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Medizin

21.08.2012

Operation missglückt

Vor knapp zwei Jahren hatten OB und Klinikum-Aufsichtsratsvorsitzender Alfred Lehmann (links) sowie Geschäftsführer Heribert Fastenmeier (rechts) den neuen Ärztlichen Direktor Hans-Jürgen Eisele mit großen Hoffnungen am Klinikum begrüßt. Jetzt ist das Arbeitsverhältnis schon wieder zu Ende.
Bild: Harald Jung

Nach nur knapp zwei Jahren Amtszeit verlässt der Ärztliche Direktor das Klinikum Ingolstadt wieder. Es gab erhebliche Querelen mit den Chefärzten

Ingolstadt Nach offizieller Lesart ist er auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung und vor einigen Wochen in Urlaub gegangen, um sich in Ruhe einen neuen Arbeitsplatz suchen zu können. Tatsächlich ist Hans-Jürgen Eisele (54) als Ärztlicher Direktor des größten Krankenhauses der Region vor einigen Tagen ziemlich überraschend aus dem Dienst gegangen.

Begleitet war das Ausscheiden von Misstönen und erheblichen Querelen. Den Schlusspunkt setzte schließlich der Aufsichtsrat des Krankenhaus-Zweckverbandes, der nach relativ kurzer Beratung hinter verschlossenen Türen eine einvernehmliche Trennung von Eisele vorgeschlagen hat. Die Aufsichtsräte waren vorbereitet. Denn, dass es hinter den Kulissen ziemlich heftig brodelte, war längst bekannt.

Davon ist offiziell natürlich nicht die Rede. Außer der formellen Mitteilung der Geschäftsleitung, dass Eisele einen neuen Wirkungskreis sucht, wird nichts bekannt. Auch Klinikum-Pressesprecher Joschi Haunsperger wollte gestern auf konkrete Nachfrage unserer Zeitung nicht zu möglichen Hintergründen Stellung beziehen.

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Fakt ist aber, dass Eisele nach Informationen unserer Zeitung seit Monaten allein stand. Vor allem gegen den großen Kreis der Chefärzte am Klinikum. Der neue ärztliche Direktor wollte mehr Einfluss auf die Arbeiten in den Fachkliniken am Patienten ausüben, obwohl das nicht zu seinen Aufgaben zählte.

Eisele war im September 2010 als Nachfolger von Professor Erich Keller ans Klinikum gekommen. Damit schließt sich für ihn ein Kreis, denn Eisele startete am Klinikum 1987 als junger Assistenzarzt seine medizinische Karriere. Zuletzt war er in einer Privatklinik in Bad Wiessee tätig. Er stand dort im Dienst der Berliner Medical-Park, die in Deutschland mehrere Kurkliniken betreibt. Eiseles Wissen sollte am Klinikum vornehmlich auch dazu genutzt werden, um die Angebote zur Rehabilitation zu verfeinern. Darüber hinaus sollte sein Fokus auf den Servicebereichen des Krankenhauses liegen. Der 54-Jährige, der mit seiner Familie in Gaimersheim wohnt, war im Sommer 2010 vom Aufsichtsrat aus 28 Bewerbern ausgewählt worden. Und zwar „mit einem überragenden Ergebnis“, wie Ingolstadts Oberbürgermeister und Aufsichtsratsvorsitzender Alfred Lehmann sagte.

Die Hoffnungen des Aufsichtsrates in den neuen Mann erfüllten sich aber nur teilweise. Die „Operation Eisele“ ist missglückt. Der Trennung voraus gingen zahlreiche Konflikte, die sich bis in die höchsten Führungsetagen zogen. Die Auflösung des Vertrages soll nun möglichst geräuschlos und ohne gegenseitige Vorwürfe vollzogen werden. Eisele selbst war gestern zu einer Stellungnahme nicht erreichbar.

Ein heißer Nachfolge-Aspirant aus dem eigenen Haus?

Inzwischen feilt man im Klinikum bereits an der Anzeige zur Neuausschreibung der Stelle, die bundesweit in allen wichtigen medizinischen Fachzeitschriften erscheinen wird. Laut Haunsperger soll die Neubesetzung „möglichst bald“ erfolgen, wenngleich es schwer sein könnte, einen qualifizierten Nachfolger aus dem umkämpften Markt zu bekommen. Aber vielleicht geht es ja doch ganz schnell – es soll auch einen heißen Aspiranten auf den Posten aus dem eigenen Haus geben.

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