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Neuburg

28.05.2018

Psychiatrie in Neuburg: Akutaufnahmen stark gestiegen

Immer mehr junge Menschen brauchen die Hilfe der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Kliniken St. Elisabeth. Es herrscht Aufnahmepflicht.

In den Kliniken St. Elisabeth müssen immer mehr junge Menschen aufgenommen werden, die psychische Notfälle sind. Welche Ursachen dahinterstecken.

2017 lag die Quote der Akutaufnahmen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Kliniken St. Elisabeth bei 90 Prozent. Nur noch zehn Prozent der Patienten wurden regulär auf der Station aufgenommen. Das macht die Arbeit für das medizinische Personal in Neuburg immer schwieriger.

Astrid Passavant, Chefärztin der Kinder- und Jugendpsychiatrie, schätzt, dass die Notaufnahmen in ihrer Abteilung in den vergangenen zehn Jahren jährlich um ungefähr zehn Prozent gestiegen seien. „Die Kurve geht kontinuierlich nach oben“, sagt die Chefärztin. Eine kurzfristige Änderung dieser Entwicklung sei nicht zu erwarten. Bei diesen Notfällen handelt es sich in der Regel um Jugendliche, die selbstmordgefährdet sind und in einer tiefen Krise stecken. Kurz gesagt, um junge Menschen, die in einem Zustand sind, in dem sie nicht mehr nach Hause geschickt werden könnten, erklärt Passavant. Diese werden von Polizisten vorbeigebracht oder die Eltern stehen mit ihnen in der Ambulanz. Oder Lehrer rufen an und berichten, ein Schüler habe vor, sich umzubringen. Wenn ein solcher Anruf kommt, tagsüber oder auch in der Nacht, hat das Personal in der Psychiatrie oft nur 30 bis 60 Minuten Zeit, sich auf den Neuzugang einzustellen. „Dadurch haben wir immer weniger Luft für therapeutische Maßnahmen“, bedauert die Chefärztin. Dabei würde sie in eben diese Maßnahmen eigentlich lieber mehr Zeit investieren.

Keine Entlastung durch Ingolstadt

Entlastung kann hier auch die neue kinder- und jugendpsychiatrische Tagesklinik in Ingolstadt, die seit 1. März betrieben wird, nicht bringen, weil die Akutaufnahmen meist in den vollstationären Bereich fallen. „Wir spüren noch keine Auswirkungen“, sagt Passavant. Der Zeitraum ist allerdings zu kurz, um das schon beurteilen zu können.“ Man sei in einem „guten Austausch“.

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In der Kinder- und Jugendstation in Neuburg gibt es 30 Betten. Die Abteilung sei allerdings schon länger permanent überbelegt, berichtet die Chefärztin. Eine Erweiterung auf 36 Betten ist bereits beschlossen, aber räumlich noch nicht umgesetzt. Passavant: „Wir nehmen jeden Patienten auf, der Hilfe braucht. In Spitzenzeiten wird es eng.“

Derartige Spitzen gab es früher zum Beispiel kurz vor der Zeugnisvergabe in der Schule, zum Schuljahresbeginn und -ende. „Die Schule ist ein wichtiger Faktor bei Kindern und Jugendlichen“, erläutert die Chefärztin. Inzwischen gebe es aber Spitzen im Jahresverlauf, die sich nicht mehr nur durch schulisches Belastungserleben erklären lassen. Depressionen durch Überbelastungen und Überforderung bei Kindern und Jugendlichen häufen sich generell. Passavant: „Die Kids packen das nicht mehr alles, was auf sie einprasselt.“ Hinzu kommt: Feste Strukturen im Familienleben, die Kinder in ihrer Entwicklung bräuchten, lösten sich auf, weil die Eltern immer flexibler und spontaner arbeiten müssten.

Medien spielen immer bedeutendere Rolle

Eine immer bedeutendere Rolle bei psychischen Problemen spielen die Medien. Zum einen mache die ständige Erreichbarkeit übers Smartphone die Menschen kaputt, so Passavant. Zum anderen nehme die Mediensucht zu. Außerdem nutzten manche Jugendliche das Internet, um Fotos von Selbstverletzungen zu veröffentlichen. „Das sorgt für mehr Aufmerksamkeit und die Umwelt reagiert schneller.“

Die Betreuung von Suchtpatienten ist ein Bereich, in den die Chefärztin der Neuburger Kinder- und Jugendpsychiatrie gerne stärker einsteigen würde. Auch Spezialangebote wie Eltern-Kind-Behandlungen stehen auf der Wunschliste von Astrid Passavant. Doch hier muss sie noch geduldig sein, wie sie weiß: Der neue Träger der Kliniken St. Elisabeth, die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg e. V. (KJF), müsse sich erst noch einarbeiten, bevor derartige Planungen angegangen werden könnten.

Bis es soweit ist, muss sich die Chefärztin mit einer ganz anderen Angelegenheit auseinandersetzen – mit der jüngst in Kraft getretenen Datenschutzverordnung. Ein weiterer Mehraufwand. „Verwaltungsarbeiten und Dokumentation kosten uns Zeit, die bei den Patienten fehlt.“

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