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Neuburg/Donau

12.07.2018

Polizei sucht noch Freiwillige!

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Ab Spätherbst soll es die Sicherheitswacht auch in Neuburg geben. Die Ehrenamtlichen patrouillieren in öffentlichen Parks, nahe Asylunterkünften und Wohnsiedlungen. Sie helfen dabei, Vandalismus und Ordnungsstörungen in der Stadt vorzubeugen und verstehen sich als Bindeglied zur örtlichen Polizei. Alle Befugnisse der Sicherheitswacht sind klar geregelt.
Bild: Elisa Glöckner

Ingolstadt hat sie schon, Neuburg will sie: eine Sicherheitswacht. Sie soll das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung erhöhen. Was Bewerber dafür qualifiziert.

Personenkontrolle. Die Frau, die sie durchführt, ist keine Polizistin. Sie hat weder Waffe noch Handschellen – dafür eine Uniform. Das Wort „Sicherheitswacht“ ist auf ihrem Rücken zu lesen. Seit vielen Jahren schon patrouillieren Freiwillige wie jene Frau in unserem fiktiven Beispiel durch die Innenbereiche bayerischer Städte. Ihr Engagement ist ehrenamtlich. Bald sollen auch in Neuburg und Schrobenhausen jeweils vier Mitglieder der Sicherheitswacht nach dem Rechten sehen. Laut Neuburgs Polizeichef Norbert Bachmaier könnte es schon im Spätherbst so weit sein – vorausgesetzt, es finden sich geeignete Bewerber.

Viele Gemeinden haben die Idee schon seit 1997 umgesetzt

Die Idee einer Sicherheitswacht existiert bereits seit 1997 in Bayern. Viele Gemeinden haben sie bereits damals umgesetzt, darunter Großstädte wie München. Aber auch das kleinere Ingolstadt betreibt das Projekt seit vielen Jahren. Hier engagiert sich Isabell Wolny, die hauptberuflich am Gericht tätig ist. Wie die 43-Jährige erklärt, verstehe man sich als Bindeglied zwischen Polizei und Bürger. „Dabei versuchen wir, die Polizei zu unterstützen, vielleicht auch zu entlasten.“ Bayernweit ist sie eine von 900 Freiwilligen, die in 135 Gemeinden aktiv sind – und die Tendenz steigt. Denn übergeordnetes politisches Ziel ist es, die Zahl der Ehrenamtlichen bis 2020 auf 1500 Sicherheitswachtler zu erhöhen. Demnach fasste auch der hiesige Stadtrat am Jahresanfang den Beschluss, ein solches Angebot in Neuburg zu errichten.

Es geht vor allem darum, Ansprechpartner für die Bürger zu sein

Das Einsatzfeld der Sicherheitswacht ist breit gefächert. Noch müsse man mit der Stadtverwaltung festlegen, wo und zu welchem Zeitpunkt die Freiwilligen eingesetzt werden, bemerkt Bachmaier. In den Wirkungsbereich der Sicherheitswacht fallen örtliche Festivitäten, Weihnachtsmärkte ebenso wie auch das Umfeld von Asylbewerberheimen. Obwohl es nahe der Neuburger Unterkunft immer wieder zu Straftaten komme, betont der Polizeichef, handle es sich aber nicht um einen Kriminalitätsschwerpunkt. Stattdessen gehe es vornehmlich darum, dort als ein Ansprechpartner für Bürger präsent zu sein und so das subjektive Sicherheitsgefühl des Einzelnen zu erhöhen. Ähnlich, sagt Bachmaier weiter, verhalte es sich auf dem Bahngelände in der Stadt. „Auch hier komme es immer wieder zu Vorfällen“ Ein Brennpunkt sei der Bahnhof aber nicht.

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Mit Taschenlampe, Funkgerät, Notfallpaket und Pfefferspray unterwegs

Wie Klaus Rewitzer, Chef der Schrobenhausener Polizei hinzufügt, solle die Sicherheitswacht ohnehin nicht eigenmächtig einschreiten. „Nur, wenn es unbedingt notwendig ist.“ Tatsächlich bewegen sich die Befugnisse der Mitglieder in einem klaren gesetzlichen Rahmen. Neben Jedermanns-Rechten, worunter zum Beispiel das Festhalten einer Person bei einer Straftat zu verstehen ist, dürfen sie Menschen ansprechen, ihre Identität feststellen und gegebenenfalls einen Platzverweis erteilen. Ausgestattet sind die Freiwilligen dabei mit einer blauen Uniform, dazu tragen sie eine Taschenlampe, ein Funkgerät, ein Notfallpaket an Erster Hilfe und ein Pfefferspray mit sich. Bevor sie ihren Dienst allerdings antreten können, müssen Bewerber eine Ausbildung mit 40 Unterrichtsstunden absolvieren. Für das Ehrenamt eignen sich Menschen zwischen 18 und 62 Jahren, die eine abgeschlossene Schul- oder Berufsausbildung vorweisen können. Die deutsche Staatsangehörigkeit ist Voraussetzung, wobei sich die Polizei Ausnahmen vorbehält. Bei einer Aufwandsentschädigung von acht Euro pro Stunde sollten Sicherheitswacher in der nähen Umgebung wohnen und mindestens fünf Stunden monatlich zur Verfügung stehen. „Wir suchen keine Rambos“, bekräftigt Bachmaier, „aber Zivilcourage. Jemanden, der sozial kompetent ist und mit Verstand und Fingerspitzengefühl an die Dinge herangeht.“

Seit eineinhalb Jahren unterstützt Isabell Wolny die Sicherheitswacht in Ingolstadt. Natürlich, sagt die 43-Jährige, müsse man auch damit rechnen, in brenzlige Situationen zu geraten. Doch oft gehe es nur darum, menschliche Unterstützung zu leisten. „Es werden Fundsachen bei uns abgegeben, die wir weiter an die Polizei leiten.“ Und einmal, erzählt sie, hätte ein älteres Ehepaar nach Hilfe gefragt, dessen Auto stehen geblieben ist. Es hatte vergessen, zu tanken. „Auch hier stehen wir mit Rat und Tat zur Seite.“

Lesen Sie hier den dazugehörigen Kommentar.

Ehrenamt Das Polizeipräsidium Oberbayern-Nord sucht für die Inspektionen Neuburg, Schrobenhausen und Ingolstadt Freiwillige, die sich in den hiesigen Sicherheitswachten engagieren möchten. Näheres dazu gibt es im Internet hier.

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