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Neuburg-Schrobenhausen

31.05.2016

Neuer Anlauf für eine gute Idee

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Unter dem Logo „Vier Gärten“ mit vier Blumen als Symbol für die drei beteiligten Landkreise Neuburg-Schrobenhausen, Eichstätt, Pfaffenhofen und die Stadt Ingolstadt vermarkten regionale Erzeuger ihre Produkte in Edeka- und Rewe-Verbrauchermärkten in der Region.
Bild: Norbert Eibel

Die Regionalmarke „Vier Gärten“ nimmt einen zweiten Anlauf. Warum die Initiative bisher nicht gegriffen hat und was nun passieren soll.

Die Bundesregierung will Milchbauern, die durch den drastischen Preisverfall in Bedrängnis geraten sind, mit Soforthilfen von 100 Millionen Euro unterstützen. Das haben Vertreter von Landwirten, Molkereien und Handel mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmid (CSU) ausgehandelt. Doch nicht nur die Milchbauern, immer mehr Berufskollegen haben existenzielle Nöte. Doch wie kann die Landwirtschaft ohne staatliche Subventionen überleben?

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Direkt- oder Regionalvermarktung stehen in der Branche hoch im Kurs. Mit großen Hoffnungen ging vor zwei Jahren die Regionalmarke „Vier Gärten“ an der Start, initiiert von der Initiative Regionalmanagement Region Ingolstadt (IRMA). „Alles zu seiner Zeit“ ist das Motto dahinter, denn die qualitativ hochwertigen Artikel werden nach ihrer saisonalen Verfügbarkeit regional vermarket und sie haben keine weiten Transportwege hinter sich und verlieren vom Feld bis zum Teller wenig an Frische, Geschmack und Inhaltsstoffen. Viele Erzeuger bieten ihre Produkte zudem im Direktverkauf an. Die Idee dahinter, mit einer einheitlichen Vermarktung regionaler Waren unter dem Label „Vier Gärten“ die Wertschöpfung vor Ort zu stärken, Arbeitsplätze zu sichern und den Erzeugern neue Absatzmärkte zu erschließen, scheint bestechend. Doch leider geht die Rechnung bislang nicht auf.

Das muss auch Alois Meyer zugeben, 1. Vorsitzender des Vereins „Vier Gärten“ und mit seiner Hofmetzgerei in Adelschlag selbst Mitglied im Verbund der knapp 40 Erzeuger. Man sei zu großspurig eingestiegen, macht er Missmanagement seines Vorgängers dafür verantwortlich, dass die Initiative bisher nicht gezündet hat. In der Zusammenarbeit mit den kooperierenden Verbrauchermärkten Rewe und Edeka seien Zusagen gemacht worden, die nicht eingehalten werden konnten. Und es sei zuviel Geld ausgegeben worden. So sei das erste Zentrallager in Manching viel zu groß dimensioniert gewesen. Mittlerweile werden die Waren von den Erzeugern auf dem Betriebsgelände des 53-Jährigen in Adelschlag angeliefert und von dort weiter an die Supermärkte kommissioniert. „Das funktioniert alles nur, wenn man engagierte Mitglieder hat und die Kosten niedrig hält. Man kann nicht jeden Handgriff bezahlen“, sagt der Fleischwarenhändler. Vieles soll sich ändern. Mit viel Engagement will Alois Meyer die „Vier Gärten“ in die Erfolgsspur bringen. Dazu gehöre, einen guten Konsens mit den Partnern zu finden und Präsenz zu zeigen. Begonnen hat der Verein mit einem Infostand im Mai beim Altmühltaler Lammauftrieb in Mörnsheim. Geplant ist ein Stand bei der Rewe-Messe in Landshut und schon am Wochenende wird man mit Verkauf und Verkostung bei den Donaumoos-Erlebnistagen im Haus im Moos vertreten sein. „Im nächsten dreiviertel bis einem Jahr“ hofft Alois Meyer, könnten so alte Fehler korrigiert werden.

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„Für an sich gut“, hält Andreas Müller, „Boarisch Bauer“ aus Neuburg, die Idee der Regionalvermarktung. Er steht auf der Erzeugerliste der „Vier Gärten“, doch für ihn hat sich die Mitgliedschaft bislang nicht gelohnt. „Ich habe damit noch kein Kilo Kartoffeln verkauft.“ Die Logistik sei nicht ausgereift. Mehrmals im Monat seine Ware im Lager in Adelschlag anzuliefern, sei für ihn nicht rentabel. Zumal es um kleinere Mengen geht. „Wir reden da nicht von Paletten, sondern von vielleicht zehn Zwei-Kilo-Säcken.“ Seit zehn Jahren betreibt der Landwirt „auf dem zweiten Bildungsweg“, wie er sich selbst scherzhaft charakterisiert, einen eigenen Hofladen. Ursprünglich hat er in der Entwicklung bei Audi gearbeitet. Der Hofverkauf laufe sehr gut, mit seinem Standort als Landwirt in der Stadt habe er einen treuen Kundenstamm. „Wer mal da war, weiß wie es läuft. Und die Leute sind ehrlich.“ Der Laden ist immer offen, es herrscht Selbstbedienung und bezahlt wird auf Treu und Glauben in eine Kasse an der Ladentür. „Als Landwirt brauche er mehrere Standbeine und muss verschiedene Wege beschreiten“, ist Andreas Müller überzeugt.

Auch Christa Heckl, Inhaberin der Kelterei Heckl in Ehekirchen, steht eigentlich hinter der Regionalvermarktung. „Ich finde die Idee genial, Produkte aus der Region gemeinsam an den Kunden zu bringen.“ Doch von diesem Vertriebsweg alleine leben könnte sie nicht, gibt sie zu. Ihre selbst gekelterten Direktsäfte vertreibt sie ab Betrieb sowie in privaten Getränke- und Verbrauchermärkten in der Region. Auf unter ein Prozent schätzt sie den Absatz über die Regionalmarke ein, „es plätschert dahin“. Doch das ist kein Grund für Christa Heckl, die „Vier Gärten“ schlecht zu reden. „Es ist eine gute Sache. Ich war begeistert und bin es noch.“ Und eine gute Idee habe eine zweite Chance verdient. „Die Sache steckt noch in den Kinderschuhen. Man sollte ihr noch einen zweiten Sommer gewähren“, findet sie.

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