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Neuburg-Schrobenhausen

08.04.2021

"Plätze sind hergerichtet": Corona macht den Vereinssport bewegungslos

Verwaist und zugesperrt: der Trainingsplatz des TSV Neuburg in Pandemie-Zeiten.
Foto: Manfred Rinke

Plus Saisonabbrüche, Spielverlegungen und starke Einschränkungen: Die Sportler im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen müssen nach wie vor viel Geduld aufbringen. Ein Stimmungsbild.

Hier würde normal trainiert, gelaufen, gesprungen. Doch der Platz des TSV Neuburg ist verwaist, der Rasen leer – und viel zu gut erholt. Wie in den meisten Vereinen sei die Stimmung unter den Mitgliedern getrübt, sagt Vereinsvorsitzender Udo Kotzur.

Gemeinsamer Sport in der Pandemie: TSV Neuburg bietet Online-Kurse an

Um die Krise, Kontaktsperre und die triste Bewegungslosigkeit in der Pandemie zu überbrücken, bietet der Verein über seine Webseite seit einiger Zeit Online-Kurse an. „Jumping Fitness“ zum Beispiel, die man gemeinsam, aber virtuell auf kleinen Trampolinen springt. Oder Trockenübungen, die die Schwimmabteilung des TSV für zuhause choreografiert. Das alles sei gut für die Motivation der Menschen, erklärt Udo Kotzur. Aber ein Ersatz für den aktiven, präsenten und kollektiven Sport sei das nicht. Gerade für die Kinder und älteren Mitglieder sei die momentane Situation deprimierend – auch weil sich Letztere nur selten in virtuelle Sphären begeben.

Was vielen Sportlern bleibt, ist, sich mit Laufen fitzuhalten. Auch den Amateurfußballern, denen das Training wieder untersagt ist. Als vor rund zwei Wochen die Sieben-Tage-Inzidenz niedrig war, hat sich das Team des VfR Neuburg zum kontaktlosen Training einmal getroffen – „und es waren nahezu alle Spieler mit Feuereifer dabei“, wie Abteilungsleiter Roland Egen sagt. Doch die Werte gingen wieder nach oben, weitere Einheiten fanden nicht statt. Umso erstaunlicher ist, dass der Bayerische Fußballverband hofft, die laufende Saison sportlich beenden zu können. Die Meinungen bei Vereinsvertretern gehen diesbezüglich auseinander. Viele wünschen sich einen Abbruch und Planungssicherheit, andere wollen ihre sportlichen Ziele nicht davonfliegen sehen. Sicher ist jedenfalls: Diese Spielzeit wird auch von den Gesundheitsämtern entschieden.

Tennis im Freien ist selbst bei einem Inzidenzwert von über 100 erlaubt - als Einzel.
Foto: Marijan Murat, dpa (Symbolfoto)

Einmal musste Barbara Rauscher die 40. Bayerischen Altersklassenmeisterschaften im Synchronschwimmen in Neuburg schon absagen: im März 2020, vier Tage vor Beginn der Veranstaltung. „Da nahm die Pandemie schon Fahrt bei uns auf“, erzählt sie. Die Meisterschaften wurden schließlich um ein Jahr, auf April 2021 verlegt. Doch es sei absehbar, sagt die Gründerin der Donaunixen, dass auch dieser Termin gecancelt werden muss.

Indes versuchen die Synchronschwimmer des TSV, das Beste aus den Corona-Bedingungen zu machen. Wie Barbara Rauscher erklärt, trainieren die Kinder und Jugendlichen selbstständig zuhause, aber auch online mit den entsprechenden Trainern. Über die Plattform Zoom etwa können sie Gymnastik machen, aber auch Stehproben einstudieren. Ins Parkbad, ihr natürliches Habitat, dürfen sie nicht – das ist seit Ende Oktober für Besucherverkehr, Amateur- und Breitensport gesperrt.

