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Justiz in Neuburg

28.05.2020

Prozess in Neuburg: Hat er es wieder für Frau B. getan?

Ein 29-Jähriger steht wegen schweren Bandendiebstahls vor dem Neuburger Amtsgericht.
Bild: Sven Hoppe, dpa (Symbolfoto)

Plus Unter anderem wegen schweren Bandendiebstahls steht ein 29-Jähriger vor dem Schöffengericht in Neuburg. Ein neues Gesicht ist der Angeklagte für Richter Christian Veh allerdings nicht.

Es dauerte nicht lange, bis er zu seinen alten Mustern zurückfand. Vier Monate. Dann brach er wieder Türen auf, hebelte Fenster aus den Angeln, stieg ein, knüpfte da an, wo er vor dem Gefängnis aufgehört hatte, zusammen mit jenen Männern, mit denen er es schon mehrfach tat – stehlen, einbrechen, klauen. Dafür muss sich der gelernte Schlosser, 29, nun vor dem Schöffengericht in Neuburg verantworten, ein weiteres Mal.

Gericht in Neuburg: Anklage bezieht sich auf eine Einbruchsserie aus dem Jahr 2019

Die Anklage bezieht sich auf eine Einbruchsserie, die sich 2019 im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen abgespielt hat. Es geht um versuchten Diebstahl, vollendeten Diebstahl, um schweren Bandendiebstahl. Konkret wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor, gemeinsam mit zwei „Kumpanen“ in Orte wie Kindergärten, Werkstätten, Wohnwagen und Sportheime eingebrochen zu sein. Sieben Fälle trug Staatsanwalt Gerhard Reicherl vor. Dabei sollen die Männer unter anderem eine Taschenlampe geklaut haben, im Juni ließen sie zwei Fotoapparate mitgehen. Tagebuch und Fotoalbum stahl der Angeklagte indes bei einem Einbruch, den er alleine beging, in einem Kindergarten in Neuburg.

Viel Geld sprang jeweils nicht heraus. Manchmal 30 Euro, manchmal ein paar Hundert, nie mehr. Nur die Schäden, die die Männer hinterließen, beliefen sich der Aussage eines Polizeibeamten zufolge auf rund 25.000 Euro.

Dazu kommt, dass Richter Christian Veh der Mann auf der Anklagebank aus einer früheren Verhandlung bekannt ist. „Kein gutes Zeichen“, verspricht der Richter zu Prozessbeginn. Denn 2018 schon musste sich der gebürtige Sachse wegen ähnlichen Vergehen vor dem Schöffengericht rechtfertigen.

Wie damals so räumt der 29-Jährige auch diesmal die Vorwürfe umfassend ein. Die Geständigkeit wird ihm angerechnet, auch weil sie dazu beigetragen hat, dass die anderen beiden mutmaßlichen Täter belastet wurden. Überführt, das bekräftigt der Staatsanwalt in seinem Plädoyer, hätten den Angeklagten aber vor allem auch daktyloskopische Spuren, DNA also, die an den Tatorten gefunden wurden. Ein Fingerabdruck zum Beispiel.

Bleibt nun die Frage nach den Beweggründen des jungen Mannes: Warum wurde er rückfällig? Weshalb brach er noch einmal ein, warum stahl er wieder? Weshalb gerade Kindergärten und Sportheime und Wohnwagen, wo es da doch nichts zu holen gibt? Warum hat er das getan? Nun, antwortet der Angeklagte, er habe es für eine Frau gemacht, sie habe ein neues Auto gebraucht. Man habe das Geld für sie, Frau B., beschaffen wollen.

Frau B. und der Angeklagte sind Richter Christian Veh bekannt

Frau B. – dieser Name fällt an diesem Tag nicht zum ersten Mal im Sitzungssaal 42 des Amtsgerichts. Auch im März 2018 war sie Thema, als der Bande der Prozess gemacht wurde. Schon damals soll sie das Motiv der Männer gewesen sein, die Beute einkassiert haben. Ein Einfluss, der mysteriös bleibt. Zumal die Aussagen der Männer in Bezug auf sie widersprüchlich seien, wie Staatsanwalt Gerhard Reicherl im Nachhinein erklärt.

Diese „unsägliche“ Frau B., die Männer reihenweise dazu bringe, sich die Nächte um die Ohren zu schlagen, verwundert auch Verteidiger Martin Angermayr. „Mit welcher Gabe, mit welcher Initialzündung sie es schafft, dass sie wie ferngesteuert losziehen, einbrechen und die Nacht zum Tag machen.“ Gleichzeitig könne sie auch der Ursprung in der Kriminalitätsgeschichte seines Mandanten sein, mutmaßte er. Denn sein Leben sei nicht unendlich fatal, die Jugend unauffällig gewesen.

Auch Richter Christian Veh legt dem Angeklagten nahe, das Umfeld zu ändern. Nichtsdestotrotz sei der knapp 30 Jahre alte Mann nach seiner Entlassung im März 2019 sofort wieder in sein System zurückgekehrt. Das zeigen auch andere Verfahren, die eingestellt wurden, weil die Diebstähle noch im „Versuchsstadium“ stecken geblieben seien. Diese Rückfallgeschwindigkeit sei atemberaubend, betonte der Richter. Und so sprach ihn das Schöffengericht schuldig. Für den Angeklagten, der derzeit in einer Justizvollzugsanstalt in Oberfranken einsitzt, bedeutet das Urteil zwei weitere Jahren und drei Monaten im Gefängnis. Die Entscheidung ist rechtskräftig.

Ermittelt wurde zwischenzeitlich auch gegen Frau B. Das Verfahren wurde laut Staatsanwaltschaft allerdings wieder eingestellt.

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