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Ingolstadt

13.02.2020

Neun Ingolstädter Kandidaten auf einen Streich

Neun Kandidaten auf einen Streich: Hans Stachel (Freie Wähler), Jakob Schäuble (FDP), Christian Scharpf (SPD), Christian Lösel (CSU), Jürgen Köhler (UDI), Christian Pauling (Die Linke), Raimund Köstler (ÖDP), Christian Lange (BGI) und Petra Kleine (Die Grünen) treten zur Wahl des Oberbürgermeisters in Ingolstadt an.
Bild: Manfred Dittenhofer

Plus Die Ingolstädter Kandidaten aus neun Parteien plauderten über Mediennutzung. Über was die Oberbürgermeister-Anwärter sich gestritten haben. 

Der Presseclub Ingolstadt lud ein und alle kamen. Die neun Kandidaten, die in Ingolstadt zur Wahl des Oberbürgermeisters antreten, haben sich zum Thema Mediennutzung unterhalten. Dazu gehört auch der Livestream aus den Stadtratssitzungen, den es seit einiger Zeit nicht mehr gibt. Und das war ein echter Streitpunkt, der auf dem Podium in der Antoniusschwaige am Mittwochabend von den Kontrahenten ausgetragen wurde.

So ganz einig waren sich der amtierende Oberbürgermeister Christian Lösel, Christian Lange, Stadtratsmitglied und Kandidat der BGI und Christian Pauling von der Linkspartei nicht, warum der Livestream wieder eingestellt wurde. Hielten die beiden Kandidaten dem Stadtrat fehlende Transparenz vor, argumentierte Christian Lösel mit den verlängerten Sitzungen und der weitergeführten Diskussion in den sozialen Medien. Vor allem auf Facebook sei gegen Stadtratsmitglieder geschossen worden. Die wollten sich den Angriffen nicht weiter aussetzen, sagte Lösel. Christian Scharpf (SPD) hatte eine pragmatische Lösung parat: Wer nicht gehört werden wolle, könne ausgeblendet werden. Auf die Frage von Christian Lange, wer genau gegen den Livestream gewesen sei, wurden allerdings keine Namen genannt. Oberbürgermeister Lösel sprach von 15 Stadträten, die dagegen gewesen seien. Eine Blitzumfrage unter den neun OB-Kandidaten ergab, dass alle außer Hans Stachel (FW) für die Liveübertragung sind. Der begründete sein „Nein“ mit den längeren Redezeiten, weil jeder etwas sagen wolle, und mit dem Umstand, dass dann so mancher Journalist nicht mehr vor Ort sei. Recherchierende Journalisten aber gehörten zu einer Stadtratssitzung, denn sie stellten die Öffentlichkeit dar, betonte Stachel.

Die Ingolstädter Kandidaten waren sich auch in einen Dingen einig

Einig waren sich alle Kandidaten, dass mit manchen derben Kommentaren in den sozialen Medien nur schwer umzugehen sei. Alle aber nutzten Facebook und Co, als Kommunikationskanäle, zur Dialogaufnahme und um Stimmungen in der Bevölkerung zu erfahren. Christian Lange und die ÖDP haben ein extra Budget für diese Auftritte. „Du musst bei Facebook sein“, meinte Jürgen Köhler von den Unabhängigen Demokraten Ingolstadt (UDI). Allerdings, so Hans Stachel, brauche man eine Menge Zeit, wolle man all den Fragen und Kommentaren gerecht werden.

Wie man die sozialen Netzwerke nutzen könnte, um Bürger zu beteiligen, darüber herrschte weit weniger Einigkeit unter den Kandidaten. Petra Kleine von den Grünen möchte vor allem den Aspekt der Bürgermotivation via Internet vorantreiben. Dafür müsse es, warf Christian Lange ein, direktes Feedback von der Stadt geben. Christian Pauling möchte das Potenzial der Bürger regelrecht herauskitzeln und dafür Bedürfnisse wie Anerkennung bedienen. Die Menschen müssten merken, dass ihre Ideen auch wahrgenommen werden. Hans Stachel allerdings bevorzugt den direkten Kontakt zu den Menschen. Zuhören und Ideen weitergeben könne jeder Stadtrat, das sei auch aktive Bürgerbeteiligung.

Was die Ingolstädter Kandidaten bemängelten

Christian Scharpf wünscht sich mehr Dialog mit den Bürgern statt ellenlange Vorträge. Beteiligung gebe es in Ingolstadt auch durch die Veranstaltung „OB vor Ort“, die er 24 Mal durchgeführt habe, so der amtierende Oberbürgermeister Christian Lösel. Allerdings bemängelte Christian Pauling, dass sich auch bei dieser Veranstaltungsreihe der OB für Antworten einfach zu viel Redezeit nehme. „Man möchte doch auch mal nachhaken können“, warf er ein. Häufig entstehe so kein Dialog, sondern eher ein Monolog. Auf die Frage von Petra Kleine, wieso sich die Stadt gegen einen Bürgerbeteiligungsrat sträube, gab es an diesem Abend keine Antwort.

Der Abend des Presseclubs Ingolstadt zeigte neun Kandidaten, die Medien ganz ähnlich nutzen und zugleich den sozialen Medien sehr kritisch gegenüberstehen. Für die Berichterstattung aus dem Stadtrat sind sie auch – eigentlich. Allerdings in unterschiedlicher Weise. Und jeder hat so sein Rezept, wie er näher an die Bürger herankommt und ihre Ideen nutzen will.

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