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Niederarnbach/Brunnen
18.11.2020

„Nicht dümmer als Menschen“: So entwischte der Ochse dem Schlachter

Vom Ochsen, der kürzlich aus Niederarnbach geflohen ist, fehlt nach wie vor jede Spur.
Foto: Dieter Kraft, dpa (Symbol)

Nach wie vor fehlt vom verschwundenen Ochsen aus Brunnen jede Spur. Doch wie konnte er überhaupt vor dem Schlachter fliehen? Das sagen Polizei und eine Tierschützerin.

Es war Rettung in letzter Minute. Der Ochse war auf dem Hof eines Viehhändlers in Niederarnbach bei Brunnen (Kreis Neuburg-Schrobenhausen). Unmittelbar, bevor er für seine Schlachtung betäubt werden sollte, ergriff das Tier die Flucht. Doch wie konnte es dazu kommen? Für die Polizei und eine beteiligte Tierschützerin ist der Fall klar.

Niederarnbach: Wie konnte der Ochse vor dem Schlachter fliehen?

Laut Philipp Kirmse, Leiter der Polizeiinspektion Schrobenhausen, übersprang der Ochse im Angesicht seines Todes ein etwa ein Meter hohes Gatter und lief davon. „Er hat wohl mitbekommen, dass er geschlachtet werden sollte“, mutmaßt Kirmse. Das dadurch ausgestoßene Adrenalin habe das Tier wohl zu seiner Flucht befähigt. Es lief zunächst auf die Straße Richtung Brunnen – der Eigentümer hinterher. Doch es gelang ihm nicht, den Ochsen einzuholen, der über die Felder verschwand. „So ein Tier kann kurzzeitig richtig Gas geben“, sagt Kirmse.

Die Flucht vor dem Schlachter am späten Freitagnachmittag löste einigen Wirbel aus (lesen Sie hier Hintergründe zu dem Fall). Wie berichtet, gab es noch am Freitag eine große Suchaktion. Beteiligt waren laut Polizei neben mehreren Streifen und einem Hundeführer auch Jäger. Die Freiwillige Feuerwehr Schrobenhausen setzte außerdem eine Drohne mit Wärmebildkamera ein, um das Gebiet zwischen Niederarnbach, Brunnen und Karlshuld abzufliegen. Vom Ochsen fehlte jede Spur – auch am nächsten Tag, als sogar ein Hubschrauber zum Einsatz kam. Doch die Aktion blieb erfolglos. Die Beteiligten brachen die Suche ab. „Das Suchgebiet ist zu groß geworden“, sagt Kirmse. Denn wie und wohin das Tier letztendlich gelaufen ist, weiß keiner.

Nach wie vor keine Sichtungen und Hinweise

Zuletzt telefonierte die Polizei Landwirte in der Region ab, ob sich der Ochse zu ihren Tieren hinzugesellt hat. Auch Jägern habe man Bescheid gegeben. Bis heute gibt es jedoch keine Hinweise und keine Sichtungen, sagt Kirmse. Möglicherweise hat sich das Tier im Wald versteckt. Für Autofahrer könnte es gefährlich werden, wenn es plötzlich eine Straße quert. Deswegen hofft die Polizei, den Ochsen möglichst schnell zu finden.

Sollte er eingefangen werden, hat er seinen Tod nicht mehr zu befürchten. Der Tierschutzverein „Rüsselheim“ aus Allmannshofen (Kreis Augsburg) hat den Ochsen von seinem Bauern abgekauft. Für die Vorsitzende Doris Rauh war die Flucht vor dem Schlachter eine ganz natürliche Reaktion. „Meiner Meinung nach wissen die Tiere sehr wohl, was mit ihnen passiert“, sagt sie. Immer wieder würden ihr Landwirte erzählen, dass Tiere im Vorfeld ihrer Schlachtung entweder besonders ruhig oder besonders unruhig werden. „Rinder sind nicht dümmer als wir Menschen“, ist sich Rauh sicher. Lediglich die Art der Intelligenz sei anders, nämlich instinktiv – im Gegensatz zum Menschen, der emotional und wissentlich handele. Dass im vorliegenden Fall der geschätzt 500 Kilogramm schwere Ochse ein etwa ein Meter hohes Gatter übersprang, überrascht Rauh nicht: „In der Not entwickeln die Tiere ganz außergewöhnliche Kräfte.“ Sie berichtet von Fällen, in denen sogar eine zwei Meter hohe Absperrung überwunden wurde, um dem eigenen Tod zu entkommen.

Der Ochse würde nach Hessen kommen

Rauh warnt davor, dem Ochsen als Laie nahe zu kommen, falls man ihn in der freien Natur sieht. Fühle das Tier sich in die Enge getrieben, könne es für einen Menschen durchaus gefährlich werden. Stattdessen hoffe man auf Sichtungen, um den Ochsen von Niederarnbach anzufüttern, sagt Rauh. Man werde dann immer zur gleichen Zeit am gleichen Ort Futter auslegen, in der Hoffnung, das Tier damit anzulocken. Ein Narkotiseur wird dann versuchen, es zu betäuben. Dann würde der Ochse verladen werden und nach Hessen kommen, genauer nach Fulda. Dort hat der Verein „Rüsselheim“ sechs kooperierende Höfe, auf denen bereits andere Tiere wohnen, die erfolgreich vor ihrem Tod geflüchtet sind.

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