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Donaumoos

26.10.2020

Projekt im Donaumoos: 100 Euro für ein grünes Gewissen?

Das Donaumoos gehört mit 180 Quadratkilometern zu den größten Moorgebieten in Bayern. Nach einer langen Tradition der Kultivierung und Trockenlegung muss der Moorkörper dringend geschützt werden. Das geht aber nur in enger Zusammenarbeit mit den ansässigen Landwirten.
Bild: Andrea Hammerl

Plus Ein Projektteam aus dem Landkreis möchte ein Konzept entwickeln, um den Ausstoß von Treibhausgasen zu kompensieren. Der Effekt soll im Donaumoos spürbar sein. Denn die Zeit in Sachen Moorschutz drängt.

Möglichst regional einkaufen, öfter mal das Auto stehen lassen und den Zug nehmen – alles Dinge, auf die viele Menschen bereits achten, um die Umwelt zu schonen. Und dann möchte man aber doch nicht auf die langersehnte Flugreise nach Thailand verzichten. Wer eine Flugreise ohne schlechtes Gewissen antreten will, der kann den CO2 Ausstoß der Flugreise regional und quasi vor seiner Haustüre kompensieren.

Im Augenblick ist das noch Zukunftsmusik. Zwar gibt es Seiten im Internet, auf denen man beispielsweise die eigene Flugreise mit einem Kostenbeitrag kompensieren kann. In welche Vorhaben genau dieses Geld fließt, erschließt sich aber nicht immer. Das soll bei dem Projekt CO2-Regio anders sein: Hier steht die Kompensation von CO2 mit regionalem Moor- und damit Klimaschutz im Fokus. Quasi eine Win-win-Situation für die Landwirte, die Gesellschaft und das Klima. Geht es nach den Initiatoren des Projekts, funktioniert das in ein paar Jahren unkompliziert und vor allem regional. Das Projekt CO2-Regio erforscht, welche Maßnahmen sich insbesondere auf Flächen im Donaumoos realisieren lassen.

Untersucht und verglichen werden Maßnahmen zur Treibhausgaseinsparung und -vermeidung im Bereich des Moorkörperschutzes und niedermoorschonender Bewirtschaftung sowie des Humusaufbaus und der Aufforstung.

Altbayerisches Donaumoos ist größtes Niedermoor in Bayern

Mit etwa 180 Quadratkilometern ist das Altbayerische Donaumoos das größte Niedermoor in Bayern. Besonders Moorböden wie im Donaumoos sind im natürlichen Zustand wahre Kohlenstoffspeicher und sind ein wichtiger Faktor im Kampf gegen die Klimakrise. Werden die Böden aber klassisch bewirtschaftet, werden sie zu Treibhausgasschleudern. Bei der Entwässerung der Moore kommt der über Jahrtausende im Torf gebundene Kohlenstoff mit Sauerstoff in Berührung und oxidiert. In Deutschland enthält eine 15 Zentimeter mächtige Torfschicht in etwa gleich viel Kohlenstoff wie ein 100-jähriger Wald auf gleicher Fläche.

Anfang 2021 startet in Deutschland der nationale Emissionshandel. Das bedeutet: Unternehmen, die fossile Brennstoffe verwerten – beispielsweise Diesel, Benzin oder Heizöl – müssen sogenannte Verschmutzungsrechte kaufen. Diese Zertifikate starten bei einem Preis von 25 Euro pro Tonne CO2 und steigern sich bis zum Jahr 2025 sukzessive auf 55 Euro pro Tonne CO2. Das soll vor allem Anstoß sein, auf klimafreundlichere Alternativen umzusteigen.

Jeder soll künftig seinen CO2-Ausstoß ausgleichen können

Privat lässt sich CO2 im großen Stil vor allem dann einsparen, wenn man wenig Auto fährt, in einer kleinen Wohnung lebt und wenig fliegt. Auf der Internetseite des Umweltbundesamtes gibt es einen CO2-Rechner, mit dem sich jeder seinen persönlichen CO2-Ausstoß ermitteln lassen kann. Der Durchschnittsverbrauch der Deutschen liegt laut Umweltbundesamt bei 11,17 Tonnen.

