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Neuburg

23.09.2020

Obdachlose in Neuburg: Hier soll die neue Unterkunft entstehen

Auf diesem Grundstück könnte sie entstehen, die Unterkunft für wohnungslose Neuburger.
Bild: Claudia Voth

Plus Der Stadtrat Neuburg sprach sich für die Konkretisierung der Pläne an der Nördlichen Grünauer Straße aus. Nur die Linke votierte dagegen. Wie begründet Michael Wittmair seine Entscheidung?

Lange wurde debattiert, gesucht, erkundet – nun scheint der neue Standort für die Obdachlosenunterkunft in Neuburg gefunden: In der Nördlichen Grünauer Straße könnte die Herberge entstehen, diesbezüglich war sich der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich einig.

Obdachlose müssen Kaserne in Neuburg zum Ende 2021 verlassen

Bisher sind wohnungslose Bürgerinnen und Bürger im Backsteingebäude der ehemaligen Lassigny-Kaserne in Neuburg untergebracht. Weil dort das Campusgelände der Technischen Hochschule Ingolstadt entstehen soll, müssen die Bewohner die Räumlichkeiten in der Donauwörther Straße bis Ende Dezember 2021 verlassen.

Ausweichen könnten sie aktuellen Planungen zufolge auf einen alternativen Gebäudekomplex, der auf dem Areal hinter dem Reifenhandel Hooge im Osten der Stadt wachsen soll. Das betreffende Grundstück umfasst nach Ausführung des Stadtbaumeisters Dieter Reichstein etwa 3100 Quadratmeter, wobei sich ein unterkellertes Wohnhaus mit Garage und ein Nebengebäude bereits auf dem Grundstück befinden. Das Gebäude, das aus den Anfangsjahren der 90er stammt, soll erhalten und in den Neubau eingebunden werden. Wie Dieter Reichstein erklärte, könnte es etwa als Verwaltungsbereich umgestaltet werden und Wohnungen für Familien oder einen Hausmeister beherbergen.

Der konzeptionelle Vorentwurf umfasst außerdem zwei Neubauten, die Platz für Einzel- und Doppelzimmer mit Sanitärbereichen und Kochmöglichkeiten schaffen sollen. Nach Expertise des Stadtbauamts sollen die beiden Wohnriegel als Massivbauweise realisiert werden, zumal doch „eine schwierige Klientel“ untergebracht würde. Dieter Reichstein betonte aber auch, dass es sich bei diesen konzeptionellen Entwürfen um „grobe Vorstellungen“ handle, „die wir versucht haben, planerisch auf Papier zu bringen“.

Im Kolpingsaal fand dieses Konzept breite Zustimmung – wenn auch mit Anmerkungen einzelner Gremiumsmitglieder verbunden. Bernhard Pfahler von den Freien Wählern zum Beispiel empfand das Projekt an dieser Stelle als gut geeignet. Ringsum böten Discounter Einkaufsmöglichkeiten. Die Verbindung zur Innenstadt sei zudem durch eine Bushaltestelle sichergestellt. Skeptisch äußerte sich der Politiker über die Erhaltung des Gebäudes in der Mitte. Seiner Ansicht nach sollte das Wohnhaus eher abgerissen werden, um in einem Neubau vielleicht mehr Platz für Obdachlose zu schaffen. Schließlich wisse man nicht, sagte er, wie sich die Situation künftig entwickeln werde. Alfred Hornung von der CSU sprach sich für das Gegenteil aus, er will das Bestandsgebäude erst einmal erhalten. Er gab außerdem zu bedenken, den künftigen Träger mit in die Planungen einzubeziehen.

Obdachlosenunterkunft im Neuburger Gewerbegebiet: Stadtrat votiert dafür

Ralph Bartoschek von der SPD war „hin- und hergerissen“: Ihm sei es wichtiger, betonte er, dass die Planung konzeptionell sauber ausgearbeitet wird. Ob das Gebäude dabei stehen bleibe oder nicht – „machen Sie es, wie Sie es möchten“. Die Sache weniger emotional zu betrachten – das mahnte Florian Herold. Der Freie Wähler hält es für sinnvoll, die Kosten eines Neubaus den Sanierungskosten gegenüberzustellen. Ein Hinweis, der nun auch umgesetzt wird. Dieter Reichstein: „Wir werden das ganz nüchtern beziffern“, erklärte er, um die Aufstellung „Punkt für Punkt“ mit dem Gremium durchzugehen.

Auf dem Gelände der ehemaligen Lassigny-Kaserne sind momentan noch Obdachlose untergebracht.
Bild: Stadt Neuburg

Konfliktpotenzial sieht indes Gerhard Schoder von den Grünen in der räumlichen Nähe von Familien mit Schutzbedürftigen zu alleinstehenden Obdachlosen. Als Vater von vier Kindern bereite ihm dies „erhebliche Kopfschmerzen“. Trotzdem stimmte er wie die Mehrheit des Rats dafür, die Pläne zu konkretisieren und weiter auszuarbeiten.

Die einzige Gegenstimme kam von Michael Wittmair. Der Linken-Politiker wehrte sich dezidiert dagegen, Leute, die sich keinen Anzug leisten könnten, an den Stadtrand zu setzen. Gegen das Konzept als solches spreche nichts, sagte er. Aber: „Sozial Benachteiligte gehören in die Mitte genommen.“

Lesen Sie auch den dazugehörenden Kommentar Obdachlosenunterkunft: Es ist die einfachste Lösung.

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