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Neuburg

17.04.2019

Ohne Grenzkontrolle über den Brenner

1967: Da war die aufregende Fahrt über die Grenze schon längst vergessen. Heidi Weidner und ihr Vater essen Melone am Campingplatz von Torbole in Italien. Die Melonen waren frisch vom Markt, Schwester Christine mochte sie trotzdem nicht.
Bild: J.Weidner

Durch die EU und das Schengener Abkommen ist das Reisen innerhalb Europas viel einfacher geworden. Die Inhaber zweier Neuburger Reisebüros erzählen.

Heidi Weidner erinnert sich noch gut: Wenn sie mit ihren Eltern als Kind in den 60er Jahren nach Italien an den Gardasee gefahren ist, wurde es an der Grenze zu Österreich und später am Brennerpass plötzlich ernst. „Seid still und holt die Pässe raus“, wies ihr Vater sie und ihre Geschwister an. Dann hieß es brav sein, solange der Zollbeamte seinen ernsten Blick über alle im Auto schweifen ließ. „Es war immer mit Aufregung verbunden, ob wir tatsächlich rüberkommen“, erzählt die 58-Jährige, die selbst gerne reist und seit vielen Jahren die „Reise-Insel“ in Neuburg betreibt. „Das ist durch die Europäische Union und das Schengener Abkommen traumhaft geworden, lockerer.“ Keine Kontrollen mehr, kein Umtauschen von D-Mark in Lire, Halten nur noch an den Mautstellen und vielleicht im Stau.

Auch Mark Wittmann vom „Wittmann Reisecenter“ ist der Ansicht: „Die EU macht das Reisen günstiger und einfacher.“ Man brauche kein Visum, müsse in den meisten Ländern kein Geld umtauschen und benötige nicht zwingend eine Auslandsreiseversicherung. Beim Telefonieren fallen inzwischen keine extra Gebühren mehr an, irgendwann soll es einheitliche Steckdosen geben. Der Personalausweis genügt, um sich auszuweisen. „Unsere Kunden profitieren“, sagt Wittmann, der seit ungefähr 20 Jahren in der Reisebranche tätig ist.

1965: Heidi Weidners Mutter Josefine, ihre Schwester Christine und sie selbst beim Ausflug an den Hafen von Garda in Italien.
Bild: J. Weidner

Die Inhaber der Neuburger Reisebüros kennen die Vor- und Nachteile der EU

Wer hingegen ein Reisebüro betreibt, würde teilweise aber auch mit den Nachteilen der Europäischen Union konfrontiert. „Es gibt Bereiche, wo die EU übers Ziel hinausschießt“, findet Wittmann und erklärt: Die Datenschutzverordnung und die neuen Pauschalreiserichtlinien würden zum Beispiel deutlich mehr Aufwand in der täglichen Arbeit verursachen. Mitarbeiter müssen geschult, Formblätter ausgegeben und von den Kunden unterschrieben werden. Für die Verantwortlichen in den Reisebüros bedeuteten diese Verordnungen ein höheres Haftungsrisiko und mehr Verantwortung, pflichtet Weidner Wittmann bei.

Ohne Grenzkontrolle über den Brenner

Dennoch sind sich die beiden einig: Die EU hat wesentlich mehr Vor- als Nachteile. Sowohl Weidner als auch Wittmann werden am 26. Mai ihr Kreuzchen machen, wenn es darum geht, das Europäische Parlament direkt zu wählen. Keine EU sei keine Option. Dies sehe man an Großbritannien und dem Brexit, sagt Weidner. „Egal, ob Zug, Fähre oder Flugzeug – die Kontrollen werden wieder strenger werden. Wir sagen unseren Kunden jetzt schon, dass die Wartezeiten nach dem Brexit länger sein werden. Auch die Ausweise müssen dann länger gültig sein bei der Einreise.“ Trotzdem ist Heidi Weidner mit ihren 40 Jahren Erfahrung in der Reisebranche überzeugt, wer nach London reisen will, wird sich davon nicht abschrecken lassen.

Heidi Weidner zeigt auf Europa. Die Weltkarte hängt in der „Reise-Insel“ in Neuburg. Bis heute fährt die 58-Jährige gerne mal nach Österreich oder Italien.
Bild: Dorothee Pfaffel

Das Schengener Abkommen:

Das Schengener Abkommen schafft zwischen seinen Mitgliedstaaten die Grenzkontrollen ab und harmonisiert die polizeiliche und justizielle Zusammenarbeit. Von den ursprünglichen fünf Gründungsmitgliedern ist die Zahl der Mitglieder mittlerweile auf 26 angewachsen, wozu auch Nicht-EU-Staaten gehören. Das Schengener Abkommen und seine Regelungen wie dem Aufenthaltsrecht oder Grenzschutz sind durch die Europäischen Verträge Teil des institutionellen und rechtlichen Gefüges der EU geworden. Mitgliedstaaten des Schengener Abkommens sind: Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Island, Italien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik und Ungarn. Die Landgrenzen des Schengen Raums mit mehr als 400 Millionen Einwohnern sind über 7700 Kilometer lang, die Seegrenzen knapp 42.700 Kilometer. Nach Angaben der EU-Kommission gibt es jedes Jahr etwa 1,25 Milliarden Reisen über die Grenzen innerhalb dieser Region.

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