Matthias Haile, Geschäftsführer der Bürger-Energie-Genossenschaft und Mitinitiator des Projekts CO2- Regio, erklärt: „Egal, wie umweltbewusst und nachhaltig man lebt, die eigene CO2-Bilanz wird nie unter einen Wert von drei bis vier Tonnen fallen. Denn öffentliche Emissionen, beispielsweise die von Krankenwagen, verteilen sich auf die Gesellschaft.“ Wer also CO2-neutral leben möchte, muss die eigenen Emissionen kompensieren.

Studie untersucht Kompensierungsmaßnahmen im Donaumoos

CO2-Regio erforscht, welche Bewirtschaftung möglich ist, um das Moor effektiv und klimaneutral zu nutzen. Entscheidend ist für die Initiatoren, dass die Bewirtschaftung für Landwirte rentabel bleibt. „Eine Möglichkeit ist zum Beispiel, den Grundwasserspiegel auf einer Fläche anzuheben und diese mit Fotovoltaikanlagen zu bebauen“, erklärt Haile. „So kann klimaschädliches CO2 gebunden werden und durch die Sonnenenergie entsteht grüner Strom, der ins Netz eingespeist werden kann.“ Welche Flächen sich für welche Kompensierungsmaßnahmen am besten eignen, soll die Studie zeigen.

Viele Unternehmen sind interessiert an diesen Projekten. Denn es entspricht dem Zeitgeist, ein Produkt „klimaneutral“ nennen zu können. Da kaum ein industrielles Herstellungsverfahren ganz ohne Emissionen auskommt, greifen Hersteller auf die Möglichkeit zurück, ihre Emissionen zu kompensieren. Deshalb steuerte die Audi-Stiftung für Umwelt 70.000 Euro für die Realisierung des Projektes bei. Auch die Landkreise Neuburg-Schrobenhausen, Pfaffenhofen und Aichach-Friedberg sowie einige Gemeinden wie Ehekirchen und Königsmoos beteiligten sich mit Beträgen im fünfstelligen Bereich an den Kosten, die insgesamt mit 363.572 Euro veranschlagt sind. Zwei Jahre lang soll mit diesem Geld auf verschiedenen Flächen unter anderem im Donaumoos geforscht werden. Als Ergebnis soll es ein fertiges Konzept zur Vergabe der Zertifikate geben.

Bund Naturschutz will Förderprogramm fürs Donaumoos

Auch der Bund Naturschutz sieht dringenden Handlungsbedarf in Sachen Altbayerisches Donaumoos. „Wir müssen gemeinsam mit den Landwirten Lösungen für den Erhalt des Moores erarbeiten“, erläutert Günter Krell, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Neuburg-Schrobenhausen. Denn auch beim Naturschutzbund sieht man Moorschutz im Donaumoos nur in Zusammenarbeit mit den ansässigen Landwirten als umsetzbar.

Eine konkrete Umsetzung könnte mit dem Klimaschutzprojekt „Schorner Röste“ im südwestlichen Donaumoos beginnen. Bereits 2016 wurde von der Regierung von Schwaben für das Gebiet der „Schorner Röste“ eine Machbarkeitsstudie zur Renaturierung erstellt, die eine Umsetzung zum „Klimaschutzgebiet“ beschreibt. Passiert ist den Verantwortlichen beim Bund Naturschutz seither zu wenig. Sie appellieren deshalb an die Staatsregierung, das Donaumoos zur Chefsache zu erklären. „Wir brauchen ein eigenes Förderprogramm fürs Donaumoos“, fordert Richard Mergner, Landesvorsitzender des Bund Naturschutz in Bayern. „Und zwar nicht erst morgen, sondern heute.“

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