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Kabarett

02.02.2018

„Ohne“ ist der neue Luxus

Martin Zingsheim trat in der Kunstscheune auf.
Bild: Annemarie Meilinger

Martin Zingsheim macht sich in der Kunstscheune über einen neuen Trend lustig

Freunden des Kabaretts könnte dieser Name schon einmal begegnet sein. Zingsheim, Martin – Stand-up-Comedian, zuhause im Rheinland, seit Jahren viel unterwegs, gelegentlich auch im Bayrischen, wenigstens, um Preise abzuholen oder im Schlachthof aufzutreten. Trotzdem reicht die Bekanntheit noch nicht, um in der Marienheimer Kunstscheune, wo er am Mittwochabend gastierte, mehr als 26 Zuhörer anzulocken.

„Aber bitte mit ohne“ heißt sein aktuelles Programm, in dem er zunächst den neuen Trend zur scheinbaren Vereinfachung untersucht. Ohne Fleisch, ohne Laktose, ohne Chemie, ohne alles. Doch „Ohne“ macht alles komplizierter. Ein Blick in die Supermarkt-Regale könnte einen schon verwirren: Darf ein Veganer Blutorangen essen? Askese ist die neue Trendsportart, deshalb steht er ohne da: keine Requisiten, kein Gesang, keine Pyrotechnik. „Gefällt Ihnen mein Outfit?“ Mehr Begeisterung bitte, schließlich ist alles bio und fair, vegan und nicht von Kindern produziert. „Ohne“ ist der neue Luxus: Ohne Religion ist in, ohne Überzeugung macht das Leben einfacher – oder auch nicht. „Diskussion sehr gerne, aber bitte ohne Andersdenkende“, soll Wolfgang Bosbach im Fernsehen gesagt haben, Rechtspopulisten sind anstrengend und antikapitalistische Debatten albern. Man sollte mehr Respekt vor Berufen haben, schlägt Zingsheim vor – aber was sollen ein Immobilienmakler und ein Mietnomade miteinander zu besprechen haben, wenn sie sich schon mal begegnen? Was unterscheidet einen Serienmörder von einem schlecht gelaunten Chirurgen? Doch hoffentlich das Ergebnis. Derartige Überlegungen stellt Zingsheim an, spinnt sie weiter und findet komische Lösungen – oder es türmen sich neue Fragen auf: „Muss sich mein Kumpel Sorgen machen, wenn er feststellt, dass drei seiner Ex-Freundinnen lesbisch geworden sind?“ Macht uns der Ohne-Trend gesünder oder wäre es nicht besser, alle fünf Minuten an die Decke zu gehen? Den derzeit tobenden Kölner Karneval sieht Zingsheim gelassen: Wenn alle hackedicht unter den Tresen liegen, nennt man das Brauchtum.

Zingsheim wär so gern Gangsterrapper geworden, sagt er, „aber dafür fehlt mir mit vier Kindern die Streetcreditibility“. Er rappt trotzdem: „Ich habe heute keine Zeit – wenn ihr mich sucht, ich bin auf dem Spielplatz“. Das ist intelligent und außerdem sympathisch. Nächstes Mal bitte hingehen! (amei)

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