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Schrobenhausen

29.09.2016

Ramponierter Baumgigant soll weiter leben

Die mächtige Eiche bei Gollingkreut  hat unter den Starkregenfällen Anfang vergangener Woche gelitten. Einer der drei Hauptäste des Naturdenkmals brach ab.  Kreisgartenfachberater Erwin Pommer begutachtet den Schaden.
Bild: Foto: Norbert Eibel

Ein Hauptast der Gollingkreuter Eiche brach nach heftigen Regenfällen ab. Wie der 600 Jahre alte Baumriese nun gesichert wird.

Die Gollingkreuter Eiche, ältester Baum im Landkreis, ist ein Sanierungsfall. 25 Meter hoch und mit einer Mächtigkeit von neun Metern hat der Baumgigant mehr als 25 Generationen Wind und Wetter getrotzt. Doch die heftigen Regenfälle Anfang vergangener Woche haben das Naturdenkmal schwer beschädigt. Einer der drei Hauptäste brach aus. Passiert ist zum Glück nichts, da der Baum mit Seilen gesichert war.

Jeanne d-Arc, die Jungfrau von Orleans, erblickte gerade das Licht der Welt, und im Ordensland Ostpreußen tobte bei Tannenberg die historische Schlacht zwischen den Rittern des Deutschen Ordens und der Streitmacht des Königreichs Polen, als einige Kilometer westlich von Schrobenhausen ein Eichensämling austrieb, der in geschätzten 600 Jahren zu einem Giganten heranwuchs. Die Gollingkreuter Eiche ist der älteste Baum im Landkreis.

Erwin Pommer, Kreisfachberater für Garten- und Landschaftspflege am Landratsamt, hat den Schaden, den das Unwetter in der Nacht auf den 20. September verursacht hat, gleich am nächsten Tag vor Ort in Augenschein genommen. Da die Stieleiche als Naturdenkmal ausgewiesen ist, ist der Landkreis für alle Pflegemaßnahmen und die Verkehrssicherungspflicht zuständig. „Ein Grünastabbruch, der so nicht vorhersehbar war“, resümiert der Experte. Glücklicherweise, so Pommer, sei das gegen Mitternacht geschehen, als niemand mehr unterwegs war. Der Baum steht gleich neben der Ortsverbindung nach Öd. Der Ast stürzte wegen der massiven Sicherungen, die man schon vor einigen Jahren vorgenommen hatte, nicht auf die Straße. Nach einem Gutachten und aufwendigen Untersuchungen im Herbst vor vier Jahren, unter anderem mittels Schalltomografie, wurden zu den vorhandenen Metallankern zwei zusätzliche Sicherungsseile aus Kunststoff angebracht, die ein unkontrolliertes Herabstürzen der großen Äste verhindern und die Krone sichern sollte. Sie hatten eine Traglast von je vier Tonnen und sind beide ausgerissen. „Diese Sicherungen waren super. Nichts auszudenken, wenn der Ast auf die Straße gestürzt wäre...“, kratzt sich Erwin Pommer am Kopf und zeigt die ausgefaserten Seilreste.

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Dass der mächtige Ast instabil war, war bekannt. Durch eine Kerbe an der Oberseite war schon lange Wasser ins Holz eingesickert. „Dadurch hat sich die Zellulose abgebaut, es blieb nur noch das Lignin“, sagt der Sachverständige und nimmt zum Beweis ein Stück Totholz aus dem hohlen Astkern. Es lässt sich wie Knäckebrot zerbröseln. Der Baum stand deshalb unter ständiger Beobachtung. Erst zwei Wochen vor dem Vorfall überprüfte Erwin Pommer die Lage und konnte nichts bemerken. „Auffällig ist aber schon, dass das bei Dauerregen nach einer langen Trockenphase geschehen ist“, fügt er an. Forstleute hätten dieses Phänomen in jüngster Zeit öfter beobachtet. Und wie zum Beweis sei in derselben Nacht in Niederarnbach (Gemeinde Brunnen) an einer mächtigen Eiche ebenfalls ein Ast abgebrochen. Nach dem Trockenjahr 2015 haben die Bäume heuer viel Grün und viele Früchte ausgebildet. „Bei Nässe haben die ein Riesengewicht.“ Dass wurde der Eiche zum Verhängnis.

Nun ist das Naturdenkmal stark beschädigt, was Erwin Pommer sehr bedauert. Doch die Eiche soll gerettet werden. „Einige Leute haben mich angesprochen, ob jetzt Brennholz gemacht wird“, schmunzelt er. „Natürlich nicht!“ Der Baum wird gesichert, wobei die Statik im Fokus steht. Die verbliebenen zwei Hauptäste müssen gekürzt werden. Und erneut werden zwei Sicherungsseile, diesmal mit der doppelten Traglast von acht Tonnen, angebracht. Circa 1000 Euro kosten diese Maßnahmen, die die Spezialfirma Schöpfl aus Deinigen (Donau-Ries) durchführt.

Nach erfolgreicher Arbeit, hofft Erwin Pommer, wird sich der mächtigste Baum im Landkreis stabilisieren, und als Landmarke noch einige Jahre auf der Anhöhe bei Gollingkreut stehen. Im Deutschen Baumarchiv ist er mit über neun Metern Stammumfang als viertmächtigste Eiche Bayerns gelistet.

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