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Neuburg

07.04.2019

Nightgroove macht Neuburg zur längsten Theke der Welt

The Mannish Boys im Fly feierten eine große Party, Band und Publikum hatten sichtlich Spaß. Das Fly am Elisenplatz war eines von zwölf Lokalen, das am Samstag beim Nightgroove teilnahm.
Bild: Xaver Habermeier

Das Kneipenfestival Nightgroove machte Neuburg zur Feiermeile. Warum der Organisator für eine Neuauflage im nächsten Jahr noch viel Arbeit vor sich hat.

Das grelle Neonlicht schafft es gerade noch in die hinterste Ecke der Tanzfläche im Tanzcafé Hertlein am Donauufer. Nebel und die dunklen, rustikalen Wände mit ihren schweren Holzbalken schlucken den Schein der Strahler. Durch den Raum dröhnt die Band RockCover, sie spielt „Smells like Teen Spirit“ von Nirvana. „Ich will alle springen sehen!“, ruft der Sänger in sein Mikrofon. Mit sechs harten Schlägen gibt der Schlagzeuger das Startsignal zum Ausrasten, auf der Tanzfläche hüpfen die Menschen, Frauen und Mädchen werfen ihre langen Haare durch die Luft.

Laut und hart – andere Musik hätte hier auch nicht gepasst im Hertlein, wo drei Kratzer mehr in den Wänden und Tischen gar nicht mehr auffallen. Manche lieben es genau so. Andere bevorzugen es ruhiger und rhythmischer. Welche Musik man lieber hört – am Samstag in Neuburg war es ganz gleich. Zum Nightgroove spielten 13 Bands in zwölf Neuburger Lokalen ihre Musik, mit nur einem Mal Eintritt zahlen konnten die Besucher von einer Band zur nächsten ziehen.

Auch der Tresen der Sonderbar ist Teil der längsten Theke der Welt

Schon um 21 Uhr war am Tresen der Sonderbar, einen Steinwurf entfernt vom Elisenplatz, kein Platz mehr frei. Perfekt wie von der CD klangen die gecoverten Klassiker aus den 1970er-Jahren des Duos Dentler & Dziallas. Eine Bühne brauchten die beiden Musiker nicht. Ihr Publikum war wortwörtlich zum Greifen nah. Darunter: Michael Fetsch. Der 59-Jährige kommt aus Neuburg, geht mit einigen Freunden seit Jahren zum Nightgroove. In einer Kneipe bleiben sie nie viel länger als ein Bier, sagt er. Früh am Abend fügen sie sich ins Publikum hervorragend ein. Jugendliche scheinen kaum unterwegs zu sein.

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Ob zu Irish Folk in der Rennbahn oder Rock’n’Roll im Fly: Besucher wie Bands feierten ausgelassen beim Nightgroove. Von einer Live-Band zur nächsten war es oft bloß ein Katzensprung. Die Musik: meist tanzbar, fast immer zum Mitsingen.
Bild: Xaver Habermeier

„Was mir gefällt, ist, dass viele ältere Herrschaften sich dazu wieder aus dem Haus trauen, die man lange nicht mehr gesehen hat“, sagt Gerlinde Göbel. Sie ist 48 Jahre alt, kommt aus Nassenfels. Es ist kurz vor zehn, als sie in der Rennbahn zur Funkmusik der Groovin Oaks feiert. Die liegt eigentlich nur 150 Meter von der Sonderbar entfernt. Beim Nightgroove kann dieser Weg gerne auch zwei Stunden dauern – Gelegenheiten für Zwischenstopps gibt es reichlich. Der Saal im ersten Stock der Rennbahn ist riesig und gut besucht – aber lange nicht voll.

Nightgroove in Neuburg 2019: Nicht ganz 2500 Besucher kommen an die längste Theke der Welt

„Da könnten gerne noch 200 Leute mehr hinein“, sagt Andreas Müller, der Organisator des Festivals. Nicht ganz die erhofften 2500 Besucher seien gekommen, sagt er. Ein Blick ins prall gefüllte Bootshaus oder ins Café Zeitlos verrät aber: Viel mehr hätten es oft gar nicht sein dürfen. Für die Gäste sei es auch deswegen ein toller Abend gewesen, sagt Müller. Seine Bilanz ist jedoch gemischt. Zwei Sponsoren waren in diesem Jahr abgesprungen, ohne die das Festival nicht zu finanzieren sei. In diesem Jahr habe man noch überbrückt – für nächstes Jahr sucht Müller jetzt nach Geldgebern.

Die Band Folk Abroad bei ihrem Auftritt in der Rennbahn beim Nightgroove in Neuburg.
Video: Christof Paulus

Die Nacht geht inzwischen auf Mitternacht zu. Das Publikum mischt sich, auch Jugendliche sind häufiger zu entdecken. Im Café Mary’s spielt die Band Karibik Tropical, ihre Musik klingt so wie ihr Name. Unter den Besuchern ist Sophie Bausch, 18, aus Neuburg, mit ihren Freundinnen. Sie gehört damit zu den jüngsten Besuchern. „Natürlich sind wir in der Unterzahl, aber das macht nichts“, sagt sie. Schade sei es bloß, dass man wenige Bekannte treffe, sind sie und ihre Freundinnen sich einig. „Wir haben ein tolles, gemischtes Publikum“, sagt Müller. Beschwerden habe es keine gegeben, für die Ordner ist der Abend unkompliziert.

Schwerstarbeit verrichten hingegen die Bands. „Die spielen ein Monsterset“, sagt Müller – teils fünf Stunden, manchen sieht man das auch an. So wie ReCovered, die im Gasthaus Pfafflinger auftreten. Hier ist es eng, nach Tanzfläche sieht es nicht aus. Also schafft die Band sich ihre eigene: Irgendwann steigt Sängerin Petra auf den Tisch. So wie das Publikum gibt auch die Band alles. Zum Entspannen ist das Nightgroove nicht. Bis zum Morgen geben die Beine keine Ruhe.

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