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Historisches

31.03.2015

„O schaurig ist’s übers Moor zu gehn“

Die Ausstellung „Mensch und Moor“ im Haus im Moos erzählt die Geschichte einer mühsamen Urbarmachung

Im Haus im Moos wurde am Sonntag die Ausstellung „Mensch und Moor“ eröffnet. Die Bilder, die zeigen, wie die Menschen seit jeher das Moor für sich genutzt haben, wurden vom schwäbischen Bauernhofmuseum Illerbeuren zusammengetragen und durch Fotos des Kulturhistorischen Vereins Donaumoos ergänzt. Wie Vize-Landrat Alois Rauscher bei der Eröffnung sagte, sollten die Bilder „mit Muße betrachtet werden“, denn sie erzählen eine Geschichte, die mit viel Mühsal und Arbeit verbunden war.

Am Anfang war das Moor, das von allen als Weide- oder Jagdland genutzt wurde, weil es niemanden gehörte. Das änderte sich, als Kurfürst Maximilian III. Joseph am 24. März 1762 das Kulturmandat erließ: „Sollen alle oed- und unfruchtbare Gründ im ganzen Land (sie mögen gleich zugehören, wem sie wollen) auf thunliche Art bestmöglichst cuktivirt, und den Innhabern theils Pflug- und Acker-mäßig, theils Wiesen und Waldungen gemacht werden.“ Mit der Kultivierung der „Moose und öden Flächen“ sollte neben der Steigerung der landwirtschaftliche Produkte auch mehr Steuereinnahmen fließen, um die Koalitionskriege zu finanzieren.

Für das Donaumoos begann die Trockenlegung ab 1790 mit der Anlage von Gräben und Wegen, wie Auguste Schmid, Vorsitzende des Kulturhistorischen Vereins Donaumoos in ihrem geschichtlichen Rückblick über die Besiedelung des Donaumooses sagte. Diese begann ab 1792 von Karlskron und führte über Karlshuld (1795) bis zur zweiten Siedlungsepoche (1802) im „oberen Moos“, dem heutigen Königsmoos. Den „Kolonisten“ wurde Steuerfreiheit und Befreiung vom Militärdienst versprochen, lediglich den „Kanalbatzen“ mussten sie zahlen.

Das lockte viele Menschen aus den umliegenden Orten, aus der Oberpfalz, Franken und später aus der Kurpfalz ins Donaumoos. Der erste Eindruck der Kolonisten vom Donaumoos war ein schwarzer Boden, der guten Ertrag versprach. Ein Trugschluss, denn der Boden war schwer zu bearbeiten und gab bei Weitem nicht das her, was man sich von ihm versprochen hatte. Kolonisten mit viel Land konnten einigermaßen überleben, wenn sie sich mit Torfstechen und dem Verkauf als Heizmaterial ein Zusatzbrot verdienten. „Möslerbuam müssen früh aufsteh’n“ hieß es damals, wie im Lied des Weicheringer Werkstattgsangs, der die Eröffnung musikalisch begleitete, zu hören war.

Unternehmer vom Land nutzten das und ließen großflächig Torf stechen, um ihre Fabriken oder Brauereien zu befeuern. Die Folgen sind heute auf den überschwemmten Feldern zu sehen. Menschen, die keinen Grund hatten, mussten sich als Magd und Knecht verdingen oder in den schnell gegründeten Unternehmen, die aber ebenso schnell wieder verschwanden, um Arbeit nachsuchen.

Länger hielt sich die 1894 gegründete Korbindustriegenossenschaft Karlshuld, die nach dem 1. Weltkrieg mangels Aufträge ihre Arbeit einstellen musste. Auch die 1924 in Karlshuld gegründete Spinnanstalt musste aufgrund des Absatzrückgangs in den 1930er Jahren schließen. Einen großen Fortschritt für die Landwirtschaft brachte die 1898 gegründete Moorkulturstation Karlshuld, die den Landwirten produktionstechnische Hilfestellungen für den Getreide- und Kartoffelanbau gab, die zu besseren Ernten führten. Erst durch die Industrialisierung fanden viele Menschen außerhalb des Donaumooses Arbeit, sodass aus den ehemals armen Dörfern mittlerweile blühende Gemeinden wurden.

Das Donaumoosentwicklungskonzept hat Wege in die Zukunft aufgezeigt, die in Sachen Hochwasserrückhalt, Landwirtschaft, Moor- und Naturschutz ständig angepasst werden müssen. Die von Landratstellvertreter Alois Rauscher in seinem Grußwort zitierte Gedichtszeile von Annette von Droste-Hülshoff „O schaurig ist’s übers Moor zu gehn“ hat sich gewandelt in „O schön ist’s, durchs Donaumoos zu gehen“, denn durch die harte Arbeit des Trockenlegens sind blühende Gemeinden entstanden.

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