 141 Treffern lediglich auf Platz 7 – zwischen Wagner (148) und Fischer (auch 141). Ganz vorne stehen in der Region wie auch bundesweit alle Müller mit 277 Treffern. Auf Rang 2 und 3 folgen Mayr und Schmid. Typisch bayerisch, sagt Rita Heuser. Allein die Namensliste würde der Philologin genügen, um mit Sicherheit sagen zu können: Es handelt sich um einen bayerischen Landkreis. Ausschlaggebend ist der „weiche“ Schmid ohne „t“ am Ende und der um ein hinteres „e“ verkürzte Mayr. Typisch bayerisch eben. Meier mit „ei“ oder Meyer mit „ey“ kommen häufiger im Norden der Bundesrepublik vor. Der Mayer mit hinterem „e“ folgt in Neuburg übrigens direkt hinter den Familien Bauer auf Platz 5.

Doch was hat sich seitdem getan? Hat man erst einmal die Hitliste der Namen im Landkreis beisammen, lässt sich ein aktuelles Abbild für die Stadt Neuburg erstellen. Pressesprecher Bernhard Mahler hat für unsere Zeitung im System des Einwohnermeldeamtes nachgeschaut und herausgefunden, dass sich in der Liste doch der ein oder andere Name nach hinten oder vorne verschiebt. An Müller ist allerdings nicht zu rütteln. Mit 211 Treffern ist der Deutschland-Sieger auch der häufigste Name der Stadt. Allerdings sind in Neuburg die Schmidts mit „t“ in der Überzahl und damit auf Rang zwei. Schmidt (150) vor Schmid (105, Rang 5). Auch der Mayer hat seinen namensverwandten Mayr weit hinter sich gelassen. Mayer kommt an dritter Stelle auf 149 Treffern. Mayr hat es mit einem Suchergebnis von 33 nicht mehr in die Top Ten geschafft, Rang 12. Auffälligkeiten entdeckt auch Wissenschaftlerin Heuser in der Landkreis-Tabelle nicht. Wie in Deutschland stehen vom Müller bis zum Huber – vom Mittelhochdeutschen huober übersetzt: dem Besitzer einer Hufe, eines Bauerngutes – Berufsnamen ganz vorne in der Liste. Bis irgendwann Charakter- und Herkunftsnamen darunter auftauchen, wie Braun oder Tyroller. Zusammengesetzte Namen wie Enghuber oder Habermayr sind übrigens zu einer Zeit entstanden, als so viele Huber und Mayr in einem Ort lebten, dass man sie auseinanderhalten musste, erklärt die Expertin.

Und auf welchem Platz liegt eigentlich Mahler, Herr Mahler? Mit sieben Treffern auf den hinteren Rängen. Aber immerhin noch ein ganzes Stück vor Sünkel: Den Namen gibt es nämlich (noch) nicht in Neuburg.

www.namenforschung.net/dfd

Hier präsentiert Dr. Rita Heuser die Arbeit ihres Teams. Das Lexikon verfügt zur Zeit über 5016 Einträge.

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