1. Startseite
  2. Lokales (Neuburg)
  3. Paradiesische Zustände?

Asyllager

11.07.2013

Paradiesische Zustände?

Die beiden Bundestagsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen, Agnes Krumwiede (Mitte) und Volker Beck (links), besuchten gestern die Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber und kamen mit den Flüchtlingen ins Gespräch.
Bild: Foto: Barbara Würmseher

Delegation mit Agnes Krumwiede machte sich ein Bild von der Neuburger Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber

„Es tut sich was bei uns in der Unterkunft“, freut sich Flüchtlingsberater Wolfgang Amler. „Im Vergleich zu vor fünf Jahren haben wir paradiesische Zustände.“ Agnes Krumwiede von Bündnis 90/Die Grünen muss sich da angesichts der kargen Lebensumstände der Lagerbewohner doch wundern: „Das nennen Sie paradiesisch?“

Gestern Nachmittag besuchte die Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Ingolstadt, Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen zusammen mit ihrem Kollegen Volker Beck – menschenrechtspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag – die Neuburger Gemeinschaftsunterkunft.

Für die 36-Jährige war es die vierte Stippvisite dort und sie erkannte kleine Verbesserungen: „Vor einem Jahr hat es gerade mal eine Dusche für 40 Männer gegeben, inzwischen wurden die Nasszellen ausgebaut.“ Ein Blick in Haus C zeigt 16 Duschkabinen für 90 Bewohner. Vergleichbar sind auch die anderen Häuser ausgestattet. Dennoch bleibt die Gesamtsituation für Agnes Krumwiede unbefriedigend. „Wir Grünen lehnen die restriktive Asylbewerberpolitik der bayerischen Staatsregierung ab, wollen die Abschaffung der Residenzpflicht, der leistungsbezogenen Vergütung und der Bevormundung dieser Menschen und fordern deren dezentrale Unterbringung.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

An derartige große Veränderungen allerdings ist wohl in nächster Zukunft nicht zu denken. Zwar soll laut Sozialministerin Christine Haderthauer das Lager bis 2018 aufgelöst werden, doch stimmte diese Prognose die gestrige Delegation skeptisch. Maria Els, die Regierungs-Vizepräsidentin von Oberbayern, erklärte, eine Auflösung stünde zwar immer wieder im Raum, Konkretes sei aber derzeit nicht bekannt.

„Für uns ist Neuburg ein wichtiger Standort und wir haben einen unbefristeten Mietvertrag mit dem Bund.“ Allerdings hoffe man, so Maria Els, die derzeitige Belegung mit 460 Flüchtlingen mittelfristig auf 300 reduzieren zu können.

Für Wolfgang Amler sind es momentan auch eher die kleinen Schritte, als die große Lösung, die ihn optimistisch stimmen: „Bislang haben wir lediglich zwei ehrenamtlich betreute Sprachkurse anbieten können für je acht bis zehn Teilnehmer. Ab September will die Regierung das Angebot intensivieren.“ Zwei 300-Stunden-Sprachkurse für je 15 bis 20 Flüchtlinge, die nicht arbeiten dürfen, finden im Beruflichen Fortbildungszentrum (BFZ) statt. Und an der Berufsschule können ebenfalls zwei Gruppe mit bis zu 20 Teilnehmern Kurse belegen, die zum Hauptschulabschluss führen. „Das kann nur ein Anfang sein, so Ammler, „aber es ist einer.“

„Das Gesamtangebot ist defizitär“, zieht Agnes Krumwiede am Ende Bilanz. „Vor allem bin ich schockiert, dass es einen psychischen Stabilisierungskurs für schwer traumatisierte Kriegsflüchtlinge erst seit drei Wochen gibt.“

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Sauerkraut%20Gartenbauverein%20Rohrenfels%2c%201.tif
Küche

Sauerkraut selbst gemacht

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket