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Neuburg

08.11.2018

Polizist speichert Kinderpornos auf seinem Handy

Ein Polizist speicherte Kinderpornos auf seinem Handy und wurde dafür verurteilt.
Bild: Ulrich Wagner (Symbolfoto)

Kinderpornos auf dem Handy: Ein Polizist aus dem Kreis Neuburg-Schrobenhausen wird zu einem Jahr Bewährungsstrafe verurteilt und verliert seinen Beamtenstatus.

Vor den Scherben seiner Existenz steht jetzt ein 54-Jähriger aus einer östlichen Landkreisgemeinde. Er hatte Kinderpornos erhalten und auf seinem Handy abgespeichert. Das Brisante daran: Der Mann ist Polizist. Am Mittwoch wurde er am Amtsgericht Neuburg zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt und verliert nun sehr wahrscheinlich seine Anstellung und die Pension.

Zusammengekauert sitzt der 54-Jährige auf der Anklagebank, während Staatsanwalt Gerhard Reicherl die Anklage verliest. 25 Dateien mit kinder- und jugendpornografischem Inhalt wurden neben unzähligen Erwachsenenpornos auf dem Handy des Mannes gefunden. Die freizügigen Bilder und Videos der Kinder, die er von einem Chat-Partner über WhatsApp im Zeitraum von März 2016 bis Januar 2017 angefordert hatte, speicherte der Angeklagte in einem Ordner ausschließlich auf dem Handy unter dem Dateinamen "kids" ab.

Der Polizist stand sozial im Abseits

Verteidigerin Andrea Combé räumte die Taten für ihren Mandanten ein und erklärte dem Gericht die Hintergründe: Nachdem ihn seine Freundin verlassen habe, war er mit "Leib und Seele" im Polizeidienst tätig. Doch die ständig wechselnden Freizeiten und seine pflegebedürftige Mutter haben den 54-Jährigen ins soziale Abseits gedrängt. Über einen Fernsehkanal habe er sich dann für sexuelle Interaktionen zwischen Erwachsenen beworben und so über WhatsApp Kontakt zu einem Mann bekommen, der ihm zunächst unaufgefordert Kinderpornos zugeschickt habe. 

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Gelöscht oder zur Anzeige gebracht hat der Angeklagte die Filme nicht. Denn das, so Amtsrichter Christian Veh, wäre die einzig richtige Reaktion eines Polizeibeamten gewesen. "Ich hatte nicht den Mut dazu", gestand der 54-Jährige und verneinte gleichzeitig eine pädophile Neigung. Er sei jedoch mit dem Haushalt und der Versorgung der Mutter überfordert gewesen, so die Verteidigerin. Die ermittelnden Beamten hatten das Haus des Angeklagten bei der Durchsuchung als "grenzwertig in Richtung Messie" vorgefunden. Allein acht Umzugskartons voll mit Kopien von nicht mehr benötigtem dienstlichen Schriftverkehr stapelten sich in dem teilweise vermüllten Gebäude. "Er hatte nichts mehr im Griff und war in einer gewissen Lethargie", beschrieb die Verteidigerin den Zustand ihres Mandanten.

Der Polizist hat nicht aktiv nach Kinderpornos gesucht

Bei der Durchsuchung äußerte der 54-Jährige Suizidgedanken. Deshalb wurden zwei private Schusswaffen sowie Munition sichergestellt. Von den Ermittlungen gegen ihn hatte der Angeklagte, der bereits 28 Jahre im Polizeidienst ist, schon vor seiner Suspendierung gewusst. Denn über die Polizeidatenbank hatte er sich selbst bereits 37 Mal abgefragt. Doch gelöscht hatte der Mann nichts. Staatsanwalt Gerhard Reicherl hielt dem Angeklagten zugute, dass er nicht vorbestraft und schuldeinsichtig ist. Außerdem habe der 54-Jährige nicht aktiv nach Kinderpornos gesucht, diese dennoch bewusst entgegengenommen. 

Pädophilie sah Reicherl bei ihm nicht und forderte deshalb eine Bewährungsstrafe von 14 Monaten. Verteidigerin Andrea Combé hielt eine Strafe von nur neun Monaten für angemessen. "Sein ganzes Leben war auf dem Polizeidienst aufgebaut. Wenn er entlassen wird, steht er vor dem Nichts", so die Anwältin. Richter Christian Veh verhängte schließlich ein Jahr auf Bewährung. "Als Polizist hätten Sie wissen müssen, welches Leid für die Kinder dahintersteckt. Unsere Entscheidung führt dazu, dass Sie aus dem Beamtenverhältnis entlassen werden und diese Entscheidung tragen wir mit, weil die Konsequenz letztlich nicht die falsche ist", war Veh überzeugt. Außerdem wird dem Mann dann auch noch die Pension gestrichen.

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