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Interview

04.01.2019

Peter von der Grün will Süden und Norden verbinden

Er kommt aus dem Süden des Landkreises, lebt seit zehn Jahren im Norden und fühlt sich deshalb hier wie dort wohl: Peter von der Grün, der Kandidat der Freien Wähler.
Bild: Claudia Stegmann

Peter von der Grün tritt bei der Landratswahl für die Freien Wähler an. Wie der Jurist die Arbeit seines Parteikollegen Roland Weigert fortführen will.

Herr von der Grün, was macht für Sie den Reiz des Landratspostens aus?

Peter von der Grün: Der Landrat ist zum einen der Anwalt der Kommunen – und das passt bei mir im wahrsten Sinne des Wortes, weil ich eben Anwalt bin – und auf der anderen Seite ist er Beamter, muss also die staatlichen Aufgaben auf unterster Ebene wahrnehmen. Der Landrat ist für mich persönlich auch deswegen ein reizvoller Posten, weil in seinen Aufgabenbereich der ganze Landkreis fällt.

Sie sind seit 2014 Mitglied im Kreistag. Was haben Sie in dieser Zeit gelernt?

von der Grün: Sehr viel. Deswegen ist es aus meiner Sicht auch schwierig, wenn man ganz ohne Kreistagserfahrung Landrat werden will. Ich habe vor allem gelernt, wie wichtig es ist, über die Parteigrenzen hinweg Mehrheiten zu beschaffen. Roland Weigert hat ja sehr vieles sehr gut gemacht, aber was er ganz besonders gut gemacht hat war, dass er es immer wieder geschafft hat, über die Parteigrenzen hinweg die Leute mitzunehmen. Das hat mich immer wieder beeindruckt und mir gezeigt, wie man einen Kreistag führen kann.

Wie haben Sie Roland Weigert als Landrat erlebt?

von der Grün: Roland Weigert war ein Landrat, der aus meiner Sicht sehr leidenschaftlich und engagiert für seine Themen gekämpft hat. Ich gehörte auch zu denjenigen, die zeitweise um 6.45 Uhr in der früh schon einen Anruf von ihm bekommen haben. Er war nicht nur ein sehr fleißiger, sondern auch ein erfahrener und kenntnisreicher Landrat, der die Themen gut vorangebracht hat. Außerdem war er ein Meister darin, Strategien zu entwickeln sowie mittel- und langfristig zu denken.

Würden Sie in derselben Art und Weise weitermachen?

von der Grün: Die vielen laufenden Projekte würde ich sofort weiterführen, weil sie auch alle mit großer Mehrheit vom Kreistag abgesegnet wurden. Nachdem Roland Weigert und ich aber völlig unterschiedliche Typen vom Wesenszug her sind, würde das sicher nicht in der gleichen Art und Weise passieren. Roland Weigert hat mitunter auch mal auf den Tisch gehauen. Ich hingegen würde versuchen, ein Mann des Ausgleichs zu sein und die unterschiedlichen Interessen in Einklang zu bringen – wenngleich mir natürlich bewusst ist, dass man es nicht immer allen recht machen kann.

Sind die Fußstapfen groß, in die Sie treten könnten?

von der Grün: Absolut. Als Landrat muss man in die Aufgaben hineinwachsen.

Die Dissonanzen zwischen Roland Weigert und Oberbürgermeister Bernhard Gmehling waren legendär und wurden zum Leidwesen beider immer wieder aufs Tableau gehoben. Wie sieht es mit Ihrem Verhältnis zum Stadtoberhaupt aus?

von der Grün: Ich denke sehr gut. Als ich noch Referendar war, habe ich ihn als Ausbildungsrichter am Amtsgericht Neuburg kennengelernt. Ich hatte immer ein sehr gutes Verhältnis zu ihm. Wenn Stadt und Landkreis noch stärker zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen, könnten wir viel erreichen. Also von meiner Seite gibt es da kein Problem.

Würden Sie den Weg von Roland Weigert weitergehen oder eine Kursänderung einläuten?

von der Grün: Die eingeschlagenen Richtungen finde ich positiv, ich habe die Themen ja teilweise auch mit beschlossen. Ich war für den Neubau der Paul-Winter-Realschule, für den regionalen Gemeinschaftstarif, für die Sanierung des Kreiskrankenhauses Schrobenhausen. Mir fällt kein Thema ein, bei dem ich einen Kurswechsel herbeiführen würde, was aber nicht heißt, das ich das eine oder andere Projekt im Detail nicht anders bewerten würde.

Und wie stehen Sie zur Verschuldung des Landkreises?

von der Grün: Auf der einen Seite sind die angestoßenen Themen richtig und wichtig und kosten auch ihr Geld. Wenn es etwa um den Bereich Bildung geht, kommen wir gar nicht daran vorbei. Der Schuldenstand wird zum Jahresende 2018 bei etwa 24 Millionen Euro liegen, was noch im Rahmen liegt. Aber er wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren in Richtung 60 Millionen Euro steigen. Und da muss man schon sagen: In der Geschwindigkeit kann es nicht weitergehen. So wichtig diese Projekte sind, aber die Schulden dürfen uns am Ende nicht über den Kopf wachsen. Die Zinspolitik wird auch wieder einmal eine andere sein, dann können wir als Landkreis nicht astronomische Schulden am Hals haben. Wir dürfen aber auch nicht vergessen: Wir schaffen mit diesen Projekten nicht nur Schulden, sondern auch Werte.

Welche Themen sind Ihnen wichtig?

von der Grün: Das Kreiskrankenhaus Schrobenhausen ist ein ganz wichtiges Thema. Das muss unbedingt erhalten bleiben. Außerdem müssen die Bildungseinrichtungen des Landkreises weiter vorangebracht werden. Und die Donaumoos-Sanierung steht ebenfalls auf meiner Agenda.

Mit welchem Thema würden Sie gerne einst, wenn Sie in den politischen Ruhestand treten, in Verbindung gebracht werden?

von der Grün: Als Landrat der Bürger, der die Einheit des Landkreises vollzogen hat. Denn in vielen Köpfen ist der Landkreis noch nicht als Einheit wahrgenommen worden. Weil das bei mir aufgrund meiner Biografie anders ist – ich bin in Waidhofen aufgewachsen und lebe jetzt in Bertoldsheim –, könnte ich ein vermittelndes Element sein.

Was passiert mit Ihrer Anwaltskanzlei, sollten Sie Landrat werden?

von der Grün: Meine Anwaltszulassung wird ruhen. In der Kanzlei wird dann meine Frau weiterarbeiten.

Zum Schluss drei Schlagworte, die Sie bitte kurz kommentieren:

Donaubrücke?

von der Grün: Für die Entwicklung der Stadt Neuburg eine wichtige Infrastrukturmaßnahme.

Donauaquarium?

von der Grün: Ich muss dieses Donauaquarium nicht haben. Das wäre für mich herausgeschmissenes Geld.

Donauschwimmen?

von der Grün: Oh! (lacht) War ich noch nie dabei. Aber vielleicht bietet es sich mal an, mitzumachen.

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