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Neuburg

15.05.2015

Noch kein Ende im Häftlingsprozess

Symbolbild
Bild: Alexander Kaya

Vermeintliches Opfer schildert bei Kripo sein Martyrium. Der Verteidigung kritisiert Ermittlungspannen und Zweifel an der Geschichte machen sich breit.

Noch kein Ende fand der Prozess um die angebliche Misshandlung und Vergewaltigung eines Häftlings durch seine beiden Zellengenossen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Herrenwörth.

Am bereits siebten Verhandlungstag im Amtsgericht Neuburg wurde ein Kripobeamter zu seiner Vernehmung mit dem 22-jährigen Opfer sowie eines Wachmannes befragt. Wieder übte die Verteidigung harsche Kritik an den Ermittlungsbehörden. Der Kriminalbeamte aus Ingolstadt musste über drei Stunden vor allem der Verteidigung Rede und Antwort stehen. Er wiederholte, was der Wachmann bereits als Zeuge vor Gericht ausgesagt hatte. Schreie und Gelächter habe der Mann aus der Zelle der drei Männer gehört. Als von dort ein Alarm ausgelöst worden sei, habe er zwei Personen „sehr gut drauf“ und einen „weniger gut drauf“ vorgefunden. Einen Grund für den ausgelösten Alarm habe der Wachmann dem Ermittler nicht nennen können.

Ausführlicher hatte sich dagegen die Vernehmung des vermeintlichen Opfers gestaltet. Von der angeblichen Vergewaltigung mit dem Finger und der Misshandlung an den Genitalien durch seine beiden Mitinsassen zu erzählen, sei dem 22-Jährigen sehr schwer gefallen, gab der Kripobeamte an. Immer wieder habe er das Gesicht in den Händen vergraben und tief Luft geholt. Dagegen habe er die weiteren Vorfälle strukturiert und chronologisch geschildert. Von Beleidigungen und Gewaltandrohungen gegen ihn und sogar gegen sein ungeborenes Kind war die Rede, wenn er die ihm befohlenen Arbeiten nicht erledigen würde. Bei einem Würfelspiel habe der junge Mann Blumenerde essen und einen „Gewürzcocktail“ aus Sanitärreiniger und Salz trinken müssen, bis er sich übergeben habe. Die 19 und 22 Jahre alten Angeklagten haben dann dem Mann mit einer Rasierklinge in den Arm geschnitten und die Wunde mit Salz bestreut. Das mutmaßliche Opfer sei auch mit einem Gürtel geschlagen und mit Schuhen beworfen worden. Außerdem hätten ihm die beiden Männer drei bis fünf Mal den Kopf in die Toilette gesteckt und abgespült. Beim Spiel „Toilettenbunker“ sei der asthmakranke Mann vier bis sechs Mal in die Toilette gesperrt und eine brennende Zeitung unter dem Türspalt hindurch geschoben worden. Einmal, so hatte der 22-Jährige dem Kripobeamten geschildert, sei er in einen Bettbezug gesteckt und durch die Zelle geschleift worden. Dabei habe man ihm noch eine Zigarettenkippe in den Bezug geworfen sowie kochendes Wasser über den Nacken gegossen.

Verteidiger Hanspeter Ross bestritt in der Verhandlung, dass der Vorfall so stattgefunden haben könne. Anschaulich stellte er die Szene mit seinem Mandanten in einem originalen Bettbezug der JVA nach und kam zu dem Schluss: „Das ist ganz klar gelogen.“ Auch montierte Ross wieder einmal die Beweissicherung der Ermittlungsbehörden. Die Strafanzeige sei erst zwei Wochen nach Bekanntwerden der Vorfälle bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Beweise wie der Bettbezug und der Gummihandschuh, mit dem der 22-Jährige vergewaltigt worden sein soll, seien entsorgt worden. Auch habe der Ermittler weder zeitliche Abläufe noch Diskrepanzen in den verschiedenen Aussagen des Opfers überprüft. Weitere Zeugen sowie ein Gutachter werden in den Verhandlungen ab 22. Mai gehört.

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