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Bilanz

09.05.2015

Passt’s so?

Seit einem Jahr sitzt Oberbürgermeister Christian Lösel (Mitte) auf der Regierungsbank, hier zwischen den Bürgermeistern Sepp Mißlbeck (rechts) und Albert Wittmann. Im Gespräch mit unserer Zeitung nannte der Rathauschef die Erfolge und die wichtigsten Themen des ersten Amtsjahres.
Bild: Harald Jung

Oberbürgermeister Christian Lösel meint, dass er sein erstes Amtsjahr gut bewältigt hat. Und er nennt die Gründe, weshalb Ingolstadt sich weiter mit einem hohen Tempo entwickeln muss

Wenn der Terminkalender es nicht anders zulässt, dann setzt er auch schon mal eine dringende Besprechung um 6.45 Uhr morgens an. Heim kommt er werktags selten vor 23 Uhr und an den Wochenenden sind acht Stunden quasi Regelarbeitszeit. So sieht der Tagesablauf eines Oberbürgermeisters aus. Anstrengend? „Nein, denn es macht mir großen Spaß“, sagt der Ingolstädter Rathauschef Christian Lösel. Er ist jetzt ein Jahr im Amt. Im Gespräch mit unserer Zeitung zog er Bilanz.

Die gleich eingangs gestellte Frage, was denn nicht ganz so gut gelaufen sei in diesem ersten Amtsjahr, will Lösel erst einmal zurückstellen.

Also zunächst die Erfolge. Lösel nennt viele. Fast alle Wahlkampfversprechen habe er erfüllt. Die Umplanung der Innenstadt sei im Gange, der Verkehrsentwicklungsplan in der Diskussion und alle großen Projekte würden planmäßig laufen oder seien weitergeführt worden. Der Amtsübergang von Alfred Lehmann auf ihn sei „sehr gut verlaufen. Es gab keine besonderen Begleiterscheinungen. Nichts wurde verzögert oder gar gestoppt. Das Tempo, mit dem Ingolstadt sich entwickelt, ist gleich geblieben.“ Andersrum wäre es auch fatal gewesen, denn: „Diese Stadt braucht dieses Tempo auch.“

Weil Ingolstadt in den kommenden Jahren noch einmal sehr kräftig zulegen wird, was Einwohnerzahlen und neue Arbeitsplätze betrifft. Ein gewaltiger Schub wird wieder einmal durch Audi ausgelöst. Auf dem Bayernoilgelände wird der IN-Campus entstehen. Dort werden einmal bis zu 15000 Menschen für Audi und Zulieferbetriebe arbeiten. Die Stadt hat sich Grundstücke gesichert, weil der Campus über einen eigenen Autobahnanschluss angebunden werden soll. „Wir stehen da gerade in sehr guten Verhandlungen“, sagt Lösel auf die Frage, wie hoch die Bereitschaft der Bundesfernstraßenverwaltung sei.

Mehr Arbeitsplätze und mehr Einwohner verstärken aber auch den Siedlungsdruck noch einmal erheblich. Auch da habe man die Weichen gestellt und die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft beauftragt, noch mehr Wohnungen zu bauen. Außerdem habe er die Suche nach Baugrundstücken und Gewerbeflächen intensivieren lassen. „Wir sind auch fündig geworden“, sagt Lösel. Er werde dem Stadtrat in jedem Quartal ein neues Baugebiet zur Abstimmung vorlegen.

Viele Lösungsansätze gibt es für das neue Verkehrskonzept. Die Notwendigkeit der von den Freien Wählern propagierten Donauquerung im Westen ließe sich anhand der aktuellen Zahlen momentan nicht ganz nachweisen. Aber er habe eine weitere Untersuchung mit anderen Szenarien in Auftrag gegeben. „Ich will mir in 25 Jahren nicht den Vorwurf gefallen lassen, dass ich da etwas verschlafen habe.“

Was den Ausbau der Staatsstraße zwischen Friedrichshofen und dem Kreisel bei Bergheim betrifft, ist der Rathauschef mit der vom Staatlichen Bauamt ins Auge gefassten Lösung mit Überholspuren nicht einverstanden. Die Stadt werde ihre Position im weiteren Verfahren auch „ziemlich deutlich“ zum Ausdruck bringen. Ziel sei ein vierspuriger Ausbau. Darauf müssten aber auch die Landkreise Eichstätt und Neuburg-Schrobenhausen hinarbeiten, wie die Verkehrsplanung überhaupt eine regionale Angelegenheit sei. Neuburgs Landrat Weigert sei bei solchen Themen zum Glück „immer ein Treiber“. Auch, wenn es um den Regionalen Gemeinschaftstarif geht, wo Lösel demnächst Vorschläge zur Ausweitung des Angebots unterbreiten wird.

Geld ist genug da im Stadtsäckel und die Steuern werden auch die nächsten Jahre kräftig sprudeln. Aber Lösel will Maßhaltigkeit. Beispielsweise bei der Sanierung des Stadttheaters. Die kann erst beginnen, wenn das Kammerspielhaus im Klenzepark als Ersatzspielstätte realisiert ist. Das sei frühestens 2019 der Fall. In welchem Umfang das Stadttheater danach saniert wird, ist für den Oberbürgermeister trotz bestehender Konzepte noch völlig offen. Eines ist für ihn aber heute bereits klar: Es muss günstiger gehen. „Die 115 Millionen Euro für das Stadttheater sind nicht vertretbar“, sagt er und fügt an: „Auch in der Öffentlichkeit nicht.“

Die politischen Dauerbrenner Congresscentrum und Schlosshotel auf dem Gießereigelände beschäftigen den Oberbürgermeister nach seinen Angaben weit weniger, als die Widerstandsführer manchmal den Eindruck erwecken. „Ich habe keine Berge von Protestbriefen auf dem Schreibtisch, tatsächlich habe ich nur einen einzigen Brief dagegen.“ Die Gegner würden sich fast ausschließlich im Internet und in Leserbriefen in Zeitungen zu Wort melden.

Aktuell wird kolportiert, dass eine Petition dagegen geplant ist. Lösel zuckt mit den Schultern. Die allermeisten Bürger würden sagen, dass man dieses Vorhaben endlich realisieren solle.

Ende 2019 will der Rathauschef Hotel und Congresscentrum einweihen. Bei dem Thema gerät Lösel förmlich ins Schwelgen. Der Neuburger Investor VIB und Hotelbetreiber Maritim seien „exzellente Partner“ und hätten in den wenigen Monaten der Zusammenarbeit „sehr viel Qualität“ in das Verfahren gebracht. Im Hintergrund werde mit Hochdruck weitergeplant. „Die VIB und Maritim sind für die Stadt Ingolstadt Gold wert“, ist Lösel überzeugt, dass es ein sehr ansprechendes Ergebnis geben wird.

Also scheint alles auf bestem Wege. Bei der Nachfrage, ob denn nicht auch etwas schief gelaufen sei, kommt Lösel auf den Koalitionspartner zu sprechen. Die Freien Wähler würden zwar insgesamt für eine stabile Zusammenarbeit stehen, die CSU-Fraktion stoße sich aber manchmal daran, weil die FW mit Anträgen vorpreschen würden, ohne sich vorher abzustimmen.

Und als sie ihm im vergangenen Jahr das Dachcafé am Historischen Rathaus vereitelt haben, da „habe ich vielleicht einen Fehler gemacht. Da hätte ich noch etwas deutlicher werden sollen“, blickt Lösel zurück. Aber das mit der Deutlichkeit kann er nun nachholen. Denn bei der Frage der dritten Eishalle tut sich aktuell eine Kluft zwischen dem Oberbürgermeister und dem Koalitionspartner seiner CSU-Fraktion auf.– Mehr darüber in dem Artikel auf dieser Seite unten.

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