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Neuburg

28.10.2020

Prozess in Neuburg: Junger Mann soll zehn Portionen Eis geklaut haben

Wegen Sachbeschädigung, Körperverletzung und Diebstahls von Eis, sitzt ein junger Mann vor Gericht.
Bild: Caroline Seidl, dpa (Symbolfoto)

Plus Vor dem Amtsgericht Neuburg sitzt ein junger Mann, der sich an den Süßigkeiten einer Kino-Kühltruhe bediente. Einziger Anlass für diesen Prozess ist das gemopste Speiseeis aber nicht.

Er wirkt ein wenig naiv, aber nüchtern und ehrlich in dem türkisfarbenen Hemd, kann dezidiert auf Dinge eingehen, die Vorfälle erklären und Fragen des Richters beantworten. Umso unvorstellbarer deshalb ist, was die Staatsanwaltschaft dem jungen Mann vorwirft, der auf der Anklagebank des Neuburger Amtsgerichts sitzt.

Amtsgericht Neuburg: 2019 stahl er das Eis aus einem Kino in Augsburg

Es war an einem Tag im September 2019, als er in ein Shopping-Center in Augsburger Bahnhofsnähe geklettert sein soll. Im Kino dieses Centers angekommen, schnappte er sich aus der Tiefkühltruhe Speiseeis im Wert von etwa 15 Euro.

„Das stimmt“, meint der Heranwachsende geständig, das Eis habe er geklaut. Zuvor sei er mit einem Kollegen in der Augsburger Innenstadt feiern gewesen. Dann sei man herumgeirrt, in das Einkaufszentrum gestiegen, die Rolltreppe hinauf, habe Kino und Kühltruhe entdeckt. „Viel vom Eis haben wir selbst gegessen“, erzählt er. Was übrig blieb, sei an Obdachlose, an Passanten und Straßenarbeiter verschenkt worden.

Zehn Portionen gestohlenes Eis sind aber nicht der alleinige Grund, weshalb dem jungen Mann aus der Nähe von Ingolstadt der Prozess gemacht wird. Die Liste der Vergehen ist lang. Sachbeschädigung, Beleidigung, Körperverletzung in Mittäterschaft, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Besitz einer unerlaubten Waffe und gewerbsmäßiger Handel mit Betäubungsmitteln sind nur einige Vergehen, die er sich nach Ausführung von Staatsanwältin Astrid Schrodt im vergangenen Jahr zuschulden kommen ließ.

So feierte der junge Mann einige Zeit nach dem Vorfall im September in einem Hotelzimmer, das er zuvor zusammen mit Freunden gebucht hatte.

Die Verhandlung in Neuburg wird unterbrochen, um mehrere Zeugen zu hören.
Bild: Maya Spitzer (Symbolfoto)

Wenig später sei die Polizei eingetroffen, wollte seine Personalien aufnehmen. Denen habe er den falschen Namen genannt, aus Angst, so erklärt es der Angeklagte, geschnappt zu werden – zumal bereits ein Haftbefehl gegen ihn vorlag. „Ich wollte nicht wieder in den Knast.“

Prozess in Neuburg: Bei einer Kontrolle versuchte der Angeklagte zu flüchten

Also flüchtete er – versuchte es jedenfalls. Denn wie die Staatsanwaltschaft dem Jugendrichter schildert, hielten ihn die Beamten am Treppenabsatz des ersten Stocks fest. Er versuchte sich loszureißen, ein großes Gerangel. Dann stürzten alle gemeinsam die Treppe hinunter ins Erdgeschoss. Die bittere Bilanz dieses Falls: diverse Abschürfungen und Risswunden, eine blutende Nase, erhebliche Schmerzen. Es tue ihm wahnsinnig leid, bedauert der Angeklagte vor Gericht. Er habe nie die Absicht gehabt, die Beamten zu verletzen. Er habe sich nur gewehrt, um weglaufen zu können. „Dann ist ein Polizist über mich drüber gefallen.“ Und alle gingen zu Boden, ein ganzes Geschoss tiefer.

Um Polizisten, Geschädigte und andere Zeugen zu hören, unterbricht Jugendrichter Gerhard Ebner die Verhandlung. Sie wird am Dienstag, 3. November, fortgesetzt.

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