Die Bundes- und Landeskader der Neuburger Donaunixen dürfen trainieren

Nur Profisportler dürfen nach dem aktuellen Infektionsschutzgesetz trotz Pandemie trainieren. Für die Donaunixen also die Bundes- und Landeskader. „Die sind in der glücklichen Lage, im Parkbad weiter trainieren zu können“, sagt Barbara Rauscher.

In einer glücklichen Lage scheint auch der Donau-Ruder-Club in Neuburg zu sein. Alleine oder zu zweit im Boot – das ist nach aktueller Regelung möglich. Das aber sei nur ein gewisser Vorteil gegenüber anderen Vereinen, findet Gerhard Rohleder. Denn der Spaß sei in Corona-Zeiten trotzdem minimiert. Auch der Wettkampfeifer sei wegen der fehlenden Vorbereitung nur wenig vorhanden, erklärt der Vorsitzende. „Deshalb sind alle ein bisschen traurig.“ Traurig auch, weil es nicht absehbar scheint, ob und wann die Normalität zurückkehrt.

Wie jedes Jahr hat der Verein für Pfingsten ein Trainingslager für seinen Nachwuchs geplant. Gerhard Rohleder hofft, dass es bis dahin wieder möglich sein wird, Sport übers Duo hinaus zu betreiben. Zumal es beim Pfingstlager eher darum gehe, etwas mit den Kindern und Jugendlichen zu unternehmen. Corona, glaubt der Vorsitzende, werde in der Nachwuchsarbeit noch seine Spuren hinterlassen. „Noch nicht jetzt, aber vielleicht in zwei Jahren.“ In den Startlöchern befinden sich die Tennisspieler der TeG Neuburg. Tennis im Freien ist selbst bei einem Inzidenzwert von über 100 erlaubt. Zwar nur Einzel und kein Gruppentraining, „aber immerhin“, sagt Sportwart Stephan Firl.

Weil das Spielen in der Halle seit vergangenen November nicht gestattet ist und es auf absehbare Zeit bleiben wird, hofft er auf eine Besserung des Wetters. „Unsere Plätze sind hergerichtet, wir könnten nächste Woche loslegen.“ Der Sandlieferant habe ihm erzählt, „dass noch nie so früh von den Vereinen Sand bestellt wurde. Jeder will raus und wieder spielen.“ Fünf Monate ohne einen Schläger in der Hand seien genug und hätten erfinderisch gemacht. „Ich habe für meine Kinder auf dem Speicher ein Netz aufgestellt“, sagt er.

Neuburg: Tennis im Freien bei Inzidenz von über 100 erlaubt

Firl ist bewusst, dass Tennis „eine privilegierte Stellung hat“. Umso wichtiger scheint die Einhaltung der Hygienevorschriften. Bis zum Betreten des Platzes müssen Masken getragen werden, die Duschräume bleiben geschlossen. „Wir sollten wertschätzen, unseren Sport wieder betreiben zu dürfen und halten uns an die Regeln der Politik und des Verbandes.“ Nachdem den ganzen Winter über kein Kindertraining möglich war, soll es auch damit möglichst bald losgehen. „Die Pläne liegen in der Schublade. Jedoch müssen wir die Entwicklung abwarten.“

Obwohl er weiß, dass es nicht einfach ist – weder für die Politik noch für die Verbände – hofft Udo Kotzur auf ein Signal. Ein Zeichen, dass es bald wieder vorwärtsgehen kann. „Nicht nur Stillstand“, sagt er. Schließlich zahlen die Mitglieder des TSV regelmäßig Beiträge – und möchten etwas dafür bekommen. „Wir hoffen, dass es bald weitergeht.“ Wenigstens draußen, bekräftigt der Vereinsvorsitzende. „Wir stehen bereit, auch mit Hygienekonzepten, die funktionieren.“ Das nämlich habe bereits die vergangene Saison gezeigt.

Lesen Sie dazu auch den Beitrag "Wie geht es im Amateurfußball weiter?".

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