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Justiz

14.02.2015

Noch kein Urteil

Im Verfahren gegen den Ingolstädter, der Chrystal nahm und seiner Lebensgefährtin im Wahn die Kehle durchschnitt, soll der forensische Psychiater nochmals gehört werden

Er schnitt ihr im Drogenwahn die Kehle durch. Aber was das Landgericht mit ihm machen wird, steht längst nicht fest: Denn das Unterbringungsverfahren wegen versuchten Totschlags gegen einen 28-Jährigen kam gestern – wider Erwarten – noch nicht zu einem Ende.

Wie mehrfach berichtet, geht es um einen Vorfall vom Frühjahr vergangenen Jahres. Es war am 10. Mai kurz nach 22 Uhr. Die 37 Jahre alte Lebensgefährtin des betroffenen Ingolstädters wollte gerade einen Kuchen backen, als sie ihr Freund plötzlich ohne Vorwarnung von hinten im Würgegriff packte und ihr mit einem Küchenmesser die Kehle durchschnitt. Die Klinge verfehlte nur ganz knapp die Halsschlagader, sonst wäre die Frau binnen Minutenfrist verblutet. Sie erlitt eine drei Zentimeter tiefe und neun Zentimeter lange Schnittverletzung am Hals, zudem weitere Stich- und Schnittverletzungen an Auge, Schulter und Hand.

Ihr Lebensgefährte hatte zum Prozessauftakt gestanden. Er sagte, er habe seit Jahren immer wieder heftige Wahnvorstellungen gehabt. Insbesondere, wenn er Crystal und Cannabis in Kombination eingenommen habe. So auch damals, in den Stunden bevor er zum Messer griff. Als seine Freundin am Abend vor dem 10. Mai mit einem Bekannten ausgegangen war, habe er sich in den Gedanken verrannt, dass die beiden seine Mutter und seinen Bruder umgebracht hätten und nun auch ihm ans Leben wollten.

Staatsanwalt Jürgen Staudt hat die dauerhafte Unterbringung des Ingolstädters in der Psychiatrie gefordert. Ein Gutachter hatte bestätigt, dass seine massive „psychotische Episode“ vom hohen Drogenkonsum komme. Seit 2010 habe der Betroffene mindestens vier solcher Anfälle gehabt, wie er dem Gutachter gegenüber eingeräumt hatte. Jeder dieser „Aussetzer“ führte zu Wahnvorstellungen und Verfolgungsängsten. Während der Tat, so die Schlussfolgerung des forensischen Psychiaters Christian Graz, sei die Einsicht- und Steuerungsfähigkeit aufgehoben gewesen. Aufgrund einer akuten psychotischen Störung. Therapie also oder dauerhafte Unterbringung? Verteidiger Adam Ahmed möchte die Einweisung seines Mandanten in eine Therapie erreichen. Er ist aus verschiedenen Gründen nicht mit dem Gutachten von Graz einverstanden und hat einen entsprechenden Antrag gestellt. Den ließ die Kammer unter Vorsitz von Landgerichtsvizepräsident Jochen Bösl gestern zu. Die Materie ist nicht unkompliziert. Ahmed hinterfragt – sehr vereinfacht gesagt – welche der für dieses Verfahren relevanten Paragrafen (63, 64) im Strafgesetzbuch in welcher Kombination angewendet werden dürfen und verweist dabei auf neueste Rechtssprechung.

Der Prozess wird am 24. Februar fortgesetzt.

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