Newsticker

Spanien verhängt erneut Notstand und Ausgangssperre
  1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Ohne Eigeninitiative geht es nicht

Rohrenfels

30.04.2015

Ohne Eigeninitiative geht es nicht

Das ist das Objekt, um das es geht: Die Jann-Filiale hat Ende vergangenen Jahres zugemacht.
3 Bilder
Das ist das Objekt, um das es geht: Die Jann-Filiale hat Ende vergangenen Jahres zugemacht.
Bild: Stegmann

In Rohrenfels soll der Dorfladen wiederbelebt werden. Bei einer Infoveranstaltung hat ein Fachmann erklärt, wie das funktionieren kann. Das A und O dabei: Die Bürger müssen den Laden nicht nur wollen, sondern dort auch einkaufen.

17 Euro. Das ist die Summe, die die Rohrenfelser jede Woche im Dorfladen ausgeben müssen, damit der auch überleben kann. Und zwar nicht nur in der ersten Woche nach der Eröffnung oder im ersten halben Jahr, sondern beständig das ganze Jahr über. 17 Euro – das erschien den Besuchern, die am Dienstagabend zur Infoveranstaltung über die Zukunft ihres Dorfladens ins Sportheim gekommen waren, durchaus machbar. Und noch mehr: Beinahe alle der 60 Gäste wären auch bereit, sich finanziell an dem Projekt „Dorfladen“ zu beteiligen.

Offenbar konnte Referent Volker Hahn sein Publikum überzeugen. Der Diplombetriebswirt war 2007 in einer ähnlichen Situation, wie es die Rohrenfelser seit Anfang dieses Jahres sind. Als der letzte Einzelhändler in seinem Wohnort, ein 400-Seelen-Dorf namens Heilgersdorf bei Coburg, schloss, hatten die Menschen in unmittelbarer Nähe keine Einkaufsmöglichkeiten mehr. Der Bürgermeister des Ortes hatte deshalb die Idee, einen Laden mithilfe der Bürger aufzubauen. Also packten die Heilgersdorfer an – sowohl mit ihren Händen als ich mit ihrem Geld – und bauten eine ehemalige Raiffeisenbank zu einem Dorfladen um. Das Projekt wurde zu einem Musterbeispiel bürgerschaftlichen Engagements, nach dessen Prinzip Hahn in den Folgejahren viele weitere Läden aufgebaut hat. Er ist nicht nur Geschäftsführer des Dorfladens in Heilgersdorf, sondern auch Gesellschafter eines Instituts, das nichts anderes tut, als bei der Erstellung von Konzepten und Betreibermodellen von Nahversorgungslösungen zu helfen.

Den Rohrenfelsern erklärte er am Dienstag, welche Schritte und Überlegungen notwendig sind, um einen Dorfladen auf bürgerschaftlicher Basis zu errichten. Denn, so machte Hahn klar, nur auf dieser Grundlage sei in Rohrenfels Nahversorgung möglich, weil das Umfeld für ein privatwirtschaftliches Unternehmen schlichtweg zu unrentabel sei.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Schritt 1 sei, eine Projektgruppe zu bilden. Ihre Aufgabe sei es, herauszufinden, was die Rohrenfelser überhaupt wollen: Wie viele Bürger sind bereit, regelmäßig in einem Dorfladen einzukaufen – und zwar richtig und nicht nur, wenn unerwartet etwas ausgegangen ist? Welche Produkte wollen die Rohrenfelser im Laden haben? Welche Zusatzleistungen wie etwa Lotto, Blumen oder Post sind gewünscht? „Sie dürfen nicht über die Leute reden, sondern müssen mit ihnen reden, damit Sie das herausfinden“, betonte Hahn. Eine Umfrage unter allen Bürgern soll zusätzliche Erkenntnisse bringen. Erst wenn sich die Gemeinde sicher sein kann, dass eine Mehrheit der Bürger hinter dem Projekt steht, könne man in die Detailplanung einsteigen.

Die beinhaltet vor allem die Rechtsform. An diesem Punkt geht es für die Bürger ans Eingemachte, denn damit entscheidet sich auch, wie die finanzielle Beteiligung der Bürger aussieht. In Heilgersdorf beispielsweise entschied man sich für eine GmbH & Co KG mit einem Stammkapital von 25000 Euro. Dieses Geld sind Einlagen der Bürger, die sich mit Beträgen ab 200 Euro in die Gesellschaft eingekauft haben.

Hahn gab Beispiele, wie viel Geld Bürgern andernorts „ihr“ Dorfladen wert war: In Heilgersdorf wurden nach der Umfrage spontan 26000 Euro zusagt. Am Ende kamen sogar 70000 Euro zusammen. Im oberfränkischen Obersfeld (gut 400 Einwohner), wo aktuell ein Dorfladen entsteht, investierten die Bürger insgesamt 45000 Euro, in Wiesenfeld bei Karlstadt (rund 1200 Einwohner) waren es 80000 Euro. Auch in Rohrenfels zeigten sich die Zuhörer durchaus bereit, Geld für die Wiederbelebung des Dorfladens in die Hand zu nehmen.

Das Thema wandert nun erstmal in den Gemeinderat. Dort will sich Bürgermeister Wigbert Kramer das OK seiner Gemeinderäte holen, Volker Hahn als Projektleiter zu engagieren. Möglicherweise könnte das Honorar aber auch über einen Dorferneuerungs-Topf finanziert werden, wie Walter Herb andeutete. Der Landschaftsplaner betreut die Dorferneuerung in Rohrenfels und war zu der Versammlung ebenfalls gekommen. Nach den Worten von Kramer soll das Projekt aber nicht schon in der Anfangsphase am fehlenden Geld scheitern: „Wenn ich mir sicher bin, dass der Dorfladen gewünscht wird, dann bin ich der Erste, der die Sache vorantreibt.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren