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Neuburg-Grünau

10.10.2019

Peta bläst zum Angriff auf die Jagdmesse

Während sich am Wochenende rund 400 Aussteller auf Schloss Grünau zu den sechsten Jagd- und Schützentagen einfinden, ruft die Tierrechtsorganisation zum Boykott der Messe auf.
Bild: Felix Kästle, dpa

Plus Wenn am Freitag die Jagd- und Schützentage auf Schloss Grünau eröffnet werden, passiert dies nicht ohne Ärger. Die Tierrechtsorganisation Peta übt Kritik.

Mit Kunstblut beschmiert und oft nur mit Unterwäsche bekleidet – so präsentieren sich immer wieder Mitglieder der Tierrechtsorganisation Peta bei Demonstrationen und Kundgebungen. Dabei protestieren sie beispielsweise gegen das Tragen von Tierpelzen oder sinnloses Jagen. Nun sind am heutigen Freitag, wenn der stellvertretende Bayerische Ministerpräsident Hubert Aiwanger die Jagd- und Schützentage auf Schloss Grünau eröffnet, zwar keine konkreten Protestaktionen geplant. Kritik übt Peta allerdings schon im Vorfeld der internationalen Jagdmesse – und ruft sogar dazu auf, die Veranstaltung zu meiden.

„Obwohl es keinen nachvollziehbaren Grund für die Jagd auf Tierarten wie Füchse, Vögel und Marder in deutschen Wäldern gibt, töten Jäger bundesweit jährlich zwischen vier und fünf Millionen Wildtiere sowie mehrere Hunderttausend Katzen und Hunde – vornehmlich als Freizeitbeschäftigung“, erklärt die Organisation in einer Pressemitteilung. Hinzu komme die Gefahr für Menschen durch Querschläger oder Fehlschüsse. Daher spreche sich die Tierschutzorganisation grundsätzlich gegen die Jagd aus und fordere ein bundesweites Verbot der Fuchsjagd.

Während sich am Wochenende rund 400 Aussteller auf Schloss Grünau zu den sechsten Jagd- und Schützentagen einfinden, ruft die Tierrechtsorganisation zum Boykott der Messe auf. Immer wieder machen sich die Mitglieder bei Demonstrationen gegen das Jagen als Freizeitsport stark.
Bild: Julian Stratenschulte, dpa

Grünau: Jagdmesse wird kontrovers diskutiert

Petas Fachreferentin für Wildtiere, Nadja Michler, findet klare Worte: „Es ist geschmacklos, das Töten von Tieren als unterhaltsamen Freizeitsport anzupreisen. Unter dem Deckmantel der Naturverbundenheit verursacht das Jagen unermessliches Leid.“

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Ein Vorwurf, den der Mitbegründer der Jagdmesse, Hubertus Reich, so nicht stehen lassen will. Angesprochen auf die Kritik entgegnet er: „Auch wir Jäger sind gegen das sinnlose Töten. Die schwarzen Schafe, die es gibt, haben auch bei uns Jägern keine Freunde.“ Zwar würden Menschen, die sich weniger gut mit dem Jagen auskennen, zu allererst ans Töten denken, gibt er zu. Doch genau dafür sei die Jagdmesse in Neuburg da. „Wir wollen mit der Veranstaltung zeigen, dass Jagd viel mehr ist als das Töten. Im Rahmenprogramm sind viele kulturelle Themen wie Trachten und Kunst vertreten“, betont Reich.

Außerdem täten die Jäger viel für den Naturschutz, der derzeit ganz oben auf der politischen Agenda steht. Veränderungen zum Wohle der Natur hätten die Jäger schon lange gefordert, sagt Reich. „Der Mittelpunkt der Jagd ist der Naturschutz.“

Dieses Argument lässt wiederum Peta nicht gelten. „Anerkannte Wildbiologen sind sich einig, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht. So müssen dem Biologen Josef Reichholf zufolge Wölfe nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden“, schreibt die Organisation weiter. Denn es finde eine natürliche Regulation durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten statt.

Peta: Jagd ist unnötig und kontraproduktiv

Auch englische Wissenschaftler seien zu dem Ergebnis gekommen, dass sich Fuchspopulationen aufgrund von Nahrungsverfügbarkeit und sozialen Faktoren von selbst regulieren. „Die Jagd hingegen zerstört die Alters- und Sozialstrukturen der Tierpopulationen, was bei den Überlebenden zu erhöhter Fortpflanzung führt. Verluste in der Population werden somit rasch durch Nachkommen und Zuwanderung wieder ausgeglichen oder gar überkompensiert“, teilt Peta mit. Daher sei die Jagd unnötig und kontraproduktiv.

Die Tierschutzorganisation weist außerdem darauf hin, dass den über 380.000 Hobbyjägern in Deutschland nur etwa 1000 Berufsjäger, vor allem Forstbeamte, gegenüberstünden.

Bis zu 25.000 Besucher, die sich von dieser Kritik nicht abschrecken lassen, werden am Wochenende auf Schloss Grünau erwartet. Eine Änderung im Vergleich zum Vorjahr steht schon jetzt fest: Die Fischer, die im vergangenen Jahr ebenfalls auf der Messe vertreten waren, sind heuer nicht mehr mit dabei. Der Grund dafür sei einfach, erklärt Reich: „Wir haben den Trend gespürt, dass die Fischerei wieder eher zu regionalen Händlermessen tendiert.“ An jedem größeren See in Bayern gebe es einen Fischereiverein, der ohnehin einmal jährlich eine eigene Veranstaltung abhalte. „Die Zeit der Fischerei auf großen Messen ist vorbei“, erklärt der Mitorganisator. Stattdessen haben er und sein Team sich heuer die Schützen als „logischen Partner“ mit ins Boot geholt.

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