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Neuburg

27.02.2016

Panne bei der Stadt: Neuburg hat wieder eine Adolf-Hitler-Straße

Feierabendverkehr in der Adolf-Hitler-Straße. Durch eine falsche Beschlussformulierung hat die im Sprachgebrauch „Luitpoldstraße“ genannte Hauptverkehrsader den Namen zurück, den sie längst vergessen wollte.
Bild: Bastian Sünkel

Als der Bauausschuss 2014 den Oswaldplatz formell tauft, hat er gleichzeitig einen Beschluss aus der Nachkriegszeit aufgehoben. Neuburg hat seitdem wieder Nazi-Straßen - zumindest auf dem Papier.

Die Adolf-Hitler-Straße verläuft entlang des Hofgartens und endet an der Kreuzung Mussolinistraße. Die Mussolinistraße erstreckt sich nach rechts Richtung Christuskirche und nach links bis zum Ende des Oswaldplatzes. Das war nicht immer so. Bis 2014 trugen diese Straßen andere Namen. Die Straße am Hofgarten hieß Luitpoldstraße. An der Kreuzung rechts lag die Theresienstraße und die Münchener Straße begann, wenn man vor dem 8. Oktober 2014 nach links abgebogen ist.

Eigentlich wollte der Bauausschuss an diesem Tag nur einen alten Fehler bereinigen. Wie NR-Kolumnist Winfried Dier in seiner Straßenserie bereits im Jahr 2011 herausfand, gibt es offiziell gar keinen Oswaldplatz. Zumindest in den Unterlagen. Dort stand schwarz auf weiß: Markusplatz. So hieß der Oswaldplatz bis 1921. So lange, bis der Stadtrat beschloss, dass er die edlen Mäzenen der Stadt, das Ehepaar Wilhelm und Margareta Oswald, in den Straßenkarten ehren will. Die Oswalds sind in den USA reich geworden und bedachten die Heimat Wilhelm Oswalds regelmäßig mit Geschenken, darunter Stiftungskapital in Höhe von 100.000 Reichsmark.

Adolf-Hitler-Straße hieß seitdem wieder Luitpoldstraße

Die Stadträte stimmten für die Umbenennung und ab dem 19. Dezember 1921 erhielt der Markusplatz den Namen Wilhelm-und-Margaretha-Oswaldplatz. Den behielt er noch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten. Bis 1937. Nach 16 Jahren erhielt der markante Fleck Neuburgs wieder einen neuen Namen: Platz der SA. Am 7. Mai 1945 unterzeichnete das Deutsche Reich die Kapitulation und schon am 25. Juni fasste der Neuburger Nachkriegs-Stadtrat den Beschluss, allen Nazi-Straßen ihre alten Namen zurückzugeben. Aus der Mussolinistraße wurde die Theresienstraße und die Münchener Straße erhielt ihre volle Länge zurück. Die Adolf-Hitler-Straße hieß seitdem wieder Luitpoldstraße. Nur beim Oswaldplatz unterlief den Beamten ein Fehler. Ins Protokoll wurde der ganz alte Name – Markusplatz – eingetragen. Bürokratisch hieb- und stichfest.

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Also beschloss der Bauausschuss vor eineinhalb Jahren, den Fehler auszubügeln. Doch es kam zum nächsten Missgeschick. Mit der Abstimmung erklärten die Stadträte die Umbenennung der faschistischen Straßennamen für ungültig. Sie tauften damit aufs Neue die Luitpoldstraße, die Theresienstraße und zahlreiche andere Neuburger Verkehrsadern und Plätze unwissentlich um: in Adolf-Hitler-Straße, in Mussolinistraße oder die Rosenstraße in General-von-Epp-Straße.

Damit ist Neuburg nicht nur um ein Kuriosum reicher. Die Spirale aus Fehlern und bürokratischen Fallstricken hat nämlich noch eine letzte Windung, die das Thema der Straßennamen auf die Spitze treibt. Sobald der Stadtrat den Beschluss von 1945 erneut in Kraft setzt, der alle Verkehrswege mit nationalistischer Tendenz die Namen aus der Zeit vor der Machtergreifung zurückgibt, heißt auch der Oswaldplatz genau genommen wieder Markusplatz. Doch diesmal hat man mitgedacht. Im Beschlussvorschlag heißt es: Nur die Bezeichnung Markusplatz wird in Oswaldplatz umbenannt.

Noch bis Dienstagabend behält die Stadt die Straßennamen, die sie am liebsten schon vor knapp 71 Jahren auf alle Zeiten vergessen hätte. Zumindest auf dem Papier. Dann werden die Stadträte einem Antrag zustimmen, der diesmal hoffentlich keine Fehler beinhaltet.

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Die Diskussion ist geschlossen.

27.02.2016

Was soll die ganze Aufregung über den alten Käse, in anderen Ländern gehen Menschen im Faschingszug als Hitler, Musolini oder Stalin mit.

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27.02.2016

Bei uns geht man halt so nicht rum, auch nicht im Fasching.

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27.02.2016

Deutschland ist eben ein Musterstaat geworden in dem alles anders ist wie auf dem rest dieses Globus.[url=http://www.smilies.4-user.de][img]http://www.smilies.4-user.de/include/Optimismus/smilie_op_003.gif[/img][/url] Nur gibt es eine gewisse Diskrepanz zischem dem was öffentlich gesagt und geschrieben wird und dem was gedacht wird.

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27.02.2016

Was sind das eigentlich für Menschen in der Neuburger Obrigkeit? Ewig Gestrige oder sind die wirklich so dumm? Nachdenken ist ein Zufallsereignis?!

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